Wie war's bei Sido im Zäpfle-Club?

Marius Notter

Seine silberne Totenkopfmaske hat er schon lange abgelegt. Der Berliner Rapper Sido ist erwachsen geworden - zumindest ein bisschen. Am Freitag hat er in Freiburg Halt gemacht. fudder-Autor Marius Notter sagt uns, wie's war:



Der erste Eindruck

Willkommen auf der HipHop-Party für Groß und Klein. Mamas und Papas mit hoch-pubertären Söhnen und Töchtern stehen neben eingefleischten Sido-Fans, die den Arm zwei Stunden nur von oben nach unten bewegen. Der Bass wummert, die Band schreddert. Es ist kein herkömmliches HipHop-Konzert mit DJ und Rapper, es ist kein Rockkonzert mit Band und Frontmann - der Berliner Rapper mischt beides gelungen zusammen.

Die Setlist

Am Anfang der Show läuft ein Film, indem Moritz Bleibtreu Sido erpresst. Der Rapper weigert sich, ein Schuss fällt, und Sido findet sich in der Hölle wieder: an einer Bar. Der Teufel, der als Barkeeper Schnaps ausschenkt, schickt Sido noch einmal zurück auf die Welt - um in Freiburg sein Konzert zu spielen. Es knallt in der Halle - Sido steht auf der Bühne und rappt den Opener seines aktuellen Albums 30-11-80 "Hier bin ich wieder".

Erst beim nächsten Song "Fühl dich frei" fallen die weißen Stoff-Bahnen, auf denen kurz zuvor die Filmsequenz lief. Nun steht eine komplette Band auf der Bühne, inklusive Background-Sängern sowie Keyboarder, DJ und Back-up-Rapper Bass Sultan Hengzt.

Sido verbindet in seiner Show durchweg alt mit neu, "Mein Block" und "Fuffies im Klub" von seinem Debütalbum "Maske" werden mit den neueren Tracks wie "Bilder im Kopf", "Testament" und "Arbeit" variiert. Die Show ist ein Wechselspiel zwischen ruhigen Teilen, die sich aus emotionalen Songs wie "Herz", "So wie du" und "Einer dieser Steine" zusammensetzen, und lauten Teilen, mit harten HipHop-Tracks wie "Meine Jordans", "Hol doch die Polizei" und "30-11-80". Diese Setlist von insgesamt 23 Tracks wird unterbrochen, wenn Sido sich an das Keyboard setzt und die Melodie von HipHop-Klassikern wie "In Da Club" von 50-Cent oder "Still Dre" von Snoop Dogg und Dr. Dre spielt.

Die Musik

Der Bass drückt schwer in den Magen, und die Snare-Drum des Schlagzeugs knallt in den Ohren, Sido rappt klar und verständlich und ist sehr gut in den Band-Sound eingebettet, ohne darin zu versinken. Bass Sultan Hengzt füllt die Rolle als Back-up-Rapper oder Feature-Partner von Sido gut aus. Marc Forster, den Sido in einigen Songs featured, elektrisiert die Luft mit seiner gefühlsgeladenen, klaren Stimme. Das Konzept "Band plus Rapper" geht wunderbar auf. Die Choreographien sitzen perfekt und beleben die große Bühne, auf der ein einzelner sicher untergegangen wäre.

Das Publikum

Nostalgische Berlin-Underground-Fans in XXL-Shirts und Baggy-Pants, Junge Sido-Fans, von einem Elternteil begleitet und dazwischen kuschelnde Pärchen. Besuchertechnisch sind alters-technisch keine Grenzen gesetzt. Außerordentliche Textsicherheit scheint jedoch Einlass-Kriterium gewesen zu sein - egal, ob bei alten oder neuen Liedern, das Publikum rappt mit, zu Anfang etwas verhalten, gegen Ende lauthals. Wenn Sido zum Mitmachen auffordert, sind die Arme sofort oben, und gehen so schnell nicht wieder runter.

Augenschmaus

Da Helge Schneider nicht auf der Tour dabei ist, wird er per "Videokonferenz" zugeschaltet. So performen Sido und Helge Schneider ihren Song "Arbeit" zusammen. Sonst wird die Bühne teilweise so ausgeleuchtet, dass die Band verschwindet und Sido allein auf der Bühne zu stehen scheint, vor allem bei langsameren gefühlsbetonten Liedern schafft die Lichtshow ein Ambiente, das den Atem stocken lässt.

Bester Satz des Abends

"Du kannst das Handy in einer Hand halten, die andere kann dann mitmachen." Eine humorvolle Aufforderung, das Telefon in die Tasche zu packen und am Geschehen teilzunehmen. Auch sonst spricht Sido viel zum Publikum, dabei nimmt er sich gern selbst auf die Schippe oder prostet den Zuschauern zu.

Was in Erinnerung bleibt

Sido ist ein Rapper, der nichts mehr beweisen muss und trotzdem mit so viel Spaß und Euphorie auf der Bühne steht, dass man mit einem Gefühl der Begeisterung aus diesem Konzert geht.

Aha-Moment

Ein Rapper, der die einzelnen Bandmitglieder vorstellt - das gibt es selten und ist ungewohnt.

Fazit

Ein älter werdender Star des deutschen HipHops schafft es, eine Show abzuliefern, die einen bis zur letzten Minute mitreißt, auch wenn die ruhigeren Songs überwiegen und die Stimmungs-Steigerung zum Ende hin dadurch ein wenig unterbrochen wird. So ist das nun mal, wenn der Ghetto-Rapper zum Familienvater wird.

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[Foto: Daniel Fleig]