Konzert

Wie war’s bei… Friska Viljor im Jazzhaus?

Jannis Jäger

Friska Viljor bringen seit fast fünfzehn Jahren fröhlichen Indie-Rock auf die Bühne. Am Dienstagabend waren sie wieder einmal im Jazzhaus. Bei der Show erfuhr man, warum die Band in letzter Zeit nicht nur heitere Töne anstimmte.

Die Band

"Kindermusik mit erwachsenen Texten" – so hat Joakim Sveningsson einmal den Stil seiner Band beschrieben. Und der fröhlich wirbelnde Indie-Rock von Friska Viljor wird dem allemal gerecht. Es ist jetzt fast 15 Jahre her, seit sich in Stockholm die fünf Jungs zusammenschlossen und ihre Fans bis jetzt mit sieben Studioalben beglückt haben. Dabei waren sie immer dafür bekannt lieber ein "Lalala" zu viel als zu wenig zu spielen. Doch wer das neueste Werk hört, der bemerkt sofort, dass da etwas anders ist. Und wirklich: Ungewohnt traurige und schwermütige Töne klingen auf dem neuen Album an.

Den Grund dafür erklärt Joakim Sveningsson an diesem Abend selbst. Vor zwei Jahren trennte sich seine Frau von ihm und nahm die Kinder mit. In der Krise, in die er danach stürzte, wollte er auch die Musik an den Nagel hängen. Doch er schrieb weiter Songs, die heute dieses Album bilden und mit einem Augenzwinkern sagt er dem Publikum: "So it's all about me – Sorry."

Das Publikum

Alterstechnisch ist das Publikum an diesem Abend von den frühen Zwanzigern bis in die späten Dreißiger gestreut. Und es sind auch mehr Frauen als Männer gekommen. Doch alles zusammen ergibt eine harmonische Mischung. Es ist etwas anderes, das trennend wirkt, aber erst deutlich wird, als die Show wirklich angefangen hat. An diesem Konzert gibt es, grob gesagt, zwei Sorten von Zuschauern. Die, die still und in sich gekehrt die Musik genießen, und die, die von ihr mitgerissen werden und gar nicht anders können als zu tanzen. Der ein oder andere Rempler, der ein oder andere finstere Seitenblick ist da vorprogrammiert. Doch natürlich kommt es nicht zu Konflikten. Zu sehr vereint die Verehrung für das, was da auf der Bühne passiert.

Die Show

Es sind hochbegabte Musiker, die hier ihren Weg ins Jazzhaus gefunden haben und unter diesem wunderbaren Gewölbe eine Klangvielfalt produzieren, die einen schon einmal überwältigen kann. Neben Keyboard, Bass und Schlagzeug tragen auch die beiden Frontmänner dazu ihren Teil bei und springen zwischen Mandoline, Ukulele, Gitarre und Melodica hin und her. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass Friska Viljor live eine Klasse erreicht, die von ihren Studioaufnahmen nicht zu 100 Prozent transportiert wird. Es ist lauter, härter, rockiger. Und aus der klanglichen Vielfalt wehen einem Texte entgegen, mal sanft mal stürmisch.

Die Songs von ihrem neuen Album werden von Joakim Sveningsson eigens angekündigt, so sehr unterscheiden sie sich von der fröhlichen Unbeschwertheit manch anderer Werke. Es ist eine schwermütige Episode im Set der Show. Auch einzelne Songs werden mit persönlichen Erzählungen und Erfahrungen des Sängers eingeleitet. Doch die Band kümmert sich um ihr Publikum und lässt es nicht in Trauer zurück. Ein, zwei Hits holen einen wieder hoch. Da tost wieder dieser wunderbar tanzbare Indie-Rock über einen hinweg.

Fazit

Friska Viljor bringen im Jazzhaus genau die richtige Musik auf die Bühne, für einen eiskalten Freiburger Abend. Denn egal ob man steht oder tanzt, es ist Musik, die aufwärmt, einen mitreißt und das leistet, was gute Live-Musik eben leisten kann. Man vergisst, dass es draußen kalt ist, dass der Tag stressig war und man morgen wieder zur Arbeit muss. Friska Viljor geben einem ein Stück Geborgenheit. Und am Ende hat man irgendwie das Gefühl, als wäre man nach einer langen Reise wieder angekommen.