Wie war’s beim … Donnerstalk mit Fritz Keller in der Passage 46?

Julia Dreier

Meist gesagter Satz beim ersten "Donnerstalk" in der Passage 46 mit Fritz Keller: "Das bleibt aber unter uns!". Der SC-Präsident plauderte aus dem Nähkästchen – während sein Pressesprecher vermutlich Schweißausbrüche bekam.



Der erste Eindruck

Eng. Vor der "Boom Boom"-Bar drängen sich die Leute durch vier Stuhlreihen, die Deluxe-Plätze auf dem Sofa ganz hinten links sind zwar gemütlich, aber mit "phänomenal schlechter Sicht", wie einer der Couchpotatoes verrät. Dann lieber eng und ganz nah dran – gemütlich soll’s sein, das wünschen sich die beiden Gastgeberinnen, baden.fm-Moderatorin Julica Goldschmidt und Journalistin Anna-Lena Zehender. "Lasst uns alle Freunde werden", sagt Julica Goldschmidt zur Begrüßung. Darauf trinken wir. Nicht nur einmal. Und sind damit prompt beim …

Thema des Abends

Alkohol. Oder "Allohol" wie der Premierengast Fritz Keller sagt. Zum Beispiel, wenn er erzählt, wie alt er war, als er das erste Mal Wein getrunken hat. Aber der Reihe nach.

Der Premierengast

Fritz Keller ist Präsident des SC Freiburg, Gastronom, Winzer – und der perfekte erste Gast der neuen Talkshow in der Passage 46. Das wissen auch Julica Goldschmidt und Anna-Lena Zehendner. "Wenn wir wegen Schnappatmung kollabieren, haben wir uns mit Fritz Keller einen Gast ausgesucht, der das Ding auch alleine rocken kann." Recht haben sie. Keller rockt das Ding. Er plaudert aus dem Nähkästchen, gestikuliert, schneidet Grimassen, quatscht mit dem Publikum und verführt es zum Trinken ("Es gibt nix Schlimmeres als eine Party, wo nur ein paar besoffen sind!").

Das Thema SC wird heute – wohl bewusst – von den Moderatorinnen ausgespart. Wenn Keller nicht immer wieder selbst darauf kommen würde ("Manchmal denke ich, ich bin schizophren, weil ich immer zwei komplett verschiedene Spiele sehe: Live sehe ich es wie im Tunnel, danach auf Video merke ich: Es war alles ganz anders.") Aber der Oberbergener ist eben mehr als das. Keller ist auch: Familienmensch und – Stilikone.

Stilikone?

Orangefarbene Hose, blau-orange kariertes Hemd, dunkelblaues Sakko, Einstecktuch und türkisfarbene Socken – das Outfit ist der Knaller. Zwingend wäre die Frage gewesen: Herr Keller, haben Sie sich die Klamotten selbst ausgesucht, oder hat Ihre Frau die für Sie rausgelegt? Seine Frau Bettina sitzt in der ersten Reihe und verrät vieles, aber das nicht.

Dafür umso mehr beim Frage-Antwort-Spiel, bei dem sie und ihr Mann Fragen über Keller unabhängig voneinander beantworten mussten. Übereinstimmung gibt’s bei der Frage, welches Tier Keller wäre: ein Tiger. Keller schreit kurz auf vor Begeisterung, applaudiert seiner Frau und faucht wie ein Tiger. "Gut, dass sie nicht Faultier gesagt hat. Ich bin immer ruhelos, immer auf der Lauer."

Aus Kellers Nähkästchen – die Top 3:

1. Das erste Mal Alkohol, Entschuldigung, Allohol getrunken, hat Fritz Keller, ja, wann eigentlich? "Es war Herbst, Erntezeit, und ich war noch nicht in der Grundschule. Danach war mir saumäßig schlecht." Aber so war es nun mal als Winzerkind: Da wurde der Finger in Wein getaucht und dann, zack, über die Lippe. "Dann erst hieß es: Jetzt ist er im Kaiserstuhl angekommen." Der Vorteil als Winzerkind: Billigen Fusel hat er als Jugendlicher mit seinen Kumpels kaum getrunken. "Nee, wir haben uns in die Reben gesetzt und Lianen geraucht!" Was man halt so macht am Kaiserstuhl.

2. Kellers Vater, der den Freiburger FC unterstützte, hat kurz vor der Einstellung seines Sohns im SC-Vorstand einen Brief an Achim Stocker geschrieben, was für ein liederlicher Mensch Fritz sei und definitiv falsch für den Job. Während das Publikum noch mit offenem Mund da sitzt, winkt Keller lachend ab: "So war das halt damals zwischen dem SC und dem FFC – da wurde mit allen Mitteln gekämpft!"

3. Nochmal der Vater: Der war ehrenamtlicher Betreuer der Nationalmannschaft und 1954, nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Bern, hat er die gesamte Mannschaft nach Oberbergen eingeladen. "Die Leute haben extra ihre Ehebetten freigemacht, und natürlich wollten alle Spieler bei der Weinkönigin schlafen. Und wer durfte es? Horst Eckel! Aber keine Sorge, in den Jahren danach kamen keine fußballerischen Ausnahmetalente aus Oberbergen."

Die Gastgeberinnen

Auch wenn sie die Bezeichnung angeblich nicht mögen: Sie sind charmant. Mit viel Situationskomik führen sie durch das neue Talk-Format. Julica Goldschmidt merkt man die Erfahrung als Radiomoderatorin an, locker lenkt sie das Gespräch. Für Anna-Lena Zehendner ist es die erste Moderation ("Ein Traum, den ich mir endlich erfüllt habe"), aber auch sie findet sich nach anfänglicher selbst verkündeter Schnappatmung immer mehr ein und trägt wesentlich dazu bei, dass man merkt: Die beiden da vorne, die sind ganz dicke und können über die gleichen Sachen lachen, aber vor allem auch über sich selbst.

Als Keller erzählt, wie gewisse Wiehre-Damen sich über das "geschmacklose" Foto beschwert haben, das in seinem Restaurant hängt und seinen Vater und Starkoch Paul Bocuse zeigt, wie sie gegen einen Eisenbahnwaggon pinkeln, wirft Zehendner ein: "Apropos geschmacklos, ich habe gerade wieder unser Popcorn probiert...." Wobei wir wieder bei charmant wären: Das selbstgemachte Popcorn, das ans Publikum ebenso verteilt wurde wie eine Runde Schnaps oder der selbstkreierte Cocktail mit Keller-Wein, sind nette Extras und kommen gut an.

Auf was kann man verzichten?

Die Montagsmaler-Aktion. Zwei Leute aus dem Publikum sollen erraten, was Anna-Lena Zehndner und Fritz Keller zeichnen. Nette Idee, aber die Hälfte des Publikums konnte schlichtweg nichts sehen.

Wer war da?

Die geballte Freiburger Semi-Prominenz. Medienmenschen aus Print, Radio und Fernsehen. Kellers Freund DJ Rainer Trüby, der erraten musste, was Fritz beim Mal-Spiel an die Leinwand kritzelt, und seine Ananas für eine "Preschdling" (schwäbisch für: Erdbeere) hielt. Kellers Familie und Freunde. SC-Pressesprecher Rudi Raschke, der mit angespannt lächelnder Miene verfolgte, wenn Fritz Keller mal wieder sagte: "Aber das bleibt unter uns!" Rathaussprecher Walter Preker, der genau wusste, wen Keller mit dem "Schreiber-Fritz" meinte. Insgesamt rund 70 Menschen, die viel zu lachen hatten.

Der nächste Gast?

Der ist noch nicht dingfest. Aber Wunschkandidaten für die Talkshow, die achtwöchig immer donnerstags stattfinden soll, gibt’s massig: "Jogi Löw wäre toll! Und wenn Til Schweiger Bock hätte, würden wir sicher auch nicht Nein sagen", erzählt Anna-Lena Zehendner. Die Hauptsache sei, dass die Menschen aus der Region kommen und etwas zu erzählen haben: "Der Wurstverkäufer vom Münstermarkt hat sicher auch eine Menge spannende Geschichten zu erzählen." Vielleicht werden dann Lange Rote in der Passage verteilt. Auch nicht schlecht.

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[Foto: Thomas Kunz]