Kritik

Wie war’s bei … Hazel Brugger im Paulussaal?

Anika Maldacker

Ihr Humor ist trocken, teils unverschämt. Sie ist Schweizerin, spricht aber Hochdeutsch. Nun hat sie an zwei aufeinanderfolgenden Abenden den Paulussaal gefüllt, beide Mal ausverkauft: Hazel Brugger.

Der erste Eindruck

Leger und selbstsicher tritt Hazel Brugger am Samstagabend auf die Bühne des Paulussaals. Ungeschminkt, mit T-Shirt, Jeans und unspektakulären Turnschuhen. Sie sieht so langweilig aus, dass es fast schon ein Statement sein muss. Aber Hazel Brugger, das stellt sie schnell klar, wird heute nicht systemkritisch auftreten und sprechen. Pech gehabt. Das Publikum lacht trotzdem. Und trotzdem sind beide Freiburger Shows von Brugger im Paulussaal restlos ausverkauft. Durchschnittsalter: eher graumeliert. Trotzdem wollen sie die 25-jährige, die aus dem Fernsehen, vor allem aus der ZDF-Heute-Show, bekannt ist, sehen.

Brugger startet ihren Abend – nachdem sie dem Publikum zunächst noch geschmeichelt hat, weil es angeblich besser ist, als das vom Vorabend – mit einer Freiburg-Beleidigung, die erstaunlich gut ankommt. "Freiburg ist schon okay. Komisches Konzept von Zwangsehe", sagt sie und meint damit die Freiburger Bächle. Dafür muss sie sich am Ende des Abends noch rechtfertigen.

Der Anlass

Der Anlass für diese Show: Auf Tour gehen, Geld verdienen, klar. Abgesehen davon heißt Bruggers aktuelle Show Tropical. Wieso, weiß sie selbst nicht so genau. Am Schluss ist das auch eine der Fragen, die ihr gestellt werden. Wieso Tropical? "Ich habe ja auch einen bescheuerten Namen", ist ihre trockene Erklärung.

Die Themen

Hazel Bruggers Themen sind scheinbar persönlich, bunt und alltäglich: Sie erzählt von ihrem Versuch, eine Youtube-Show zu starten und einen Kauz als Gast willkommen zu heißen, von Gynäkologen-Besuchen und ihrem Vorhaben, eine Immobilie zu kaufen – und auch, natürlich: der Unterschied zwischen Mann und Frau. Hazel Brugger trägt alles in ihrer gewohnt trockenen Art vor. Sie ist cool, sie ist selbstsicher und ihr ist es ziemlich egal, was man über sie denkt – scheinbar.

Lokalpatriotismus

Die Zugabe ist eine Fragerunde. Anstatt ein neues Thema auf ihre trockene Art in den Raum zu werfen, ermuntert Hazel Brugger ihr Publikum, Fragen zu stellen. Die erste Frage: "Haben Sie mit ihrem Bächle-Witz auf ein Freiburger Wahlplakat angespielt?" Und Brugger hat keine Ahnung – gespielt? – wovon die Fragestellerin spricht. Aber nein, stellt sie klar, ihr Witz war keine Anspielung auf das Wahlplakat zur Kommunalwahl, mit dem die Partei geworben hat.

Kurzkritik

Teils böse teilte Hazel Brugger aus. Ihr gespieltes Streicheln des Gynäkologen-Kopfes wirkte etwas bizarr. Ihre Imitation eines beim Tennisspiel zuschauenden Kauzes gekonnt. Manchmal hätte man sich etwas mehr Feuer gewünscht. Etwas mehr aktuellen Bezug zum Weltgeschehen, etwas mehr Biss im Bezug auf die Mächtigen. Denn dass Hazel Brugger das kann, beweist sie immer wieder in der Heute-Show.



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