Wie werde ich Goldschmiedin? (24)

Friederike Grasshoff

In der Goldschmiede Dreierlei in der Hildastraße fertigt und verkauft die 34-jährige Goldschmiedin Binnur Bayfidan "schmucke Dinger". Wir wollten wissen: Wie wird man eigentlich Goldschmiedin?



Der Beruf der Goldschmiedin

Als Goldschmiedin produziere ich Schmuck in Handarbeit. Anders als die Berufsbezeichnung vermuten lässt, arbeitet man auch mit Silber, Edelsteinen und anderen Materialen.

Der Goldschmied berät Kunden, die schon die Idee für ein Schmuckstück mitbringen, macht Umarbeitungen, Reparaturen und fertigt Trauringe an. Die größte Freude bringt natürlich die Erschaffung eigener Schmuckkreationen, deshalb habe ich mich selbstständig gemacht.

Ausbildung zur Goldschmiedin

Goldschmied ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, die Ausbildung dauert bundesweit 3 ½ Jahre.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um den Beruf zu erlernen: Entweder man beginnt mit der schulischen Ausbildung für zwei Jahre und macht dann 1 ½ Jahre Anschlusslehre im Betrieb oder man wird von Anfang an direkt im Betrieb ausgebildet. Das ist mit Abitur und ab einem gewissen Alter auch mit Lehrzeitverkürzung auf 2 ½ Jahre möglich. Es ist aber eher die Regel, zuerst die Schule zu besuchen und anschließend im Betrieb weiterzulernen. Für die Anschlusslehre gibt es mehr Betriebe als für die Ausbildung ab dem ersten Lehrjahr.

In der Ausbildung wird man an den Beruf und die Tätigkeiten herangeführt. Man lernt die Grundtechniken wie Feilen, Sägen, Bohren, Fräsen, Schweißen, Walzen, Schmieden und Gießen, womit noch lange nicht alle genannt wären. Außerdem lernt man Entwurftechniken, wie dreidimensionales Zeichnen.



Es hängt sehr vom jeweiligen Ausbildungsbetrieb ab, was man dann wirklich erfährt und erlernt. Ich denke, dass man in diesem Metier nie auslernt, auch nicht, wenn man fertig mit der Ausbildung ist und sich ganz offiziell Goldschmied nennen darf. In der Ausbildung lernt man die Grundtechniken. Wenn man das Ziel hat, seine eigenen Ideen zu verwirklichen, dann bedeutet das weit mehr Arbeit und Engagement.

In der Ausbildung sollte man sämtliche Schmuckvarianten durchgenommen haben, so viele Materialen wie möglich schon einmal in den Händen gehabt haben und auch gern mal ein bisschen Experimentierfreude an den Tag gelegt haben. Beim Ausbildungsbetrieb kann man Glück oder Pech haben, die Qualität der Ausbildung variiert.

Mein Werdegang

Die Entscheidung Goldschmiedin zu werden, kam ziemlich spontan: Ich hatte noch nie über diesen Beruf nachgedacht geschweige denn daran ihn zu ergreifen. Es war ein purer Zufall, der mich zu meinem eigentlichen Traumberuf führte: Damals studierte ich Literatur, Philosophie, Kunst- und Medienwissenschaften in Konstanz und auf dem Weg zur Uni lief ich immer an einer ganz abgefahrenen Schmuckwerkstatt vorbei- Irgendwann hab ich angehalten und das Geschäft näher betrachtet.

Damals war ich 23 Jahre alt. Vorher hatte ich schon daran gedacht, dass es toll wäre, mit den Händen zu arbeiten, diese Idee blieb fest in meinen Kopf. Dann habe ich einfach nachgefragt und ein zehnmonatiges Praktikum in dieser  ausgefallenen Schmuckwerkstatt gemacht. Wegen meines Studiums hatte ich nur an zwei halben Tagen die Woche Zeit, aber trotzdem hat mich das Praktikum begeistert.  Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir direkt im Anschluss eine Ausbildungsstelle gesucht habe.

In Lörrach fand ich einen Betrieb, Der Schmuckmacher, wo  mich Henning Baumgärtel zur Goldschmiedin ausbildete. Danach zog ich nach Freiburg und arbeitete zuerst ein halbe Jahr in einer Goldschmiede in Emmendingen.

Kurze Zeit später ging ein weiterer Wunsch in Erfüllung: Ich bekam eine feste Stelle in der renommierten Goldschmiede im Schwabentor, wo ich viereinhalb Jahre gearbeitet habe. Diese Zeit war wirklich toll und mir wurde immer klarer, dass ich den richtigen Weg gegangen war. Weitere Arbeitserfahrungen sammelte ich in der Goldschmiede Kaltschmidt, wo ich zehn Monate tätig war.



Danach erfüllte ich mir einen lang ersehnten Traum: Ich ging für einen Auslandsaufenthalt nach London, um neue Erfahrungen zu sammeln, neue Impulse auf mich wirken zu lassen und um einen anderen Blick auf meinen Beruf zu bekommen. Das war eine wirklich aufregende und anregende Zeit in einer unglaublichen Stadt. Es war sehr inspirierend für mich, weil es in London viele Künstler und Schmuckmacher gibt, die sich und ihre Ideen verwirklichen.

