Indoor-Comfort-Festival

Wie war’s beim...Rolling-Stone-Park-Festival im Europa-Park am Samstag?

Tamara Keller

Kaffee statt Bier und Schunkeln statt Rock gab’s am zweiten Tag des Rolling-Stone-Park-Festival in Rust . Die spezielle Location zwischen Bundespräsidenten und LED-Sternen hat ihren eigenen Charme.

Überbleibsel
Ein einzelner grüner Luftballon und ein Glitzer-Konfetti schweben durch den Saal während The Breeders den Abend als ersten Act eröffnen. Es sind die Überbleibsel von der Materialschlacht des Flaming Lips-Gigs am ersten Festival Tag. Ein Blick an den Luftabzug an der Decke gibt Klarheit: Dort hängen noch unzählige Konfetti fest, die im Laufe des zweiten Festivalabends herunterrieseln.


Das Line-Up
Am Samstag steht das Line-Up zunächst im Zeichen des Rocks: Zuerst The Breeders gefolgt von Naked Giants bis hin zur absoluten Steigerung ins psychedelische mit der norwegischen Band Motorpsycho. Danach wird es ruhiger: Mit Folk-Klängen im First Aid Kid-Stil bei Dan Mangan, The Decemberist und Laura Gibson. Gefolgt von feinem Indie-Rock hochwertig arrangiert von Car Seat Headrest. Und zuletzt wird es deutsch mit Die Höchste Eisenbahn und Element of Crime.

Der erste Geruch des Abends
Es riecht nach Kaffe vor der Bühne bei The Breeders. Nachdem am vorherigen Festival-Abend einige Besucher bereits ab 23 Uhr in ihren Sesseln schlafend gesichtet wurden, wird wohl nun eine andere Strategie gefahren: Zuerst Kaffee später das Festival-Bier.

Der beste Blick
Die Arena ist die größte Bühne im ganzen Areal. Sie ist super platziert: Egal wo im Raum – man hat immer einen guten Blick. Gegenüber der Bühne ist die Wand mit rotem Backstein verziert. Element of Crime-Sänger Sven Regener wird später zur Raumstimmung sagen: "Das ist ein bisschen, wie ein Albtraum hier. Wie die Akropolis."

Die beste Fanbase
Obwohl sich bei The Breeders die Halle nur nach und nach füllt, hat die amerikanische Alternative-Rock-Band die beste Fanbase am Start: Als Sängerin Kim Deal einen Song vom ersten Album aus den Neunzigern ankündigt, brüllt jemand: "We know it!" Vereinzelt gehen Hände hoch als Bassistin Josephine Wiggs fragt, wer schon mal an einem The Breeders-Konzert war. Dem Security Mann ist das egal: Ab der ersten Sekunde reckt er lachend die Faust in die höhe, während Kim Deal in ihr Stimmverzerrer-Mikrofon singt. Und auch das Publikum steigt ab dem zweiten Song mit ein: "Just keep banging!", sagt Kim Deal.

Zwischen Prom und Bundespräsidenten im Ballsaal
Im hinteren Teil der Halle befindet sich der Ballsaal: Billig-Kronleuchter hängen von der Decke und werden von bunten Scheinwerfern angeleuchtet. An der Wand hängen – jeweils im Goldrahmen – die Porträts aller bisheriger Bundespräsidenten. Genügend Grund für die deutsche Band Die höchste Eisenbahn einen Witz nach dem anderen zu reißen. Sie widmen ihre Lieder auffällig häufig Christian Wulff. Eine Hommage an Heinrich Lübke und Roman Herzog, darf aber auch nicht fehlen. Ganz anders bei der amerikanischen Indie-Rock-Band Car Seat Headrest: Hier ist man plötzlich in einem beliebigen 0815-High-School-Film beim Prom oder in Sunnydale, CA, im Bronze mit Buffy während die coole Hipster-Indie-Band spielt.

Das überfüllteste Konzert
Der Traumpalast ist wie das ZMF-Spiegelzelt nur in einer Miniaturausgabe. Mit zwei schwerwiegenden Unterschieden: Die Zeltspitze besteht aus einem roten Tuch, weshalb es schon mal nicht so heiß, wie in der Freiburger Holzversion werden kann. Zweitens befindet sich das Zelt rechts in der Eingangshalle: Ein Raum im Raum und trotzdem ist die Musik die dort gespielt wird, von außen zu hören. Gut im Fall von Indie-Folk-Sänger Dan Mangan. Denn nur wenige Minuten nach Konzertbeginn des Kanadiers ist Einlass-Stop. Einige Besucher versuchen, in dem sie die Schlange ignorieren, sich ins Zelt zu mogeln. Doch die Security bleibt freundlich und geduldig und hält jeden einzelnen auf.

Sicherheit: Expecto Patronum!
Die Freundlichkeit der Security fällt während des gesamten Festivals auf: Es sind viele Sicherheitsleute präsent. Gleichzeitig sind aber alle sehr entspannt, haben hin und wieder ein Lächeln übrig und sind nett und zuvorkommend. Selbst vor dem Klo wird nach dem Rechten gesehen, was ein gutes Sicherheitsgefühl gibt. "Patronus" lautet der Name der zuständigen Firma. Vielleicht läuft deshalb alles so reibungslos: Sie sorgen für Ruhe, wie der Patronus von Harry Potter gegen die Dementoren.

Der größte Outdoor-Moment beim Indoor-Festival
Der La Sala Blanca ist ein kleiner Saal direkt neben dem Ballsaal. Kleine LED-Lichter strahlen von der Decke und erzeugen einen künstlichen Sternenhimmel, der vor allem für eines sorgt: Ein bisschen Open-Air-Feeling beim Indoor-Festival.

Rock 'n' Roll
Es sind zwar keine Gitarren kaputt gegangen, aber bei den aus Seattle stammenden Naked Giants wird wild getanzt. Bei der hier deutlich unter die Kategorie Newcomer fallende Band, spielt Bassist Gianni Aiello sein Instrument einfach mal so hinter seinem Kopf. Drummer Henry LaVallee legt noch einen drauf: Während sie ihre alternative Indie-Musik – laut eigener Aussage mit Einflüssen von Kraftwerk und Bach – auf die Bühne bringen, fliegt plötzlich ein Stück des Crash-Beckens vom Schlagzeug davon. Der Schlagzeuger nimmt das Becken komplett ab und zerreißt mit seinen Händen die Blechscheibe so, als wäre sie nicht aus Metall sondern aus Esspapier. Ist das hier gerade wirklich passiert?

Schunkel 'n' Roll
Zum Ende des Abends wird es etwas ruhiger: The Decemberist ist ein Publikumsmagnet, doch ihr Indie-Folk wirkt nach dem ganzen Rock fast einschläfernd. Sie animieren das Publikum zum Klatschen, doch es steigt erst spät mit ein. Bei einer Nummer mit Kontrabass, fängt die amerikanische Band an zu schunkeln und plötzlich schunkelt die ganze Arena. Highlight ist ein aufgeblasener Wal der als Gasballon einmal durch das Publikum schwebt. Als Schunkel-Musik eignet sich dann auch die darauffolgende Band Element of Crime. Für heute ist's vorbei mit Rock.

Die beste Botschaft
Nachdem die Naked Giants abgeliefert haben, folgt von Bassist Gianni Aiello zum Abschied ein politisches Statement. Er ruft dazu auf dem Patriarchat keine Chance zu geben: "Wir wollen eine inklusivere Welt – und zwar für jeden."

Der zweite Geruch des Abends
Beim Betreten der Halle strömt einem immer wieder der Curry-Wurst-Duft in die Nase. So sehr, dass er irgendwann fast penetrant wirkt. Kein Wunder: Denn Curry-Wurst ist mit vier Euro deutlich das billigste Produkt auf dem Festival-Menü: Zur Auswahl stehen des weiteren Pulled Beef oder Lachs Burger, ein gemischter Salatteller oder Tafelspitz vom Charolais Rind. Alles mit einem Budget zwischen 8,50 und 15 Euro erhältlich.

Fazit
Laut Veranstalter FKP Scorpio kamen zu der Erstauflage des Rolling-Stone-Park 2200 Besucher. Die Location bringt ein eigenes Flair für sich. Das Ganze fühlt sich mehr wie "Festival light" an. So eine hohe Dichte an Bands mit Qualität, hat es in Freiburger Nähe, doch eher selten. Nächstes Jahr geht"s wieder hin.