"Wir müssen reden"

Wie war’s beim ... Diskussionstag "Generationen im Gespräch" im Bürgerhaus Zähringen?

Luisa Joa

Im Zähringer Bürgerhaus hat sich eine eher ungewöhnliche Gruppe getroffen: 30 Jugendliche im Alter von 16 bis 24 und über 65-Jährige haben bei der Veranstaltung "Generationen im Gespräch" einen ganzen Tag diskutiert. Was kam dabei raus?

Das Problem

Deutschland wird immer älter. Wer heutzutage den Begriff des demographischen Wandels benutzt, zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Aufzüge und Rollstuhlrampen das Stadtbild dominieren und den Jüngeren eine Übermacht an Älteren gegenüber steht. In der Realität lässt sich dieser Trend seit einiger Zeit beobachten. Schon längst ist der Anteil der Wahlberechtigten unter 30 kleiner, als der der Über-60-Jährigen, das Durchschnittsalter im Bundestag liegt bei knapp 50 Jahren, bis 2037 wird nur noch ein Arbeitnehmer für einen Rentner aufkommen und bis 2032 soll sich die Zahl der Über-80-Jährigen sogar verdoppelt haben. Das hat Konsequenzen.

Jüngere und ältere Menschen im Gespräch

Die Jugendlichen sind laut der kürzlich erschienenen Shell-Studie zwar politisch interessiert, 71 Prozent fühlen sich jedoch von Politikerinnen und Politikern nicht vertreten. Die Lebenswelten von Jung und Alt haben sich schon immer unterschieden – und das wird vermutlich auch so bleiben. Jede Generation wird von der Zeit, in der sie aufwächst, unterschiedlich geprägt. Aber was passiert, wenn diese Unterschiede zu Unverständnis und Unmut führen? Was, wenn sich die "unverschämten und radikalen" Jugendlichen und die "altmodisch und konservativen" Älteren immer weiter voneinander entfernen? Die Veranstaltung "Generationen im Gespräch: Wir müssen reden" in Freiburg soll helfen.

Die Teilnehmenden

Es ist 10.30 Uhr. Statt in Reih und Glied stehen die Tische und Stühle heute in mehreren Gruppen verteilt im Raum. Die Teilnehmenden haben sich bereits niedergelassen und lässt man den Blick schweifen, schaut man über weiße und graue Kurzhaarfrisuren, Pferdeschwänze und kurzes volles Haar. Silke Ramelow, die die Veranstaltung "Generationen im Gespräch – Wir müssen reden" mit ins Leben gerufen hat, begrüßt die Gäste. "Es ist doch ok, wenn wir uns heute alle duzen, oder?" Alle nicken. An den Tischen wird bereits diskutiert. Schließlich soll der heutige Tag auch dazu dienen, dass konkrete Projektideen entwickelt werden, um die Distanz zwischen Jung und Alt zu überbrücken. Dafür hat jeder Tisch eine eigene Pinnwand, an der auf Post-It-Ideen gesammelt werden. Zum Beispiel steht auf einem die Frage, wie man mit einem gemeinsamen Projekt mehr Bewusstsein für Demokratie schaffen kann und wie sich Jung und Alt auch im öffentlichen Raum begegnen können.

Die Dialoge

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Sobald das Thema und die Fragestellung gefunden sind, wird fleißig am Projekt gebastelt. "Wie wäre es, wenn wir eine generationenübergreifende Talkshow in Freiburg veranstalten, oder was ist mit einer Party für Jung und Alt – und dann mit entsprechender Musik auf zwei Floors, oder doch lieber ein Pub-Quiz?"

"Ach, die jungen Leute wollen in der Straßenbahn doch eh nur Musik hören."

" Wer sagt das? Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob ihr dann mit uns reden wollt."

" Wie wäre es, wenn wir Buttons designen, die signalisieren, dass man bereit ist, mit Menschen in der Stadt zu reden…"

Ideen und Gesprächsstoff gibt es genug. Die Projekte nehmen Form an und die Pinnwände werden immer voller. Nach der Mittagspause und einem "Energizer", bei dem ein Generationen-Team plötzlich anfängt wild zu tanzen, geht es für den Rest des Tages in die heiße Phase, an deren Ende das fertige Projekt stehen soll.

Die Projekte

Draußen dämmert es bereits. Für jede Gruppe ist nun die Zeit gekommen, ihr Projekt vorzustellen. So hat sich ein Team überlegt, einen Generationenrat zu etablieren, der sich regelmäßig trifft und so für einen politischen Austausch zwischen Jung und Alt sorgen soll. Eine andere Gruppe will eine Talkshow in Freiburg organisieren mit dem Namen "Halt (j)ung-Kaffee, Kuchen, Cannabis". Hier sollen aktuelle Themen angesprochen werden, die beide Generationen betreffen. Die Button-Idee ist schließlich zum festen Projekt einer anderen Gruppe geworden. Wem in Zukunft in der Straßenbahn jemand mit einem "Ja, ich will… mit dir reden"-Anstecker begegnet, kann also seine Kopfhörer rausnehmen und die Person ansprechen.

Pauschalurteil

Am Ende der Veranstaltung sind alle erschöpft, aber zufrieden. "Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen", sagt die 16-jährige Hannah. "Jede Generation muss geschätzt werden. Aktionen wie die heute müssen genutzt werden, um ins Gespräch zu kommen." Die 67-jährige Brunhild hatte einen besonderen Wunsch, als sie sich bei der Veranstaltung anmeldete. "Ich will wissen was die jungen Leute bewegt! Von dem Tag habe ich mir erwartet, dass Ideen ausgetauscht und in die Praxis umgesetzt werden. Mein besonderes Anliegen ist das Miteinander. Wir müssen zuhören, bereit sein zu verstehen und vielleicht können wir so die entstandenen Fronten überbrücken".
Am 26. März 2020 findet die nächste Veranstaltung von Generationen im Gespräch in Freiburg statt. Bis dahin soll an der Verwirklichung der Projekte gearbeitet werden.