Konzertkritik

Wie war's bei... The Cure in der St. Jakobshalle Basel?

Carolin Buchheim

Es gab alle Hits, aber war trotzdem kein anbiedernder Greatest-Hits-Abend. The Cure begeisterten die Fans in der ausverkauften St. Jakobshalle in Basel. Eine Frage blieb allerding offen.

Wer war da: Cure-Fans aus den 80ern und 90ern, klar, aber auch überraschend viele ganz junge Menschen, meist schwarz gekleidet. Zur Feier des Tages hatten reichlich viele Männer mittleren Alters Kajal- und roten Lippenstift von ihren Teenietöchtern geborgt und sich die Haare mit Haarspray und Föhn aufgestellt - vielleicht zum ersten Mal seit 30 Jahren. Manche gingen gar so weit, dunkle Perücken ins üppige Robert-Smith-Format hoch zu toupieren (Fotos vom Konzert). Pech für die direkte dahinter stehenden Konzertbesucher! Besonders niedlich: das punkige Elternpaar mit neonfarbenen Haaren, deren Kleinkind mit Gehörschutz nach dem Gig selig auf der Tribüne schlief. Frühkindliche kulturelle Prägung ist wichtig!


Der erste Eindruck: Den Start ins Konzert gibt's mit "Open". Die Wuschelfrisur ist ein bisschen weniger üppig geworden, auf dem Jersey-Kapuzenpulli glitzern Pailletten: Robert Smith, mittlerweile 57, ist immer noch der Typ "freundliche Fledermaus" - vielleicht ein flauschiger australischer Flughund? Bassist Simon Gallup, 56, trägt heuer eine überdimensionierte Elvis-Tolle und Iron-Maiden-T-Shirt und spielt bevorzugterweise auf den Monitorboxen. Der Rest der Band trägt schlichtes schwarz und ihr Alter gut.

Augenschmaus: Die Lightshow ist üppig und perfekt auf die Musik abgestimmt (bei "Edge of the Deep Green Sea" ist fast alles grün, klar!), auf den LED-Panels hinter der Band gibt's ab und zu Live-Kamera-Einblendungen mit Unendlichkeitseffekt.

Setlist: "Boys don't cry", "Lullaby", "Lovesong", "Close to me" - die Hits gibt's bei The Cure immer, aber die Band liebt auf ihrer aktuellen Tour die Abwechslung, hat unterschiedliche Setlists im Angebot. In Basel gibt's die Variante mit extra vielen Tracks vom 1992er-Album "Wish": den Opener "Open", "High", das elegische "Trust", "From the Edge of the Deep Green Sea", den Herumhupf-Über-Track "Friday I'm in Love" und "End", mit dem der erste Konzertteil abschließt. Einzige Song, der wirklich gefehlt hat: "Lovecats".

Die Musik: Flirrende Gitarren, aggressives Drumming, der Gesang gezielt im Mix versenkt: Live klangen The Cure wie The Cure. Stimmlich ist Robert Smith in allerbester Verfassung: kraftvoll, klar, ausdrucksstark - und gute Laune hat er noch dazu. Schön waren die Soli von Simon Gallup, Stadionrockausfälle gab's fast gar nicht. Das ursprünglich sehr zackige "Boys don't cry" war - mit Smith an der Akustikgitarre - vielleicht ein kleines bisschen sehr gemütlich. Die Band ist für ihre ausdauernden Konzerte bekannt: In Basel gab's zweieinhalb Stunden, in denen der Druck der Musik konsequent erhöht wurde. Mit jedem kurzen Abgang von der Bühne - insgesamt gab es drei "Zugaben"-Blöcke - kam die Band mit mächtigerem Klang zurück.

Fühlt sich an wie: Die Wave-Party im Jugendzentrum, irgendwann zwischen 1985 und 1992. Und zwar auf die bestmögliche Art.

Was in Erinnerung bleibt: Robert Smiths pantomimische Performance und ausdrucksstarke Mimik bei "Close to me". Wie alt ist das Video? 31 Jahre? Kann nicht sein! Auch was für immer: wie Smith und Gallups einander zugewandt das Intro zu "Pictures of you" gespielt haben.

Seltsamster Merchandise-Artikel: Weißer (!) Fischerhut mit The-Cure-Schriftzug, 30 CHF. Außerdem gibt's Programmhefte, so wie früher, zu 20 CHF.

Die Vorband: Passte gut zu The Cure: Der Sänger von The Twilight Sad aus Glasgow sah nicht nur aus wie Ian Curtis von Joy Divison, sondern bewegte sich auch so.

Was wir gerne noch gewusst hätten: Was war das orangefarbene Getränk, das Smith zwischen den Zugaben auf die Bühne gestellt wurde? Orthomol Immun, pur? Was immer es war: Wir wollen das auch.

Fazit: Zweieinhalb Stunden ausgelassene Melancholie, von einem hervorragend gelaunten Robert Smith und Kollegen in Bestform genussvoll zelebriert. Hätte nicht besser sein können.

Note: 1

Mehr zum Thema: