Festival

Wie war’s bei....Sea You 2017 am Tunisee?

Laura Wolfert

Tausende Menschen mit Einhorn-Kostümen tänzeln am Samstag vor Headliner wie Moonbotica oder Monika Kruse auf dem Sea-You-Festival am Tunisee. Auch am Sonntag wird weiter gefeiert.

Der erste Eindruck

Der Wind weht im Nacken, die Sonne blendet, der Bass wummert aus der Anlage, das Herz pocht im Takt – schneller und schneller, bis der Track "Shine" von Moonbotica seinen Höhepunkt erreicht. Ein lauter Schuss. Konfetti schießt aus der Anlage. Tausende Festivalbesucher blicken mit roten Kopf nach oben und greifen nach den bunten Schnipseln. Sie tänzeln vor der Bühne der Stage Eins. Schulter an Schulter. Sonnenbrand an Sonnenbrand. Eine Bierfahne weht an der Nase vorbei, dann ein leichter Geruch von Gras.

Das Publikum

Die Besucher stehen mit ihren Handys im Tunisee und schießen Selfies. Sie quetschen sich mit ihren nassen Oberkörpern zwischen die Menschenmasse von Stage Eins zu Stage Fünf. Sie haben zu viel Bier getrunken, liegen eingerollt auf der Wiese, mit dem Sonnenhut auf ihrem Gesicht und schlafen – während neben ihnen harter Techno aus der Anlage wummert.

Die Männer präsentiere ihre kräftigen, prolligen Oberkörper: Sie ziehen den Bauch ein und spannen Brust, Arme und Nacken an. Ihr Feinripp-Shirt schmiegt sich an ihr Sixpack. Durch ihre Pilotenbrille, die im Sonnenlicht spiegelt, beobachten sie die jungen Frauen, deren Bikinioberteile auf und ab wippen. Sie haben sich statt Sonnencreme Glitzer auf ihre Arme geschmiert. Ihre Haare sind streng geflochten. Viele, goldene Ketten liegen eng um ihren Hals. Bis auf funkelnden Schmuck, bunte Schminke und falschen Wimpern tragen die Mädchen wenig. Sie wollen auffallen – um jeden Preis. Eine von ihnen hat sich sogar Elfenflügel eines Kinderkostüms auf ihren Rücken gebunden. Andere sind als Einhorn verkleidet und in enge, pinkfarbene Kleidchen geschlüpft. Wer nicht auffallen möchte, hat sich ein Levis-Shirt übergezogen – also knapp jeder zehnte.

Das Festivalgelände

Der Kopf pocht. Aus jeder Ecke dröhnt laute Musik aus der Anlage. Überall leuchtet und blinkt es. Tänzerinnen in goldenen Anzügen, die ihren perfekt trainierten Körper umhüllen, schwingen ihre Hüften vor den großen Bühnen. Derweil riecht man den fettigen, heißen Döner, die frischgebackene Waffel, die Energiegetränke und das Bier. Über den Köpfen wirbelt das Karussell die Festivalbesucher durch die Luft. Auf der Tanzfläche der Stage Fünf, die auf dem See aufgebaut ist, spürt man das Wasser unter den Füßen. Schwimmer spritzen einen von der Seite nass – ein Tropfen kühlt die heiße Haut.
Zu viele Menschen, zu laute Musik, zu viele Eindrücke. Wer Ruhe möchte, schlendert den See entlang zum Chill-Bereich. Der von den anderen fünf Stages etwas abgelegener Platz sollte eigentlich als Hängemattenlandschaft dienen. Hier nippt man an seinem Espresso, liegt auf der Wiese und schaut zu, wie die Wake-Boarder über das Wasser gleiten. Die Freiburger Locals Shaddy, Chill Thunder, Valentin Eka und the Balearic Secret berieseln einem mit leichter, grooviger Musik. So schön und entspannt kann ein Festival sein. Ein Highlight!

Kassensturz

Ein Tagesticket für 48 Euro ist für hochkarätige Akts wie Moonbotica, Andhim, Monika Kruse, Solomun und A.N.A.L und ein riesiges Festivalgelände fair. Hinzu kommt aber Essen, Trinken und sonstige Bespaßungen. Vier "Beach Coins" (ca. 3,50 Euro) für ein Wasser sind definitiv zu viel – es gibt allerdings auch einen kostenlosen Trinkwassertank. Auch die vier Beach Coins für eine Stunde Handyaufladen sind nicht billig – und verschaffen gerade einmal 30 Prozent. Das versprochene WLAN funktioniert
ebenfalls nicht. Bei den 48 Euro bleiben die Tagesausgaben sicher nicht. Wer sich betrinken möchte, wird arm.

Fazit

Wer sich nicht einen Moment Ruhe gönnt und nicht auf den Geldbeutel achtet – für den kann es bei der starken Sonne, den vielen Menschen und der lauten, dröhnenden Musik irgendwann zu viel des Guten und zu teuer werden. Eine kurze Pause im Wasser und ein Bier weniger: Und man kann das Festival in vollen Zügen genießen. Die Möglichkeit wird einem jedenfalls geboten.

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