Wie werde ich Bestatter? (11)

Kristina Bieda

Dass ein Bestatter nicht nur mit Toten zu tun hat, wissen wir spätestens seit der Erfolgsserie "Six Feet Under". Im Interview erklärt der Freiburger Bestatter Karl-Heinz Müller, welche anderen Voraussetzungen für seinen Beruf notwendig sind.



Traditional sind in Deutschland viele Bestattungsunternehmen Familienunternehmen. Das heißt, das Unternehmen wird an die Kinder weitergegeben. Auch Karl-Heinz Müller hat das Bestattungsinstitut Müller in Freiburg von seinem Vater übernommen.




"Eigentlich war es nicht mein Traumberuf, aber als mein Vater mich gefragt hat,  ob ich das Unternehmen übernehmen will, habe ich nur zwei Tage überlegt," sagt Karl-Heinz Müller.
Sein Vater Karl Bernhard Müller hat sich bereits 1949 in der Bestattungsbranche selbständig gemacht. Als Karl-Heinz 15 wurde und kurz vor der mittleren Reife stand, hat ihm sein Vater die Nachfolge angeboten. Seine beiden ältern Geschwister hatten zuvor abgelehnt. Er ist vom Gymnasium abgegangen und hat eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht.

Anschließend war er zwei Jahre als Volontär in Düsseldorf. Es ist für viele angehende Bestatter üblich, dass sie eine Zeit lang in anderen Betrieben Erfahrungen sammeln. In Düsseldorf hat er sich auf freiwilliger Basis das angeeignet, was heute während der Ausbildung gelernt wird. In dieser Zeit hat Müller Spaß an dem Beruf gefunden und den Ehrgeiz entwickelt daran mitzuarbeiten, dass der Beruf irgendwann auch als Ausbildungsberuf möglich ist.
Als 1984 seine Mutter gestorben ist, hat er erst den kaufmännischen Bereich im Familienbetrieb übernommen und zwei Jahre später, nach dem Tod seines Vaters, den ganzen Betrieb. In zwei Jahren feiert das Unternehmen sein 60jähriges Bestehen.



Herr Müller, welche Tätigkeiten muss ein Bestatter ausüben?


Karl-Heinz Müller:
Eines der wichtigsten Dinge als Bestatter ist die Betreuung der Hinterbliebenen. Sobald jemand gestorben ist und die Angehörigen sich bei uns melden, stehen wir ihnen helfend und beratend zur Seite. Denn oft haben die Angehörigen, durch die Situation bedingt, Schwierigkeiten rational zu denken. Wir tragen also eine große Mitverantwortung, etwas zu organisieren, was auch im Rückblick für die Familie das ist, was sie haben wollte. Man muss gut zuhören können und sich gut in die Situation hineindenken. Dazu gehört dann noch das nötige Fachwissen.

Welches Fachwissen ist das?

Zum Fachwissen gehören in erster Linie die gesetzlichen Vorschriften, die mit dem Tod verbunden sind. Man muss wissen, was es für Grabarten gibt und welche Bestattungsarten in Deutschland erlaubt sind. Von großer Bedeutung ist auch der Bereich der Hygiene, damit der Verstorbene entsprechend versorgt werden kann. Der Bestatter muss auch wissen, welche Papiere und Dokumente ausgefüllt werden müssen, damit eine Eintragung ins Sterbebuch veranlasst werden kann. Und wir helfen natürlich auch den Hinterbliebenen mit der Abmeldung, dem Einzug der Versicherung oder der Vorbereitung von Rentenpapieren, damit da bestimmte Fristen eingehalten werden.

Dazu kommt dann der Bereich Verkauf: Wir verkaufen Särge, Urnen, Sterbewäsche und andere Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Trauerdrucksachen. Da muss ein Bestatter auch helfen können, Texte entsprechend zu formulieren.

Eine weitere Tätigkeit, die Bestatter ausüben können, ist die der Thanatopraxie. Das ist eine Art der Konservierung, die im Gegensatz zur Einbalsamierung, auf zwei Wochen begrenzt ist. Damit haben die Angehörigen die Möglichkeit, sich länger vom Verstorbenen bei normaler Raumtemperatur verabschieden zu können. Ein Eingriff in den Körper ist dabei jedoch notwendig. Deswegen wird dieses Angebot in Deutschland noch nicht so häufig in Anspruch genommen.

Als Bestatter muss man neben dem Organisieren auch gut koordinieren können. Dafür braucht man zuverlässige Partner, wie zum Beispiel Musiker, Steinmetze oder Floristen.



Gibt es denn Vorurteile gegenüber dem Beruf des Bestatters?

Viele wissen einfach nicht genau, was der Bestatter eigentlich macht. Und deswegen denken die meisten zu allererst an den Umgang mit toten Körpern. Tatsächlich verbringt man als Bestatter die wenigste Zeit mit den Verstorbenen. Bei 600-650 Beerdigungen im Jahr, heißt das zwei Bestattungen pro Tag. Da werden höchstens 1 ½ Stunden mit dem toten Körper verbracht. Trotzdem haben unsere Mitarbeiter auch einen 8-Stunden Tag. Die restliche Zeit werden andere Tätigkeiten ausgeführt, die nicht direkt mit dem Verstorbenem zu tun haben: das Transportieren der Särge und Urnen, den Fuhrpark in Ordnung halten oder die Särge herrichten, denn die bekommen wir nicht komplett.

Was sind die positiven Seiten an ihrem Beruf?

Das Schöne am Beruf des Bestatters ist, dass wir mit sehr vielen Menschen aus allen Schichten zu tun haben. Die Ansprüche, die Begräbnisse oder Trauerfeiern mit sich bringen, bilden jedes Mal neue Herausforderungen. Und wenn man den Angehörigen das bieten kann, was sie sich erhoffen, erhält man einen Dank, den es in der Form in anderen Berufen nicht gibt.

