Silvester-Sortiment

Wie war’s beim… ersten großen Test-Feuerwerk in Freiburg?

Charlotte Janz

Über einem Sportplatz in Freiburg steigen Raketen auf. Ist denn schon Silvester? Nein, es sind nur ein paar Pyrotechniker, die ihr Sortiment am Himmel vorstellen.



Der erste Eindruck:
Das Ding fällt ins Wasser. Ganz bestimmt. Es regnet wie aus Kübeln. Starke Böen blasen mir kalte Tropfen ins Gesicht. Der Wind lüpft das Röckchen meines Regenschirms. Es ist Mittwochabend, der 27. Dezember. Feuerwerk, ist ja schön und gut, aber bei diesem Wetter wird doch niemand freiwillig im Matsch des Sportplatzes von TSV Alemannia Zähringen herumwaten. Oliver Tibus sieht das anders. Seine Mannschaft und er prüfen die letzen Kabelverbindungen und die Musikanlage. "Die hart gesottenen Pyros werden trotzdem kommen", sagt der Chef vom Impulswerk. Und er behält Recht.

Das Publikum:
Nach und nach schleichen dunkle Gestalten die Hecke des Sportplatzes entlang. In der Mitte der Kopfseite des Fußballplatzes bleiben die meisten stehen. Sie scheinen ganz genau zu wissen, von wo aus das Feuerwerk am beeindruckendsten aussieht. Nur einer dreht sich mit dem Rücken zum Sportplatz und guckt durch die Hecke auf die Zähringerstraße. Mit den Worten "Boah, guck mal, Feuerwerk, quietsch, schepper, klirr!" erklärt er seinem Kumpel, dass er gedenkt, nach Verkehrsunfällen Ausschau zu halten. Sein Kompagnon kichert.

Die Sprache:
Es geht los. Während Oliver Tibus’ Stimme den jeweiligen Feuerwerkskörper erklärt, setzen seine Kollegen auf dem Sportplatz die Zündschnur von Vulkanen, Raketen und Co. in Brand. Das Publikum bekommt vorgeführt, was es sich in den nächsten drei Tagen so kaufen kann, um an Silvester den Himmel in die richtigen Töne zu tauchen. Die Pyro-Szene ist unter sich. Hier spricht ein Profi zu Fachkundigen. Das merkt man an der Sprache. Es ist die Rede von "Kat. 2"- und "Kat. 4"-Raketen, von "Cakes" und "Batterien", von "Zink-Vulkanen", von "Headbangers" und "Tiger-Tail-Aufstiegen". Manchmal kommt Tibus richtig ins Schwärmen, wenn er die Zuschauer auf die Steighöhe einer bestimmten Rakete hinweist oder das Farbenspiel am Himmel beschreibt. "Brokat mit violetten Sternen" etwa.

Das Feuerwerk:
Es knallt, es zischt, es stöhnt, es ploppt. Mir war nicht bewusst, dass Feuerwerkskörper so viele verschiedene Geräusche machen können. Ein Raketenset, mit dem klangvollen Namen "Monsterking", gibt geisterhafte Laute von sich. Die Eingeweihten um mich herum lachen. Dann sind da noch die Effekte: Goldregen, Blütenzauber, tanzende Bälle, sprühende Sterne. Oliver Tibus leitet mich mittlerweile an wie so ein Audio-Führer im Museum. Ich verstehe zwar nicht alles, aber einige Details wären mir ohne die freundliche Stimme im Ohr bestimmt entgangen. Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk, das ist mir am Ende der Show klar. Und, dass ich für Silvester nochmal zwei lange Unterhosen drauflegen muss. Brrr.
Info

Nur drei Tage lang sind in diesem Jahr Raketen, viele Knaller und Böller in Deutschland zu kaufen: von Donnerstag, den 28. Dezember, bis einschließlich Samstag, den 30. Dezember. Der Zoll warnt indes vor illegalem Feuerwerk. Darauf sollte man im Handel achten:
» CE-Zeichen: Nicht geprüftes Feuerwerk ist meist gefährlich. Es enthält etwa nicht nur Schwarzpulver, sondern ist auch mit einem viel stärker reagierenden Blitzknallsatz gefüllt. Außerdem drohen Verletzungen durch Fehlzündungen. Daher sollte man nur geprüfte Produkte kaufen, zu erkennen an einem CE-Zeichen und einer Registriernummer. In Deutschland geprüftes Feuerwerk trägt die Kennnummer 0589 der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM).
Feuerwerksklasse: Nach der Kennnummer des BAM folgt auf dem Artikel die Kategorie-Kennzeichnung F1 oder F2 und eine fortlaufende Nummer. F2 ist die Feuerwerksklasse für Raketen, Batterien oder Knallkörper. Diese Artikel dürfen nur befristet und nur an Personen ab 18 Jahren abgegeben werden. In die Klasse F1 fallen zum Beispiel Knallerbsen und -bonbons, Tischfeuerwerk oder Wunderkerzen. Diese Produkte dürfen das ganze Jahr hindurch verkauft und benutzt werden – auch von Kindern ab 12 Jahren.