Wie werde ich Gebärdensprachdolmetscherin?

Anna-Lena Zehendner

Bea Blumrich darf sich bei ihrer Arbeit keinen Fehler erlauben. Höchste Konzentration und Aufmerksamkeit wird von ihr verlangt - und das oft über mehrere Stunden. Sie muss zuhören und wiedergeben zur gleichen Zeit. Die 27-Jährige ist Diplom-Gebärdensprachdolmetscherin. [Mit Video]



„Ich begleite meine Kunden hauptsächlich bei Arztterminen, Amtsbesuchen oder auch bei Schulungen“, sagt Bea Blumrich. Das sei sehr abwechslungsreich und spannend, da man nicht immer genau weiß, was auf einen zukommt. In ihrer kurzen Zeit als Gebärdensprachdolmetscherin hat Bea bereits viel erlebt: Sie durfte auf einer Hochzeit dolmetschen und Vorträge von Studenten an der Universität übersetzt. Für eine Beerdigung wurde sie leider auch schon gebucht.


Seit zwei Jahren ist die 27-jährige Magdeburgerin selbstständige Diplom Gebärdensprachdolmetscherin für deutsche Gebärdensprache. Schließlich gibt es, wie auch bei der Lautsprache, in jedem Land eine andere Gebärdensprache. „Es gibt sogar deutschlandweit Dialekte“, sagt Bea. „Im Norden ist eine Gebärde oft ganz anders als im Süden.“ Diesen Dialektunterschied merkt sie in Freiburg besonders. In den Freiburger Gebärdendialekt muss sich die Dolmetscherin noch rein finden. Schließlich lebt Bea erst seit vergangenen November hier.

Studiert hat sie an der Fachhochschule in Magdeburg: acht Semester Regelstudienzeit. „Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf dem Dolmetschen der deutschen Gebärdensprache“, sagt die junge Selbstständige. „Man lernt aber auch viel über die Gebärdensprachen- und Gehörlosengemeinschaft und deren Kultur.“ Für das Studium entschieden habe sie sich aus reinem Interesse an der Sprache. Als Teenager hat sie immer die Sendung „Sehen statt Hören“ angeschaut und habe dabei festgestellt, wie spannend sie Gebärdensprache findet.



Ihre Büroarbeit und die wichtige Kontaktpflege zu ihren Kunden erledigt Bea von zu Hause aus. Um in Freiburg richtig Fuß zu fassen, hat sie sich in Baden-Württemberg auf verschiedene Listen setzen lassen, auf denen auch andere Dolmetscher verzeichnet sind, und sie hat sich persönlich bei Vereinen und Institutionen vorgestellt. „In den letzten Monaten ist meine Arbeit ganz gut angelaufen“, sagt Bea. „Ich habe Aufträge, und es gibt sowohl gehörlose als auch hörende Kunden, die gerne mit mir zusammen arbeiten.“

Ein fester Kundenstamm sei bei ihrem Beruf ideal, da man sich so auf die jeweilige Person und den Termin gut einstellen kann. Das macht die Arbeit wesentlich einfacher. „Wenn ich einen Kunden schon länger kenne, habe ich eventuell auch nützliches Hintergrundwissen, dass für einen Dolmetscherprozess sehr wichtig ist“, sagt Bea. „Schließlich müssen wir beim simultanen Dolmetschen oft sehr schnell den Sinn erfassen können.“ Fehler darf man sich dabei so gut wie keine erlauben. Das erfordert höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Während des Studiums würde man jedoch auf solche Situationen, die durchaus auch körperlich anstrengend sind, sehr gut vorbereitet werden.

Bea Blumrich liebt ihren Job und freut sich, dass es für sie in Freiburg so gut angelaufen ist. „Momentan macht es mir einfach sehr viel Spaß und ich könnte mir vorstellen, diesen Beruf noch zu machen bis ich umfalle.“ Trotzdem hält sich die junge Gebärdensprachdolmetscherin für ihre berufliche Zukunft alles offen.

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