Mordfall Maria L.

Wie war's bei … Markus Lanz – zum Thema Freiburg?

Stefan Hupka

Was ist denn bei euch da unten los? Das fragt sich gerade die halbe Republik – und das hat Markus Lanz in seiner Talkshow auch BZ-Chefredakteur Thomas Fricker gefragt. Thema war unter anderem die neuerdings düstere Weltbekanntheit der Stadt Freiburg.

Der Ort

Fernsehstudio des ZDF in Hamburg-Altona, circa 50 Zuschauer, ein Stuhlkreis

Die Runde

  • Ein Sänger: Gunther Emmerlich (72), Bass;
  • eine Berlinerin: Renate Künast (61), Bundestagsabgeordnete;
  • ein Spaßvogel: Chris Tall (25), Comedian;
  • ein Promi-Anwalt: Steffen Ufer (76), Strafverteidiger
  • ein Journalist: Thomas Fricker (56), BZ-Chefredakteur
  • und ein Gesprächsleiter: Markus Lanz (47), Südtiroler.

Die Themen

Die von Lanz zu erwartende Tüte Betthupferl für Späteinschläfer:

Gunther Emmerlichs Enkelkinder; Christ Talls Übergewichtssorgen; Steffen Ufers Erinnerungen an einen Mandanten, der ihn prominent gemacht hat; Renate Künasts tapferer Umgang mit Hassmailschreibern - und Thomas Fricker über die neuerdings düstere Weltbekanntheit der Stadt Freiburg.



Die Einschaltquote

Um die anderthalb Millionen.

Die achtzig Minuten

Was ist denn bei euch da unten los? Wie die halbe Republik interessiert das dieser Tage auch die Talkshows. Und das fragt auch Markus Lanz. Es sind die Kontraste, die das Publikum zur Zeit nach Freiburg schauen lassen: Gewalttaten im grünen Idyll, Unfrieden in der friedliebenden Studentenstadt, Fremdenangst in der Willkommenskultur, mehrere Mordfälle, die Ausschläge der Kriminalstatistik. Was viele eher einer Stadt wie Frankfurt zutrauen und mancher von, sagen wir, Bautzen nicht anders erwartet, vielleicht zu Unrecht, das lässt bei einer Stadt wie Freiburg doch alle aufhorchen.
Die Sendung mit BZ-Chefredakteur Thomas Fricker vom 6. Dezember 2016 ist in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Gibt es das tatsächlich, was man so liest, fragt Lanz, und was so nach Bronx klingt: No-go-Areas in Freiburg, Grünanlagen, die man nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht betritt, oder ist das Übertreibung, Überempfindlichkeit?

Leider nein, das gibt es tatsächlich, bestätigt Fricker und da spricht nicht nur der Journalist, auch der Familienvater. Aber Freiburg, das sei das Gute im Schlechten, finde sich nicht damit ab und habe das auch nicht vor. Die Debatten kamen in Gang, auch wenn es anfangs schwerfiel. Und wie so oft, wenn einer ausspricht, was alle beschäftigt, ist dann erst einmal "der Bote der Böse", die Tageszeitung. Damit, sagt Fricker, kann und muss sie leben. Es waren damals Debatten über einen Verhaltenskodex in Clubs und Diskotheken zu Jahresbeginn oder über Zustände auf dem Kirchplatz hinterm Hauptbahnhof. Und jetzt, nach den Gewalttaten, sind es wieder Debatten, über die Mühen der Integration der Flüchtlinge, die Polizeipräsenz im öffentlichen Raum, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den teils ruppigen Ton in den sozialen Netzwerken.

"Hass ist keine Meinung." Renate Künast
Ein einzelner muss nicht alles aushalten, sagt dagegen Renate Künast. Die Grünen-Politikerin, erzählt sie, wollte irgendwann nicht mehr tatenlos ansehen, was Kritiker im sozialen Netzwerk so alles an den Hals wünschen. An manchen Tagen fand sie da bis zu 300 Hassmails. "Aber Hass ist keine Meinung", sagte sich Künast, machte sich auf und klingelte bei einigen ihrer Kritiker an der Haustür. Das waren manchmal Leute aus der Mitte der Gesellschaft, erzählt Künast, die sie damit überrascht hat. Und manchmal wurden daraus anderthalb Stunden Diskussion drinnen im Wohnzimmer. "Wenn man sich dem Hass nähert", sagt Künast, "geht er weg". Aber wenn wieder einer im Netz gegen sie hetzt, stellt sie schon auch Strafanzeige.

Das müsse er sich nicht antun, findet Gunther Emmerlich (72) und erinnert an die guten alten Kommunikationsformen Postbrief und Telefon, bei denen, sagt er, noch mehr Anstand und Stil herrsche als in sozialen Netzwerken. Und Jurist Steffen Ufer wirft ein, es sei naiv gewesen, "so viele Leute aus anderen Kulturkreisen einzuladen", ohne an die Probleme zu denken.

Doch wir sind nicht bei "Hart aber fair" oder Anne Will, es ist schon spät, Markus Lanz ist nicht der Mann, der die Leute noch vorm Zubettgehen aufwühlen möchte. Er macht bald einen Themenschnitt. Der Rest sind Heiterkeit und Anekdoten. Und morgen ist wieder ein Tag.

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