Wie wars bei … Eko Fresh im Jazzhaus?

Laura Wolfert

Mit "König von Deutschland" ist er ganz groß geworden, Eko Fresh, der Rapper mit den großen Rehaugen, der immer noch so aussieht, wie vor 10 Jahren. Jetzt ist er mit seinem neuen Album in Freiburg aufgetreten: Eko ist fresh, aber nicht spektakulär.

Die Stage

Eine Gruppe Jugendlicher steht in der Mitte des Jazzhauses. Radio-Rap-Musik schallt leise im Raum, von Steinmauer zu Steinmauer. "Ey, Eko ist doch heute hier, oder? Nicht in Rothaus, oder so?", sagt ein Junger mit einem Shindy-Fan-Shirt und roten Nike-Air-Max.

Die Bühne: leer. Nichts, was auf ein Konzert deuten könnte: kein Schild, das blingt, kein übergroßes Plakat, auf dem "Eko Fresh" prangt, keine Instrumente, die darauf warten, bespielt zu werden.

Die Vorband

Die Radio-Rap-Musik verstummt. "Yo Freiburg, begrüßt mal Cossu", sagt der DJ, der sich hinter seinem Laptop am Rand der Bühne versteckt. In der Ecke steht ein junger Mann mit Dreitagebart und einer falsch herum aufgesetzten Cap. Ein tiefer Ton dröhnt aus der den Musikboxen. Der in Freiburg-Haslach aufgewachsene Rapper Cossu hüpft auf die Bühne. Er packt das Mikro und lächelt, seine kleine Zahnlücke blitzt hervor.

Der 27-Jährige Lukas Staier, war vergangenes Jahr mit Comedian Bülent Ceylan auf Tour - ursprünglich nur als Merchandiser-Verkäufer, dann als Vorband. Er gewinnt 2014 bei RAPutation.TV, landet auf der CD der Zeitschrift Juice und plant Feature-Tracks mit MoTrip und Eko Fresh - vor dem er jetzt sogar auf der Bühne steht. Mit seinen Lines lockt Cossu sogar die letzten Zuschauer, die in der Kälte an ihrem Bier nippen, rein, direkt vor die Bühne. Ebenfalls Vorband: Pillath, ein kräftiger glatzköpfiger Mann aus dem Ruhrgebiet, der sich selbst liebevoll "Onkel Pillo" nennt. Seine Stimme: tief und kratzig, als hätte er am Abend vorher drei Schachteln Kippen geraucht und zwei Flaschen Whiskey geleert.

Die Show

Cossu steigt von der Bühne und mischt sich unter die Menge der Zuschauer. Auf der Bühne steht neben dem sporadich aufgebautem DJ-Pult ein Bodyguard: 1,60 Meter breit und groß - das Lachen scheint er verlernt zu haben.

Endlich schreitet Eko Fresh auf die Stage - aber so richtig "fresh" scheint der Rapper nicht zu sein: Er hat sich eine Wollmütze seitlich über den Kopf gezogen, sein linkes Ohr steht ab. Er trägt eine dicke Jacke, Pullover, eine tief sitzender Jogginghose und weiße Nikes. Eko sieht mit seinen großen braunen Augen und dem jugendlichen Kleidungsstil noch so aus wie vor 13 Jahren: Als "König von Deutschland" die deutschen Single-Charts eroberte.

Das Konzert ist wie Ekos Outfit: Cool, gemütlich, ohne Bling-Bling - aber nicht besonders aufregend. Die Crowd rappt seine Texte mit, Eko verteilt High-Fives und sagt "Freiburg, ihr seid wunderschön".

Track-Check

Eko Fresh spielt Tracks wie "Gheddo Chef" aus seinem neu erschienen Alum "Freezy", aber auch alte Rap-Klassiker wie "Ganxtaville" von DJ Tomekk oder "Sonnenbank-Flavour" von Bushido: Entspannter Deutschrap, bei dem der Kopf zum Beat nickt.

Die Crowd

Eine ältere Dame in schwarzer Jacke, hüpft in der ersten Reihe vor der Bühne auf und ab. Eko Fresh braucht gar nicht mehr zu rappen: Die Anfang 50-Jährige kennt jede Strophe auswendig - und kreischt sie lautstark mit. Ihr anfängliches Auf-und-Ab-Hüpfen artet in einen wilden Tanz aus: Ihr blonden Locken wirbeln in der Luft, sie schüttelt den Kopf nach rechts und links und fuchtelt mit den Armen um sich. Die anderen Zuschauer nehmen vorsichtig ihr Bier von dem Tisch - mit der Sorge, sie könnte es verschütten.

Unter den Zuschauern: Viele Drei-Tage-Bärte, ein Mädchen mit Pikachu-Rucksack, ein Junge mit einem Shindy-Fan-Shirt.

Fail

Brüllt ein Zuschauer zu laut, zündet sich eine Zigarette oder Joint an: Steht direkt der Bodyguard daneben, packt ihn am Arm und zerrt ihn nach draußen. Die Konsequenz: Ende des Konzerts. Eine Verwarnung hätte gereicht. Die Crowd ist schon viel zu brav. Wir sind schließlich auf einem Hip-Hop-Konzert - und nicht bei Katie Melua.

Das Urteil

Ein gemütliches Konzert für einen Dienstagabend. Eko ist fresh, aber nicht spektakulär.