Wie werde ich Orthoptistin?

Antonia Hoeft

Wer als Kind schielt, der endet schnell mit einem bunten Pflaster auf dem Auge. Das hat er meist einem Orthoptisten zu verdanken - einer Art Augenarzt mit Ausbildung statt Studium. Für Ute Gilles (44) ein echter Traumberuf. Wie sie dazu kam und was genau sie macht, hat sie fudder erzählt.



Was genau macht eigentlich eine Orthoptistin?

Die Orthoptistin ist zuständig für die Untersuchung und Behandlung von Sehschwächen. Wir diagnostgizieren zum Beispiel angeborenes Schielen und erworbene Augenmuskellähmungen. Wir behandeln auch Patienten mit Augenzittern und anderen Erkrankungen, die das Augenmuskel- und Sehzentrum im Gehirn betreffen.  

Und wie wird man Orthoptistin?

Ich persönlich hab den Beruf über eine Freundin kennengelernt. Die war an Medizin interessiert, hatte aber keine Lust auf das lange Studium - und die Ausbildung zum Orthoptisten dauert ja nur drei Jahre. In den ersten beiden Jahren ist es eine Kombination aus theoretischem Unterricht und praktischer Aubildung – man arbeitet schon recht früh mit Patienten, zusammen mit dem Ausbilder. Im letzten Drittel steht überwiegend die praktische Tätigkeit im Vordergrund. Man vertieft die praktischen Erfahrungen durch einen vierwöchigen Schüleraustausch an einer anderen Schule in Deutschland.



Und, sind Sie immer noch zufrieden mit der Wahl?

Ja, für mich ist es der Traumberuf. Ich kenne viele komplizierte medizinische Sachverhalte im Bereich des Sehens kenne und habe die Möglichkeit, in der Praxis mit Menschen aller Altergruppen zusammenzuarbeiten.  



Was gefällt Ihnen denn besonders gut an Ihrem Beruf?

Mir gefällt die Kombination, die Patienten selbstständig zu untersuchen und dann gemeisam mit dem Augenarzt einen Therapieplan aufzustellen. Darüber hinaus bietet sich die Möglichkeit, wie hier, an einer Schule als Lehrorthoptistin zu arbeiten und Schüler zu unterichten. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis auszubilden und dieses Miteinander ist etwas, was sehr viel Spaß macht.

Was waren denn in Ihren über 20 Jahre im Beruf die größten Erfolgserlebnisse?

Ich arbeite ja an einer Klinik mit internationalen Kontakten. Dadurch habe ich die Möglichkeit bekommen, auf einem internationalem Kongress in Stockholm einen Workshop zu leiten.

Ein weiteres schönes Erlebnis aus der Praxis war die Erfahrung mit einem Kind, das sich so sehr gegen Untersuchnungen im Krankenhaus gesträubt hat, das es zunächst gar nicht möglich war es zu untersuchen. Durch den mehrfachen Kontakt mit mir hat es an Vertrauen gewonnen und sich so letztendlich behandeln lassen.

   

Hat der Beruf auch Schattenseiten?

Man muss flexibel sein, bereit umzuziehen, sonst könnte es schwer fallen eine Anstellung zu finden. Auch könnte die Bezahlung besser sein, wie leider bei so einigen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Im Verhältnis zur Verantwortung, die wir den Patienten gegenüber haben, ist das Gehalt eher mäßig. Das schmälert aber den Spaß am Beruf bei mir keinesfalls.

Wenn ich das auch machen will, welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Grundvoraussetzung ist die Mittlere Reife. Man sollte auf jeden Fall an naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie und Physik interessiert sein, da wir einen großen Bereich der Optik kennenlernen und beherrschen müssen. Man sollte auch Freude an der Arbeit mit Patienten aus verschiedenen Altersstufen haben, wobei sowohl eine Vertrauensbasis zum Patienten, als auch das fachliche Know-How wichtig sind.



Haben Sie abschließend noch Tipps für Leute, die auch Orthoptisten werden wollen?

Unser erster Tipp ist eigentlich immer: Schaut euch den Beruf in der Praxis an! Man könnte zum Beispiel in einer Augenarztpraxis hospitieren, in der eine Orthoptistin arbeitet oder in einer Klinik, die eine Abteilung für Neuroophthamologie und Schielbehandlung hat. Hier an der Uniklinik bieten wir das auch an.

 


Zur Person:

Ute Gilles ist  44 Jahre alt. 1989 absolvierte sie die Staatliche Prüfung zur Orthoptistin an der Universitäts-Augenklinik Köln.

Heute arbeitet Sie als leitende Lehrorthoptistin in der Universitäts-Augenklinik Freiburg.
Ihr Fachgebiet zählt zu einem Spezialgebiet der Augenheilkunde, darunter fallen die Bereiche "Orthoptik" (griechisch: ortho=gerade und opsis =Sehen), also das gerade Sehen, die "Strabologie" (die Lehre von Schielerkrankungen angeboren oder erworben), die "Neuroopthalmologie" (Augenbewegungsstörungen durch neurologische Erkrankungen) und die "Lehre der Amblyopie" (Schwachsichtigkeit).

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