Festival im Engenwald

Wie war’s bei... "Rock am Bach" in Kirchzarten?

Louis Groß

Von hippen Teenagergruppen über junge Mütter mit ihren Kindern bis hin zu bärtigen Altrockern – bei "Rock am Bach" am Freitag und Samstag war für alle Besuchergruppen etwas dabei.

Ein handgemachtes Festival: "Rock am Bach" im Kirchzartener Engenwald begeistert am Freitag und Samstag trotz trüben Wetters mit einer Vielfalt an Künstlern und familiärer Atmosphäre (Fotos).


Der erste Eindruck
Feuchtes Gras, wolkenverhangener Himmel. Gummistiefeltragende Besucher schreiten am Freitagabend durch das selbstgezimmerte Eingangstor – RAB, "Rock am Bach", steht dort in überlebensgroßen Lettern. Vorausschauende Festivalbesucher freuen sich über das zusätzliche Paar Wollsocken an den Füßen.

Pommesfett zischt, Würstchen brutzeln. Erst langsam füllt sich das Gelände am Engenwald. Ein Regenbogen lässt die Hoffnung auf einen gelungenen und trockenen Auftakt aufflammen.

Das Festivalgelände
"Rock am Bach ist wohl das handgemachteste Festival der Welt", ertönt es von der Bühne. Und da ist was dran. Rock am Bach überzeugt mit seiner Intimität, liebevollen Details, und einem ganz persönlichen Charme. Das familiäre Ambiente sorgt für eine freundliche Wohlfühl-Atmosphäre, hier wurde mit viel Hingabe ein Festival mit Charakter geschaffen.

Der dunkle Wald rahmt die leuchtende Wiese, erhellt von Feuerkugeln und bunten Lichterketten, märchenhaft ein. Für das leibliche Wohl wird mit Crêpes, Brägele und Gegrilltem gesorgt. Sogar ein Friseur ist neben Merchandise und "Saftladen" zugegen. Trotz Detailreichtum wirkt nichts überladen, sondern stimmig und ungezwungen.

Das Publikum
Lachende Kinder rennen über die klamme Wiese. Die Besucher lassen sich die Laune vom Wetter nicht trüben. Eine langsam tanzende Mutter wiegt ihr Baby sorgsam in einer Bauchtasche hin und her. Es trägt einen neongelben Gehörschutz. Regenmäntel in gelb, grün und lila stechen aus der Menge. Hier und da ein paar Gummistiefel. So bunt gemischt wie die Kleider ist auch das Publikum.

Hier ist ausnahmslos jedes Alter vertreten. Neben hippen Teenagergruppen tummeln sich langbärtige Altrocker – die Liebe zur Musik verbindet.

Die Bands am Freitag
Einen frühen Höhepunkt des Abends bilden Sea Moya. Traumhaft tanzbar und schwer einzuordnen. Psychedelisch-experimenteller Rock, unterlegt mit elektronisch erzeugten Elementen und Conga-Beats. Klingt beim Lesen verrückt, beim Hören ganz und gar nicht.

Eine absolut kuriose Darbietung – es lässt sich kaum anders beschreiben – legen Loisach Marci hin. Alphorn und Mundharmonika treffen Gitarrenriffs und Disco-Beats, definitiv ein Erlebnis.

Danach folgen die Jungs von Fatcat mit gewohnt schwungvollem Auftritt. Alles ganz im Sinne von "Get on up and Dance".

Headliner am Freitag sind das Synthie-Pop-Trio Say Yes Dog aus Berlin. "Ganz geil oder?", fragt Sänger Aaron während des Konzerts halb ans Publikum und halb an seine Bandkollegen Pascal und Paul gerichtet – da kann man ihm nur zustimmen.

Die Bands am Samstag
Die Haiducken überzeugen mit aus dem Balkan angehauchten Klängen, bevor El Flecha Negra mit einer wilden Mischung verschiedenster südamerikanischer Stile die Menge zum Toben bringt. Die Britin Findlay setzt den Schlusspunkt eines fulminanten Samstags. Es wird schnell klar, dass ihre zierlich unschuldige Erscheinung über Einiges hinwegtäuscht. Frech und rotzig schreit sie Zeilen wie "I’m so tired of trying to be good", und man glaubt ihr mit jedem Wort, dass sich dort ein Wolf im Schafspelz versteckt hält.

Den bleibendsten Eindruck des Abends jedoch hinterlässt das Berliner Quartett Lion Sphere. Live kommt die Vielschichtigkeit und Tiefe ihrer Debut-Platte "The Infinite You" noch mehr zum Tragen. Manchmal jazzig angehauchte Schlagzeug-Arrangements bilden die Grundlage für einen sphärischen, mehrdimensionalen Sound und eingängige Vocals. Absolut Hörenswert.

Das Fazit
Trotz der ungemütlichen Umstände haben die Organisatoren es geschafft, ein heimeliges Festival zu zaubern. Musikalisch gab es eine große Bandbreite an tollen Künstlern zu hören, die dem Publikum ordentlich eingeheizt haben und spätestens nachdem die Feuer brannten, mussten sich auch entfernter stehende Zuhörer keine Gedanken mehr um kalte Füße machen.

Dem Wetter geschuldet blieb der Besucheransturm ein wenig hinter den Erwartungen zurück, jedoch zeigte sich das Organisatorenteam sehr zufrieden mit dem Verlauf der beiden Abende. Große Regenschauer blieben zum Glück aus. Daher: Ein wirklich rundes Ding– nächstes Jahr gerne wieder.

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