Wie war’s bei … Otto Normal im Jazzhaus?

Katharina Kiefel

Heimspiel für die Freiburger Jungs von Otto Normal. Das Jazzhaus bebt, alle haben Bock, sogar die Mama von Sänger Peter Stöcklin kommt auf die Bühne. Was es mit einem Flipchart und den Wörtern Inschdagrämmle, Bächlewasser und Arschkrampe auf sich hatte?

Die Stage

Die vorab angekündigte neue Lichtshow ist nicht ganz so spektakulär wie erwartet, taucht das Jazzhaus aber abwechselnd in sanfte lila-pink-Töne und dann wieder in grelles, gelbes Licht. Gesicht der Band, Peter Stöcklin, rockt im schwarzen Shirt mit Emblem-Aufdruck des aktuellen Albums "Wieder Wir", der Rest der Band fährt stilsicher Flower-Print Hemd, Blouson und schwitzbeständige T-Shirts auf.

Die Crowd

Dreadlocks, "Kein Mensch ist illegal" - Schilder, Viva con Aqua-Fahnen, Studierende,Teenies und deren Elterngeneration. Das Publikum ist bunt, divers und dennoch in seiner offensichtlich guten Laune vereint. Unermüdlich tanzt, hüpft und singt die Crowd textsicher bis zum letzten Ton mit, animiert von Peter Stöcklin, der unkaputtbar wie eine Maschine abliefert. Neben wippenden Turnbeuteln auf den Rücken versuchen sich viele im Publikum mit vermeintlichen Hip-Hop-Gesten wie wildem Handgefuchtel und dem klassischen Arm hoch-runter Gewedel. Jeder bewegt sich wie er will, hier sollen alle "schönen Menschen Freiburgs", wie Peter das Publikum bezeichnet, eben so sein, wie sie sind. Peace.

Die Show

Otto Normal liefern ein vollbepacktes Konzert, flirten mit dem Publikum und haben sichtbar Bock, in ihrer Stadt Freiburg zu sein. Ein Freestyle-Rap, in dem Peter Wörter aus dem Publikum verpackt, wird zum Highlight. Bereits im Vorfeld des Konzertes hatte die Band über Facebook dazu aufgerufen, exotische und schwierige Wörter für eben diesen Freestyle-Rap zu posten. Die Top 3 dieser Wörter sind Inschdagrämmle, Bächlewasser und eitriger Furunkel Abszess. Lecker Schmecker. Auf einem Flipchart an der Bühne werden noch weitere Wörter gesucht, Abstiegskampf wird härtestens ausgebuht, ein Schlag ins Gesicht aller SC-Fans. Der Mann in der ersten Reihe, der mehrmals ungeduldig AAAArrrschkrampe schreit, wird endlich erhört und Jacqueline aus dem Publikum darf brav während des Freestyle-Raps alle erwähnten Wörter vom Flipchart durchstreichen. Mag eine alberne Aktion sein, Stimmung und Interaktion mit dem Publikum bringt sie allemal.

Die Mukke

Der Promotext verspricht ein "komprimiertes Orchester, das in der Synergie von Pop und Rap seinen Stil gefunden hat. Dabei ergeht man sich weniger in Jim Pandzko-Floskeln, sondern bietet den Zuhörern einen Reality-Check an, ohne an eingängigen Melodien zu sparen." Das am 4. Mai veröffentlichte Album "Wieder Wir" strotzt vor Selbstbewusstsein und Bock auf das Leben. Aber auch Auseinandersetzungen mit aktuellem und politischem Zeitgeschehen finden Platz.

Gute Ansätze sind da, oftmals gehen die kritischen Denkansätze jedoch hinter etwas oberflächlichen und gute-Laune-Lyrics wie "Die Liebe ist tot, lang lebe die Liebe", "wie ist es, wenn sich jeder Schritt wie Tanzen anfühlt?" oder "Alles Wow", unter. #Wisdom. Einprägsame Refrains, poppige, hymnische "ooooohoooohoooo-Passagen" und mehrstimmiger, halliger Gesang sorgen darüber hinaus unweigerlich für gewisse Parallelen zu diversen Mainstream Deutschpop-Tracks. Ein poppig-hiphoppiger Soundteppich, der dann eben doch ein bisschen mehr Mainstream als Indie ist.

Schwitzfaktor

Otto Normal sind hart am Ölen, vor allem Sänger Peter, der sein klatschnasses Gesicht regelmäßig in ein weißes Handtuch vergräbt. Kühle Getränke müssen auch im Publikum herhalten, das Jazzhaus dampft. "Jetzt nehmen mal alle ihre Handtücher hoch", schreit Peter lächelnd ins Publikum...."die, die keins haben, nehmen dann einfach......ihr wisst ja, wie das läuft..."

Geil

"Mama, komm’ mal hoch hier!" Absoluter Knaller ist auf jeden Fall Peters Mutter, die unter fettem Applaus auf der Bühne gemeinsam mit Otto Normal abrockt, tanzt und textsicher mitsingt. "Meine Mama hat mich immer unterstützt, stand immer hinter mir", sagt Peter. Sweet.

Fail

Gegen Ende des Konzerts fällt Peter auf, dass das Aufnahmegerät direkt vor der aufzeichnenden Kamera steht und somit die Videos für den Allerwertesten sind. Also wird nochmal zurück gespult, zwei Songs müssen nochmal performt werden. Für den Großteil des Publikums scheint das aber kein Fail zu sein, sondern nochmal eine Möglichkeit mehr, abzudancen und noch motivierter mitzusingen.

Kassensturz

12,20 Euro im Vorverkauf für gute zwei Stunden Musik und gute Laune sind auf jeden Fall sehr ok.

Pauschalurteil

Dass einige der Lyrics Wandtattoo-verdächtige Alltagsweisheiten wie "Ich gehe Schritt für Schritt; Lauf mit, es fühlt sich wie tanzen an" aufweisen, scheint das Jazzhauspublikum nicht zu stören. Otto Normal liefern ein energetisches Konzert ab, das allen Spaß macht. "Wir sehen uns im November wieder in Freiburg, ihr schönen Menschen!"

Mehr zum Thema: