WM 2018

Wie war’s beim … Fußballgucken im Schlupfwinkel in Haslach?

Damian Correa

Der Schlupfwinkel ist eine von Freiburgs urigsten Kneipen. fudder-Autor Damian Correa kommt aus Berlin und mag keinen deutschen Patriotismus. Wir haben ihn zum Fußballgucken in die Haslacher Straße geschickt.

Es ist wieder WM! Da lässt sich natürlich auch der "Schlupfwinkel", Anlaufpunkt für Fußballbegeisterte aus Haslach/Weingarten, nicht lumpen. Draußen hängen die schwarz-rot-goldenen Hawaiiketten, die ich neulich im Norma gesehen hab.


Es gibt einen Outdoorbereich für Familien und einen Indoorbereich für die Kettenraucher. Ich finde einen Platz am Puls der Kneipe auf einem Barhocker. Fast jeder der um mich herumsitzenden Gäste hat einen halben Liter Bier vor sich.

"Ich traue mich nicht zu sagen, dass ich Vegetarier bin."

Sie tragen Deutschland-Trikots, einige haben sich die Fahne auf die Wange geschminkt. Frauen gibt es wenige. Ein seltsamer Trend ist die umgekehrt aufgesetzte Sonnenbrille, mit den Gläsern am Hinterkopf. "Mandy, zwei Bier für uns!". Man kennt sich.

Ich will mir etwas zu essen bestellen, Fudder zahlt ja zum Glück ordentlich Spesen. Aber es gibt nur Wurstsalat. Ich traue mich nicht zu sagen, dass ich Vegetarier bin. Stattdessen bestelle ich mir einen Maracujasaft und komme mir direkt dämlich vor.

Der Barkeeper bleibt in alter Barkeeper-Manier cool

Die Vorfreude ist spürbar, das Spiel wird auf einem großen Beamer übertragen. Plötzlich ertönt die Nationalhymne. "Eiiiiiinigkeit und Reeeecht und Freeeeeiiiheit…" wird laut mitgegrölt. Ich bin überhaupt kein Freund von deutschem Patriotismus und komme mir ziemlich bescheuert vor. Ist das dieses "Wir-Gefühl", um das sich das ZDF an diesem Nachmittag so bemüht? Dann beginnt das Spiel.

Ein Schuss von Werner geht knapp am mexikanischen Tor vorbei – ein "Aaah!" geht durch den Raum, als bereite dieser Fehlschuss den Zuschauenden körperliche Schmerzen. Die anfänglichen Gesänge nach Schema F verklingen schon bald ob der starken Leistung der Mexikaner. "Die sind gierig nach dem Ball!", fachsimpelt der Kommentator Oliver Schmidt prompt.

Es fehlt der "Schpirit"

Als sich wieder mal ein gefährlicher Konter anbahnt, brüllt ein Mann mit buschigen Brauen in böser Vorahnung: "Rauf, Rauf!". Aber es geht keiner rauf und es steht 0:1. "Heilandssack", entfährt es ihm. Der Barkeeper hingegen bleibt in alter Barkeeper-Manier cool: "Des isch immer so beide Auftaktspiele; des kommt noch!"

Dann Halbzeit. Während die bemitleidenswerte Moderatorin des zwischengeschalteten Nachrichtenmagazins versichert, dass die Sendung wirklich nur ganz kurz geht, wird die schlechte Leistung in der ersten Halbzeit unter einem Undercut-Trio kontrovers diskutiert.

Einer meint, es hätte einfach der letzte Wille gefehlt. Der zweite ist der Meinung, es hätte eher an Kampfgeist gemangelt. Und ein letzter vermisste vor allem dingen den "Schpirit". Dann trudeln die Frische-Luft-Schnapper wieder ein. "Jetz gämmer aba Gas", ruft eine Frau.

"Bisch du 1-0 hindde musch nach vorne spiele"

Stattdessen sauft der Motor der Mannschaft auch in der 2. Hälfte immer wieder ab. Als Müller den Ball aus aussichtsreicher Position erbärmlich verstolpert, ruft einer der Undercuts-Bros: "Warum tut der den net direkt nehma?" Ich will hingegen direkt noch einen Maracujasaft bestellen. Hö-Hö.

Nach einer Stunde wird mit Marco Reus ein Offensivmann eingewechselt. Die richtige Entscheidung, wenn es nach einem anderen Mann geht, denn: "Bisch du 1-0 hindde musch nach vorne spiele". In der 62. Minute lösen die Fernsehbilder dann doch urplötzlich Gejohle unter einigen Leuten aus. "Isch des net de Chris?!", ruft die Frau neben mir beim Anblick eines Fahne schwenkenden Blondschopfs.

Kei Muffesause

Auch wenn ihre Helden Boateng, Kimmich und Hummels heißen; Chris, das ist wirklich einer von ihnen. Doch dieser kleine Stimmungsaufheller währt nicht lange. Die deutsche Mannschaft findet einfach keinen Weg in den Strafraum. "1000 mal geflankt, 1000 mal ist nichts passiert" witzelt Schmidt am Reportermikro. Und dann ist es vorbei.

Fluchtartig verlassen die Gäste das Lokal. Nur die Hartgesottenen tun sich noch die Spielanalyse mit Oliver Kahn an. Ich bezahle mein Getränk bei der netten Barfrau. "Es isch noch nix entschiede!", ruft mir jemand im Hinausgehen zu und lacht. Recht hat er.

Mit Blick auf die verbleibenden Aufeinandertreffen mit den Fußball-Giganten aus Schweden und Südkorea musch noch kei Muffesause kriege.




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