Musikfestival

Wie war’s bei ... Metronomy auf dem Freiburger ZMF?

Alexander Ochs

Am Samstag zur Prime Time durfte die englische Synthiecombo Metronomy das große Zelt bespielen. Hat die erklärte Lieblingsband von Bookingchef Alexander Hässler geliefert?

Die Bühne

Minimalismus ist angesagt: Auf der Bühne befindet sich ein rollbarer (aber fixierter) Bühnenaufbau, vielleicht 30 Zentimeter hoch, und darauf performt die Truppe um Mastermind Joseph Mount. Schön bunt umspielt von farbwechselnden Lichtröhren ist der Unterboden dieses Aufbaus beim Song "Love Letters", etwa in der Mitte des Sets. Warum solche eine nüchterne Bühne? Well, die Währung ist der Bass. Die Tanzbarkeit. Und phasenweise auch das Licht. Die Band selbst kommt schlicht in locker-eleganten Trainingsanzügen daher, allen voran Mount selber, herrlich unprätentiös. Blickfang sind Basser Gbenga Adelekan rechts vorne und Schlagzeugerin Anna Prior, die auch bei einigen Liedern den Gesang beisteuern.

Das Publikum

Twentysomethings stellen das Gros des Publikums, teilweise sparsam gekleidet, aber auch einige Ältere sind da: gestandene Familienväter und -mütter. Alle lässig in Sommerklamotten.

Bei 700 bis 800 Zuschauern franst es an den Rändern aus, die Ränge hingegen sind fast verwaist. Das drückt ein bisschen auf die sonst gute Stimmung.

Die Setlist

Metronomy spielen rund 20 Songs, macht gut 80 Minuten Spielzeit. Dabei wühlen sich die Engländer fast durch ihr gesamtes Schaffen, das verrückterweise – man glaubt es kaum – eigentlich schon 20 Jahre umfasst. Dabei ist Gründer, Sänger und Gitarrist Jospeh Mount erst 36. Den Durchbruch hatten sie in den späten Nuller Jahren mit ihrem Knalleralbum "Nights Out". Der Titeltrack, eine mitreißend pluckernde Synthieorgie, funktioniert auch im Zirkuszelt bestens. Außer den kleinen Hits der Combo wie "The Look", "The Bay" oder "The End Of You Too" kommt aber auch der neue Song "Salted Caramel Ice Cream" extrem gut an – umgerechnet in Tanzbewegungen und Applaus.

Mit kühler Präzision liefern die Briten ein kompaktes tanzbares Paket ab, das stark auf elektronisch geprägten Pop setzt, aber kongenial als Bandkonzept umgesetzt ist – mit Gitarre, knackigem Bass, trocken-schlichtem Schlagzeug und quietschenden Sounds von Keyboard und Synthesizer. Im Angebot sind glitzernder Discosound, fetter Bass, dezent funkelnder Funk, stets wunderbare Melodien, ein leicht melancholischer Grundton und verführerischer Groove, der fast alle Songs zu Tanzflächenschiebern macht. Ab und an mit lässigem musikhistorischem Augenzwinkern – "Salted Caramel" deutet an, wie der Lipps-Inc-Discoklassiker "Funkytown" in zeitgemäße Clubsounds gewandet klingen könnte. Auch einige neue Songs des kommenden Albums wie "Lately" und "Insecurity" gibt es schon mal exklusiv vorab auf die Ohren.

Kassensturz

Metronomy in Freiburg – an sich schon ein Knaller. Kein Wunder, baggert Bookingchef und Riesenfan Alex Hässler doch schon lange an der Truppe.

Ein Fuffi für Metronomy plus Roosevelt vorab, hinzu kommen ein paar Bierchen (0,4 l für 3,70 Euro), da liegt man im günstigen Fall bei 60 Euro.

Sprit-Check

Genauso unprätentiös wie der Frontmann: Bier und Wasser sind die gefragtesten Drinks an diesem warmen Sommerabend.

Schwitzfaktor

Es klingt komisch, kurz vor einer angekündigten Hitzewelle zu sagen: Die heißen Tage sind vorbei. Normalerweise lud sich das Zirkuszelt schon bei sonnigen 20 Grad gnadenlos mit Hitze auf. Selbst bei drückenden 30 Grad am Samstag waren die Temperaturen im Zelt dank der neuen Kühlung herrlich angenehm. Surprise: sogar kühler als draußen!

Fazit

Solider Auftritt der Briten, der die einen glücklich macht – und die anderen kalt lässt. Sie sagt: "Gefällt mir nicht" und geht nach wenigen Songs. Er sagt: "Ich bin begeistert."

Mehr zum Thema: