Elektro

Wie war’s beim … Kamehameha-Festival in Offenburg?

Laura Wolfert

Das Herz vibriert. Die Füße tänzeln: Am Samstag haben bei dem Kamehameha-Festival in Offenburg Tausende zu Hip-Hop-Melodien und Elektro-Beats getänzelt. Unsere Autorin war dabei.

Der Bass zu Gregor Treshers "Goliath" wummert aus den Boxen und schallt durch das Zelt der Nordstern-Stage. Die Augen sind geschlossen. Das Herz vibriert. Die Füße tänzeln auf dem dreckigen Boden. Barfüßig. Schnell. Wie in Ekstase. Der Geist fokussiert sich auf die Musik. Der Kopf nickt im Takt. Dance, Baby. Dance!

Die Sonne strahlt von außen auf das Zelt. Es ist heiß. Frauen mit pinkfarbenem Glitzer im Gesicht, Strick-Bikinis und enganliegenden Halsbändern fächern sich Luft entgegen. Sie nicken dir zu, lächeln – wobei du sie gar nicht kennst. Die Menschen sind losgelöst und tanzen ihre Sorgen weg. Jeder mag sich – auf Anhieb.
Man riecht sie: die Menschen und die Hitze. Der Geruch von hunderten, schwitzenden Besuchern weht an der Nase vorbei. Es ist der Duft von billigem Deodorant, Sonnencreme, Bier, Zigaretten und Gras: der Duft eines Festivals – der Duft vom Kamehameha.

Das Festivalgelände

Am Eingang des Festivalgeländes hört man Burger in der Pfanne brutzeln. Männer – oberkörperfrei mit Sonnenbrand – nippen an ihrem Bier und schlürfen am Milchshake ihrer Freundin. Hungrige Besucher schlendern durch die kleine Fressgasse.
Mit einem Pils in der Hand folgt man den Klängen von Elektromusik: vorbei am großen Nordstern-Zelt – in dem nun Matthias Tanzmann auflegt – in Richtung Stage Drei. Das DJ-Pult besteht hier aus weiß-angestrichenen Europaletten und großen, selbstgebastelten Emojis. 19 Scheinwerfer leuchten in roten, lila und gelben Farben auf – doch kommen sie gegen die grelle Sonne nicht an. Luftballons hängen an Holzmasten und wehen im Wind. Überall glitzert, funkelt und leuchtet es.
Man quetscht sich zwischen knappen Bikinis und vollen Bierbechern weiter nach vorne in Richtung der Chimperator-Stage. Wasser spritzt aus allen Ecken, Flip-Flops bleiben im dreckigen Matsch stecken. Mit einer schief sitzenden Sonnenbrille auf der Nase schlummern die Besucher in ihren Campingstühlen unter einem Pavillon. Sie kuscheln auf Luftmatratzen, knutschen auf dem Gras. Andere sitzen im Schatten unter dem Karussell und spüren den Wind im Nacken. Über ihnen lassen sich ihre Freunde durch die Luft wirbeln und blicken über das Festivalgelände: auf die kleine Holzbühne, die Werbestände, Wasserschlachten – und knallrote Köpfe.

Wer war da?

Sonnenschutz scheint jeder Besucher überflüssig zu finden. Männer spannen ihre nackten Oberkörper an und nicken Frauen zu, die aussehen, wie auf dem Coachella-Festival: Goldene Tattoos und Glitzer-Steine kleben auf Arm, Stirn und Dekolleté. Sie zwinkern mit langen, falschen Wimpern ihrem Flirtpartner zurück. Die knappen Bikinioberteile wackeln, wenn sie tanzen und der lange Hippie-Rock weht im Wind. Hauptsache auffällig. Ihre Outfits schreien: "Schaut mich an!" – nur die Mädchen mit den Levis-Shirts wollen unauffällig bleiben.
Doch dem ein oder anderen wird es zu viel Hitze. Zu viel Jägermeister-Shots, zu viel Jim Beam, der an der Theke schon in der prallen Sonne gelagert wurde. Mit genicktem Kopf hocken sie vor der Bühne, lassen die Musik auf sich wirken, stehen aber eine Stunde später wieder auf – und shuffeln.

Highlight

Weg von Elektro-Beats und hartem Techno. Auf der Chimperator-Stage lockt das deutsche HipHop-Duo SAM die Zuschauer mit Gute-Laune-Tracks zu sich. Rapper Samson schnippt mit den Fingern, schaut dem Publikum tief in die Augen, nickt lässig mit dem Kopf. "Ist okay, Homie, was soll’s. Der Kopf pocht, das Herz rast. Denn alles, alles hat seinen Grund", rapt er und ballt die Faust. Sein Bruder Chelo hüpft hinter dem DJ-Pult hervor und ruft "Woop, woop, Diggi, wach auf" in das Mikrofon. Die Zuschauer sind wach. Sie singen und pfeifen die Melodien mit, klammern sich in die erste Reihe an das Gitter. Die Hip-Hop- und Pop-Melodien beruhigen das vorher noch so stark vibrierende Herz.

Abrechnung

Ein Tagesticket für 45 Euro mit einem super Line-Up: Fair. 2,50 Euro für eine Karussell-Fahrt, bei der man die Füße baumeln lassen kann: Fair – so auch die 5,50 Euro für Döner oder Pizza. Doch wie kann es gerechtfertigt werden, einen halben Liter Wasser für sechs Euro zu verkaufen? Die Flasche lässt sich an Wasserhähnen auffüllen, doch muss jeder mindestens einmal sechs Euro ausgeben, da man keine Flaschen mit hinein nehmen darf. Hinzu kommt, dass man für den Pfand-Bon – auf dem "Happy End statt Pfand" steht – nur als Gutschein für einen 2cl-Shot eines pinken "Einhorn-Likörs" einlösen kann. Nicht fair und unerklärlich.

Fazit

Die Sonne genießen, den Kopf ausschalten, den Moment genießen: dafür muss man am Ende des Tages neben dem 45 Euro Tagesticket ordentlich viel Geld rauswerfen. Doch wer sparsam ist und einer der wenigen Schattenplätze ergattert, kann den Tag genießen – ohne Sonnenbrand, aber dafür mit großartigen Acts.

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