Als ich nach Deutschland zurückkam, war ich ein ganzes Stück mutiger geworden und beschloss meine eigenen Ideen zu realisieren. Ich zog wieder nach Freiburg, nahm an einem Existenzgründer-Seminar teil und erstellte einen Business- Plan. Und dann ging’s direkt los und ich machte mich nach vier Monaten mit meiner eigenen Firma „Schmucke Dinger“ selbstständig. Ein paar Monate später habe ich mich dann mit zwei anderen Goldschmiedinnen zusammengetan und wir eröffneten im November 2007 den Laden Goldschmiede Dreierlei.

Arbeitsalltag

Morgens um 9 Uhr komme ich in den Laden. Dann dekoriere ich den Schmuck im Schaufenster, schaue meine Auftragstüten durch, mache Bestellungen und führe Telefongespräche. Wenn das alles erledigt ist, setze ich mich ans Werkbrett, den Arbeitsplatz des Goldschmieds, und mache Schmuck.

Ab und zu kommen Kunden, die ich berate, dann arbeite ich weiter, mache Mittagspause. Die meiste Zeit verbringe ich am Werkbrett, wo es immer viel zu tun gibt. Ab und zu gehe ich auf Messen, um neue Materialen zu sehen oder Vertreter kommen ins Geschäft, die Edelsteine verkaufen.



Talente

Am wichtigsten ist die Liebe zu Schmuck, Formen und Farben, wenn man sich für den Beruf des Goldschmieds entscheidet. Außerdem sollte man Geduld, Disziplin, eine ruhige Hand und einen klaren Blick mitbringen und keine Scheu vor teilweise sehr anstrengender Handwerkstätigkeit haben. Präzises Arbeiten erfordert viel Übung und Ausdauer.

Viele Dinge werden aber während der Ausbildung geschult, zum Beispiel das Zeichnen und der klare Blick auf die Materialen und das Kunstwerk. Kreativität, Phantasie und eine gewisse Liebe zum Detail sollte man haben, um seine eigenen Einfälle auszuarbeiten und zu realisieren.

Das Besondere an meinem Beruf

Ich finde es toll, dass ich nach einem langen Arbeitstag ein Resultat auf dem Tisch liegen habe, etwas Greifbares. Jeden Tag begegnet man neuen Herausforderungen - es gibt immer wieder Sachen, die man in dieser Form noch nicht gemacht hat. Man kann seiner Kreativität oft freien Lauf lassen und seinen Assoziationen in Schmuckunikaten Ausdruck verleihen. Es ist auch immer wieder faszinierend zu beobachten, welch edle Materialen die Natur hervorbringt.

Mein Geschäft

Hinter unserem Laden "Dreierlei" steht die Idee eigenverantwortlich Schmuck herzustellen, aber mit einer gemeinsamen Präsentationsfläche. Der Kunde hat den Vorteil, dass er bei uns auf verschiedene Stile trifft, weil bei uns drei Künstlerinnen arbeiten. Wir sind also sehr vielfältig und können auf die verschiedensten Kundenwünsche eingehen.



Meinen künstlerischen Stil würde ich als verspielt, orientalisch, schön, schmeichelnd und vor allem zeitlos beschreiben. Der Kunde kann mit einer eigenen Idee in den Laden kommen und wenn diese realisierbar ist, können wir den Schmuck anfertigen. Andernfalls biete ich Alternativen und Veränderungen an. Eine kunterbunte Mischung von Menschen, jung bis alt, kommen in den Laden und schauen sich um. Die meisten Kunden sind zwischen Mitte dreißig und Mitte vierzig.

Perspektiven

Früher wollte ich Naturwissenschaftlerin oder Journalistin werden. Trotzdem dachte ich auch immer wieder daran, etwas Handwerkliches mit künstlerischem Anspruch zu machen. Kunst reizt und inspiriert mich. Ich könnte mir vorstellen auch in anderen, ergänzenden Bereichen künstlerisch zu arbeiten, am meisten interessiert mich Photographie. Für mich steht aber fest, dass ich als Goldschmiedin alt werden will.

Tipps für Interessierte

Wenn man sich für den Beruf des Goldschmieds begeistert, dann sollte man unbedingt ein Praktikum machen. Das kann unter Umständen aber sehr schwierig sein, weil die wenigsten Goldschmieden noch ein extra Werkbrett haben, das der Praktikant benutzen kann.

Daher würde ich außerdem empfehlen, einen Goldschmiede-Kurs zu machen: Zum Beispiel bei Felix Stüssi in der Designwerkstatt in der Zasiusstraße oder in der Habsburgerstraße bei Saskia Derksen. Dabei merkt man dann, ob die Arbeit einem wirklich Spaß bringt.

Denn nicht alles was Gold ist, glänzt: Ein fertiges Schmuckstück sieht zwar toll aus, aber seine Herstellung ist mit dreckigen, schmerzenden Händen und viel Mühe verbunden. Man sollte sich auf jeden Fall praktisch anschauen, ob die Sache einem liegt.



Mehr dazu:

Web: Schmucke Dinger

Goldschmiede Dreierlei
Hildastraße 7
79102 Freiburg
Telefon: 0761.7077590

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag 10 bis 18:30 Uhr
Samstag 10 bis 14 Uhr

Tag des offenen Ateliers

Sonntag, 13. Juli 2008 von 11 bis 22 Uhr