Jazzhaus

Wie war’s bei Erlend Øye & La Comitiva in Freiburg?

Alexander Ochs

Erlend Øye, der Nerd aus dem Norden Norwegens, zusammen mit den Süditalienern La Comitiva aus Siracusa: Funktioniert das? Und wie! Gemeinsam gaben sie ein "exklusives Sitzplatzkonzert", bei dem es keinen auf dem Stuhl gehalten hat.

Die Bühne

Da ist nichts, kein Dekor. Nichts, was ablenkt. Vier Mikrofonständer, vier Saiteninstrumente. Das ist alles. Ein mutiger Hauch von nichts.

Der erste Eindruck

Woody Allen in lang und elegant: Der schlaksige Hornbrillenträger im schlackernden grauen Anzug ist Erlend Øye, Mastermind der Bands Kings of Convenience und The Whitest Boy Alive. Begleitet wird er von den drei sizilianischen Musikern Marco Castello, Stefano Ortisi und Luigi Orofino, zusammen: La Comitiva.

Die Vorgeschichte

Der Norweger hat mit seinem Schulbandprojekt "Kings of Convenience" um die Jahrtausendwende für Furore in Fachkreisen gesorgt und die Herzen von Endzwanzigern mächtig höherschlagen lassen. Dass das Duo darüber – zumindest im Breisgau – nie hinauskam, darauf schien der Zuspruch im Vorverkauf hinzudeuten, denn der lief schleppend. Bei einem Gig, der dem Namen nach im Handumdrehen hätte ausverkauft sein müssen. Doch bis das Konzert losgeht, ist der Laden voll.

Die Musik

Feine Harmonigesänge und feinfühliges Gitarrenspiel, alles akustisch. Samtweich intoniert der 43-Jährige, der locker für einen 29-Jährigen durchgeht, die mal englischen, mal italienischen Songs. Melancholie, die pure Lebensfreude atmet. Oder umgekehrt. Leicht, luftig, schwebend wirken die Arrangements, zwischen italienischem Canzone-Abend, akustischem Indiepop und karibisch angehauchten Rhythmen. Klischee hin oder her, das Quartett vertont tatsächlich die Illusion eines nicht enden wollenden Sommers.

Was in Erinnerung bleibt

Wie der 1,92 Meter messende Norweger mit breitestem Strahlemann-Grinsen Zeilen singt wie: "I could only smile" und halb ernst, halb ironisch dazu tanzt. Wenn Marco Castello in L’estate finita den Gesangspart übernimmt, concerti importanti auf ragazzi interessanti reimt und ein strohtrockenes "Oh yeah" hinterherschickt. Wenn alles schnipst, klatscht und sich von den Stühlen reißen lässt. Am Ende spielt die Band auf den Monitorboxen, eng umringt vom Publikum. Der Gewölbekeller, ein Glucksen der Glückseligkeit.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Anderthalb Stunden beste Unterhaltung. Ein großartiges Gemeinschaftserlebnis. Unbezahlbar.

Note

Glatte Eins

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