 

Und was sind die negativen Seiten beim Beruf?

Ähnlich wie bei medizinischen Berufen können auch wir nicht mitleiden. Unsere Aufgabe ist es, ganz rational Helfer und Begleiter zu sein. Emotionen müssen wir Außen vorlassen. Das gelingt dann, wenn es Fremde sind. Kennt man aber die Angehörigen oder sogar den Verstorbenen, dann ist das schon schwerer. Für mich persönlich war und ist es am schlimmsten, Kinder zu bestatten. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich selber Kinder habe. Da kommt man einfach ins Nachdenken, ob man will oder nicht. Ein Kind zu verlieren ist selbst für eine Frau, die mit 80 am Grab ihrer Tocher mit 55 steht, viel schwerer als umgekehrt.

Was war die außergewöhnlichste Bestattung, die Sie vorgenommen haben?

Dazu muss man erst einmal erwähnen, dass wir hier in Freiburg ein bisschen eine Sondersituation haben. Einerseits gelten hier natürlich die deutschen Gesetze, andererseits haben wir das Nachbarland Frankreich, wo das Bestattungsrecht etwas anders ist. Erst kürzlich hatten wir einen Verstorbenen, der ursprünglich aus Freiburg kam, aber die letzten 15 Jahre im Elsass gelebt hat und dort auch gestorben ist. Dieser Mensch hatte eine Leidenschaft für amerikanische Oldtimer. Sein Körper wurde dann mit einem Oldtimer-Konvoi seiner Freunde nach Freiburg zur Trauerfeier gebracht und anschließend wieder vom Konvoi begleitet zum Krematorium. Wir haben das Glück, dass einer unserer Bestattungswagen ein Oldtimer ist, und perfekt in den Konvoi passte (Siehe Bild unten). Die Freunde haben dann am Krematorium ein Barbecue veranstaltet bis die Einäscherung fertig war. Außerdem hatte der Mensch einen Lieblingsplatz am Rhein, auf der französischen Seite, und dort soll dann demnächst die Asche dem Wasser übergeben werden. Das macht wieder der gleiche Freundeskreis.



Ein anderer Wunsch, den wir erfüllen konnten, war es die Asche des Verstorbenen zu einem Diamanten pressen zu lassen. Auch das ist in Deutschland nicht erlaubt. Dementsprechend wurde die Einäscherung nicht in Freiburg, sondern in Frankreich organisiert. Anschließend wurde die Asche an ein Unternehmen in der Schweiz überführt, die sie dann zum Diamanten gepresst haben. Dieser Prozess dauert etwa drei Monate.

Klassischer Ausbildungsweg

Nach einer mehrjährigen Probephase ist der Beruf des Bestatters seit dem 1. August 2007 ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, und zwar in Form der Bestattungsfachkraft. Damit kann theoretisch jeder oder jede den Beruf des Bestatters erlernen. Es gibt keine Vorgabe, ob man mittlere Reife oder Abitur haben muss. Es gibt einen Ausbildungsplan in dem feststeht, wie die Lehrlinge sich in verschiedenen Abschnitten gewisse Kenntnisse aneignen müssen. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Das Ausbildungszentrum für die berufsspezifische Ausbildung des Bestatters ist in Münnerstadt (Unterfranken). Es ist das einzige in Europa. Dort findet der Blockunterricht statt. Die Bestattungsfachkraft ist eigentlich eine kaufmännische Ausbildung, ähnlich dem des Einzelhandelskaufmann beziehungsweise der –kauffrau. Dazu kommt aber noch eine Menge an zusätzlicher Dinge, die speziell für den Bestatter wichtig sind, wie Hygienevorschriften, Rechtskenntnisse, Grundkenntnisse in der Trauerbewältigung und der Umgang mit den Verstorbenen. „Der Umfang dieses Berufes ist nicht zu unterschätzen,“ warnt Müller.



So kann es auch vorkommen, dass man als Bestatter selbst mit dem Bagger das Loch für den Sarg graben muss. In kleineren Gemeinden wird dadurch der Totengräber gespart.

Bis jetzt hat das Bestattungsinstitut Müller nur im kaufmännischen Bereich ausgebildet. Ab dem nächsten Jahr wird nun Tina Müller (19), weder verwandt noch verschwägert mit Karl-Heinz Müller, als erste Bestattungsfachkraft im Bestattungsinstitut Müller ausgebildet. Zuvor macht sie in Freiburg ihr Abitur.



Wie kommt man darauf sich zur Bestattungsfachkraft ausbilden zu lassen?


Tina Müller:
Vor fünf Jahren ist mein Vater gestorben und das war das erste Mal, dass ich in Kontakt mit Bestattungsunternehmen gekommen bin. Seitdem interessiere mich für diesen Beruf. Ich habe nun ein zweiwöchiges Praktikum beim Bestattungsinstitut Müller absolviert und das hat mir sehr gut gefallen. Ich durfte in allen Bereichen mithelfen und da war nichts dabei, was mir nicht gefallen würde. Es war natürlich was Neues mit Verstorbenen zu arbeiten. Wenn ich das als meinen Traumberuf bezeichne, dann reagieren manche meiner Freunde schon mit Stirnrunzeln. Aber ich hatte jetzt Zeit mir alles anzuschauen, und mir ist die Verantwortung eines Bestatters bewusst. Bestattungsfachkraft ist definitiv das, was ich werden möchte.

Mehr dazu:

  • Bestattungsinstitut Müller: Website
  • Bundesverband TechnologieBundesverband deutscher Bestatter e. V.: Ausbildung
  • Bestatter-Weblog:Blog