Heavy Metal

Wie war’s bei...Hammerfall im Z7 in Pratteln?

David Weigend

Für Traditionalisten ist der Auftritt von Hammerfall ein Pflichttermin gewesen. Die vier Schweden feierten in Pratteln mit einem Doppelkonzert ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Bringen sie’s immer noch?

Der erste Eindruck

Ketten, Nieten und die eigens für ihn angefertigte Hammergitarre von Sandberg: Leadgitarrist Oscar Dronjak, das wahrgewordene Abziehbild des Klischeemetalers, macht vom ersten Riff des Openers "Hector’s Hymn" an unmissverständlich klar, dass er es auch nach 20 Jahren immer noch verdammt ernst meint. Power Metal made in Sweden, robust wie Ikea-Verkaufszahlen und zeitlos wie ein guter Fantasyroman.


Die Band

Seit der Veröffentlichung des Debüts "Glory to the Brave" im Jahr 1997 ist zwar nur noch der besagte Dronjak an Bord, man kann allerdings nicht behaupten, dass seine vier neuen Mitstreiter den Sound der Band wesentlich verändert hätten. Warum auch – wer Jahr für Jahr zu den Abräumern in Wacken zählt, mit erhobener Faust und geilen Hooklines den Unwägbarkeiten der Musikindustrie trotzt, macht irgendwas richtig. Allen voran Sänger Joacim Cans, der zu den Könnern seiner Zunft gehört. Der zweite Gitarrist, Pontus Norgren, erinnert nicht nur optisch an seinen Landsmann Yngwie Malmsteen. Er schüttelt auch genauso zuverlässig jene galoppierenden Riffs aus dem Handgelenk, welche die Grundlage der meisten Hammerfall-Songs bilden. Bassist Fredrik Larsson zeigt vor allem bei den Midtempo-Krachern der Marke "Any Means Necessary", dass er die 80er-Alben von Accept studiert hat: beinhart-proliger Groove ohne Sperenzchen. Schlagzeuger Johan Kolberg, erst im Dezember engagiert, macht seinen Job zurückhaltend und fehlerfrei. Was auch nicht allzu anspruchsvoll ist.

Setlist

Hector's Hymn, Riders of the Storm, Bring It!, Blood Bound, Any Means Necessary, Renegade, Dethrone and Defy, Crimson Thunder, Last Man Standing, Let the Hammer Fall, Built to Last, Medley mit Songs von Glory to the Brave, The Dragon lies Bleeding, Glory to the Brave, Origins, Punish and Enslave. Zugabe: Hammer High, Bushido, Hearts on Fire.

Das Publikum

Wie immer wird das Z7 zum multilingualen Metallschmelztiegel im Dreiländereck. Man hört Französisch, Schwarzwälder Alemannisch und Innerschweizer Dialekte, die ziemlich wild klingen, besonders, wenn der Sprecher schon die fünfte Feldschlösschendose in der Hand hält. Sodom-Girls in Jeansweste und Lederhose mit Patronengürtel bangen neben ergrauten Motorradrockern. Hammerfall spielen zwei Abende hintereinander. Am Samstag ist die Halle mit 1600 Zuschauern ausverkauft, der Sonntag ist mit etwa 1200 Fans immer noch gut besucht. Dass es unter ihnen nur vereinzelte Handyfilmer gibt, fällt positiv auf.

Die Botschaft

"Templars of Steel never will kneel", frei übersetzt: Tempelritter werden sich niemals beugen. Dieses Credo bildet nicht nur eine Textzeile des Songs "Built to Last", sondern es ziert auch das aktuelle Tourshirt, das trotz stolzen Preises (30 CHF) oft über die Theke geht. Die Botschaft ist wohl auch im übertragenen Sinne zu verstehen: Wer Hammerfall hört, gibt wenig bis nichts auf Modeerscheinungen, sei es im Metal oder anderswo. Man beugt sich keinem Trend und keiner angesagten Weltanschauung. Hammerfall transportieren Wertkonservatismus in Reinkultur, Experimente überlassen sie anderen. Das fängt beim seit Jahren unveränderten Outfit an und hört bei Maskottchen Hector auf: der stolze Kämpfer, wacker seine Werte verteidigend. Das kann man albern und abgeschmackt finden. Vielen gibt es aber auch Halt in einer Zeit, die zumindest politisch eher unliebsame Überraschungen bereithält.

Fazit

Das Quintett zieht zwei Stunden lang jedes Register des gepflegten Headbanger-Entertainments. Vom synchronen Gitarrenhalsschwingen bis hin zu den funkelnden Augen der Pappmaché-Gargoyles sitzt jedes Detail. Die Routiniers zeigen mit ihrer Performance selbst Gelegenheitshörern, wo der Hammer hängt. "Bring it – just bring it!", so ein Refrain des Abends. Hammerfall bringen’s. Und zwar, und das ist vielleicht das Mysterium der Band, ohne dabei peinlich rüberzukommen.

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