Freiburg

Wie war’s bei...Me And My Drummer im Jazzhaus?

Alexander Ochs

Die beiden Kritikerlieblinge Charlotte Brandi und Matthias Pröllochs sollten es verstehen, mit reduzierten Mitteln Atmosphäre in den Freiburger Gewölbekeller zu zaubern. Ob der Plan aufging?

Der erste Eindruck
Me And My Drummer – der Name ist Programm: Auch wenn Sängerin, Gitarristin und Pianistin Brandi im Kleinen Schwarzen auftritt: Sie hat die Hosen an, er ist "ihr" Drummer. Zwischen ergreifender Intensität und erhabener Opulenz changiert der Sound des Wahlberliner Duos.


Die Setlist
Intro
1. Heavy Weight
2. Grown Up Shape
3. Pentonville Road
4. The Wings
5. Phobia
6. Runner (Reprise)
7. Don’t Be So Hot
8. Down By Couch
9. Blue Splinter View
10. Lancelot
11. You’re a Runner
12. Traces in the Sand
Zugaben:
13. Across The Universe (The Beatles)
14. (???) – Song von selbstveröffentlichter zweiter EP

Die Musik
Querbeet durch beide Alben. Die paritätisch besetzte Setlist (je sechs Songs pro Platte) wird nicht wie geplant durchgespielt: Die ruhige Nummer "Nuts" von der 2016 erschienenen CD "Love Is A Fridge" wird auf Neudeutsch "geskippt" – weil sie zu leise sei, so der Schlagzeuger. Sprich: das Publikum zu laut. Bevor sich Matze Pröllochs um Kopf und Kragen redet, sagt er: "Ich bekomm grad vom Tonmann die Info, ich soll mal die Schnauze halten."

Schöne, kleine Pop-Perlen rieseln sanft, fast fragil getupft ins Jazzhaus, dann wieder die große Geste, kleine und große Dramen, Pathos, Melodrama, ein, zwei furiose Explosionen – stets umschmeichelt und eingefasst von Brandis glockenheller, ausdrucksstarker Stimme.

Augenschmaus
Die pointiert roten Lippen von Charlotte Brandi. Das Wippen ihrer Füße, wenn sie am Flügel sitzt. Ihre schnellen schrägen Schritte bei "Lancelot", immer haarscharf an der Kabel-Stolperfalle entlang. Oder die Petitesse, nur ihre obere Gesichtshälfte hinterm Grand Piano hervorlugen zu sehen, während die untere am aufgeklappten Instrumentendeckel seitlich gespiegelt wird.

Das Bühnengebaren
Bis auf die eben geschilderte Szene ist der Bühnenaufbau sehr reduziert: links der Flügel, daneben Brandis Gitarre, mittig E-Piano und Keyboard. Während er, rechts positioniert, effektiv und effektvoll sein Schlagwerk streichelt, knufft und druckvoll knüppelt, becirct sie an allen Instrumenten und durch ihre Entertainerin-Qualitäten charmant das Gros des Publikums – Alter: verlängerte Jugend.

Was in Erinnerung bleibt
Wie Charlotte Brandi und Matze Pröllochs die Ballade "The Wings" live rüberbringen, ganz ohne die sakralen Chöre vom Album: rotes Licht, dezent heruntergedimmte Drums, einfach nur ergreifend.

Was wir gerne noch gewusst hätten
Ob die raumgreifend tanzende Zwischenruferin, die von Frontfrau Brandi ("Du kleines Biest!") gut miteinbezogen wurde, den ganzen Abend lang ihren Namen getanzt hat. Und wie die beiden Musiker den Abend tatsächlich fanden.

Preis-Leistungs-Verhältnis
80 Minuten für unter 20 Euro: absolut in Ordnung. Kleine Besetzung, dafür vergleichsweise großes Kino.

Note
Zwei plus

Mehr zum Thema: