Schüler-Talk-Show

Wie war’s bei … Wolfgang Bosbach bei Nachgefragt im Rotteck-Gymnasium?

Bernhard Amelung

Kuchen und Karneval: Wolfgang Bosbach war in Freiburg. Bei "Nachgefragt" im Rotteck-Gymnasium sprach er über Wahlniederlagen der CDU und sein Verhältnis zu Gott. Eine Kurzkritik.

Wolfgang Bosbach war am Freitag im Rotteck-Gymnasium zu Gast. Bei einer Veranstaltung der "Nachgefragt"-Reihe sprach der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags über Wahlniederlagen seiner Partei, Vor- und Nachteile einer direkten Demokratie und sein Verhältnis zu Gott. Eine Kurzkritik.


Der erste Eindruck: "Er ist ein scharfer Hund", sagt ein Mann im Rentneralter. Seine Frau lacht und entgegnet: "Unsinn. Als Rheinländer ist er einfach nur direkt." Gemeint ist Wolfgang Bosbach. Der 66-Jährige war von 1994 bis 2017 CDU-Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Das zieht auch an einem Freitagnachmittag. Alle Plätze in der Eingangshalle des Rotteck-Gymnasiums sind besetzt.

Das Publikum: Halb drei Uhr nachmittags. Zur besten Kaffee- und Kuchenzeit finden sich zahlreiche Rentnerpaare ein. Die Großeltern der Schülerinnen und Schüler sowie deren Nachbarn. Am Eingang wird Selbstgebackenes verkauft. Mohn- und Apfelstreusel. "Es ist halb durch", sagt ein Mann und schaut auf die Uhr an seinem Handgelenk. "Hast du das Telefon bereit für Fotos?", raunt ihm seine Frau zu.

"Der Rheinländer kann über alles lachen, beim Karneval hört der Spaß auf." Wolfgang Bosbach, Ex-MdB (CDU)

Der Gast: Wolfgang Bosbach trägt graue Hose, graues Sakko, Brille und Seitenscheitel. Er sieht genauso aus, wie man ihn von seinen Auftritten im Bundestag und bei diversen Talk-Shows kennt. Von 2013 bis 2015 war er 28 Mal zu Gast bei ARD und ZDF – mehr als jeder andere Politiker. Das hat eine Auswertung des Medienportals Meedia ergeben. "So erreiche ich ein Millionenpublikum", sagt er und lacht. Sein wichtigstes Amt bekleidete der einstige Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag jedoch vor über 40 Jahren. 1977 wurde er in seiner Heimatstadt Bergisch-Gladbach zum Karnevalsprinzen gewählt. "Der Rheinländer kann über alles lachen, beim Karneval hört der Spaß auf", kommentiert er diese Wahl.

Die Moderatoren: Rebecca Weier und Jan Kreft, die Moderatoren der Talkrunde, führen humorvoll und kenntnisreich durch den Nachmittag. "Ich habe eine ungefähre Ahnung, wie lange man braucht, um so eine Veranstaltung vorzubereiten", sagt Bosbach anerkennend.

Die Themen: Die Verluste der CDU bei den Wahlen in Hessen und Bayern, Vor- und Nachteile einer direkten Demokratie, sein Traum von der Zukunft Europas. Darüber sprechen Rebecca Weier und Jan Kreft mit Wolfgang Bosbach. Doch zunächst muss er sich in einer Fragerunde das Jugendwort des Jahres 2018 ("Ehrenmann") erraten und seine Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, einordnen. "Der Islam ist ohne Scharia nicht denkbar. Das kollidiert mit unseren Werten", sagt er. Die jüngsten Stimmenverluste seiner Partei schmerzen ihn. Eine Ursache dafür sieht er im Auseinanderdriften der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Deutschland. "Eine Volkspartei darf keine Klientelpolitik betreiben. Sie muss soziale Gegensätze gerecht ausgleichen", sagt er.

"Eine Volkspartei muss soziale Gegensätze gerecht ausgleichen." Wolfgang Bosbach, Ex-MdB (CDU)

Ob eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild zu Deutschland passe, will Rebecca Weier in der Folge von ihm wissen. "Die Gesetzgebung ist ein komplexer Prozess, der nicht auf schlichte Ja-/Nein-Fragen reduziert werden kann", sagt er. Um die beste Lösung ringen müsse man auch auf europäischer Ebene. Die Europäische Union dürfe jedoch keine Transfergemeinschaft werden, sagt er mit Blick auf die Rettungsprogramme für Griechenland, deren Gegner er von Anfang an war.

Die drei besten Sätze des Nachmittags: Wolfgang Bosbach ist bekannt für seinen Humor, der manchmal schwarz, aber nie zynisch daher kommt. Eine Auswahl:
  • "Im Herzen bin ich Rheinländer, im Kopf bin ich Preuße."
  • "Man muss auf Erden so leben, dass man’s oben gerade noch rein schafft."
  • "Gedruckte Ironie geht immer in die Hose."
Fazit: Ein gut aufgelegter Gast, ein bestens vorbereitetes Moderatoren-Team – so vergeht die Zeit bei "Nachgefragt" in Windeseile.

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