Metal

Wie war’s bei ... Slayer in der Sick-Arena?

Simon Langemann

Slayer gelten als Legenden des Thrash Metal – und als provokanteste Band ihres Genres. In der Freiburger Sick-Arena haben die Kalifornier nun eines ihrer letzten Deutschland-Konzerte gespielt.

Die Band: Slayer gründeten sich 1981 in Kalifornien und haben in den Achtzigern ein ganzes Subgenre mitbegründet: die extrem technische und temporeiche Spielart Thrash Metal. In etwa dasselbe trifft zwar auch auf Metallica zu – doch im Unterschied zu ihren Kollegen aus Los Angeles haben sich Slayer über die Jahrzehnte nie allzu weit von ihren musikalischen Wurzeln entfernt. Dagegen sorgte unter anderem ihr Spiel mit NS-Symbolik für anhaltende Kontroversen. Anfang des Jahres haben Slayer ihren nahenden Abschied angekündigt. Die aktuelle Welttournee ist ihre letzte.




Die Crowd:
Ein typisches Metal-Event: schwarze Band-T-Shirts, Jeanskutten voller Band-Aufnäher, keine Schlange vor der Damentoilette, Massenauflauf auf dem Herrenklo. Klar, das viele Bier muss raus. Für die trinkfesten Slayer-Fans hat man extra auf’s Großformat umgestellt: 0,5 Liter Rothaus kosten 5,50€. Betrunken sind trotzdem viele, als die Hauptband um 22 Uhr beginnt. Das ergibt sich bei drei Vorgruppen (Obituary, Anthrax, Lamb of God) wohl von selbst.

Die Stage: Stroboskop, Nebel, überwiegend einfarbiges Licht: Über weite Strecken bleiben Slayer auf visueller Ebene, passend zur schnörkellosen Musik, relativ schlicht. Doch immer wenn es langweilig werden könnte, fängt einen die überaus virtuos inszenierte Feuershow im Hintergrund wieder ein. Links und rechts des Schlagzeugs prangt als Skulptur das Slayer-Logo aus den Achtzigern, das an einen Reichsadler erinnert – bei weitem nicht das einzige Mal, dass die Band mit Nazi-Ästhetik provozierte.

Die Ansagen: Auch auf ihrer Abschiedstour bleiben Slayer äußerst wortkarge Zeitgenossen. Und wenn Tom Araya dann doch mal etwas sagt, weiß man, warum er es so selten tut. "I wanna thank you very much for coming." Pause. "Are you ready for this?!"

Die Show: Solide Performance, guter Sound. Gary Holt (Slayer-Gitarrist seit 2011) wirft sich in ein paar Posen, Gründungsgitarrist Kerry King eher nicht – und Sänger und Bassist Tom Araya schon gar nicht. Von "Final World Tour" liegt hier wenig in der Luft. Slayer tun das, was sie immer tun, nur eben mit dem Wissen, dass es demnächst zu Ende geht.
Slayer – Final World Tour 2019: Am 3. August 2019 spielen Slayer ihr letztes Open-Air-Konzert in Deutschland auf dem Messegelände in Balingen. Tickets gibt es online unter bz-ticket.de/karten

Die Stimmung: Ekstatisch sind sie nicht unbedingt, die Slayer-Fans, aber doch äußerst hingebungsvoll. Die einen schleudern selbstvergessen ihre Fäuste oder Pommesgabeln durch die Luft, die anderen verschreiben sich dem Headbangen, ob mit oder ohne entsprechende Frisur.

Die Setlist: 80 Minuten lang spielen Slayer den erwarteten Querschnitt durchs Repertoire – gemessen an Ticketpreisen von über 70 Euro ein recht kurzes Vergnügen, doch nach drei Vorgruppen und angesichts des auf Dauer doch recht monotonen Stils: völlig ausreichend. Ihre ganz großen Hits wie "South of Heaven" oder "Raining Blood" sparen sie sich für die Zugabe auf.

Das Ende: ... und den finalen Klassiker "Angel of Death" nutzen sie für eine Hommage: Das wohl kontroverseste Slayer-Stück von 1986, dessen Text von KZ-Arzt Josef Mengele handelt, stammt aus der Feder des verstorbenen Gitarristen Jeff Hanneman. Als Bühnenbild erscheint ein riesiges Heineken-Logo, bei dem das "Heineken" durch "Hanneman" ersetzt wurde – und das einst schon seine Gitarre zierte. Der Musiker erlag 2013 einer alkoholbedingten Leberzirrhose.

Ein kleines bisschen rührig wird es schließlich doch noch. Kerry King, der ein Slayer-Shirt trägt, lässt sich feiern, schmeißt Plektren in die Menge und tritt ab. Tom Araya steht noch minutenlang einfach so da, ohne wirkliche Regung, und guckt seine Fans an. Irgendwann tritt er zum Mikro – und verabschiedet sich in gebrochenem Deutsch: "Ich werde euch vermissen."
Slayer – Final World Tour 2019

Was: Konzert w/ Slayer
Wann: Samstag, 3. August 2019, 18.30 Uhr
Wo: Messegelände Balingen, Auf Stetten 1, 72336 Balingen
Vorverkauf: 81,90 Euro, Tickets online kaufen unter bz-ticket.de/karten oder in den BZ-Geschäftsstellen