Kurzkritik

Wie war’s bei...der ZMF-Gala mit Max Mutzke in Freiburg?

Georg Rudiger

Weniger politisch als in den letzten Jahren, dafür stimmten das Timing und die musikalische Qualität: Die Philharmonische ZMF-Gala "Peace & Soul" mit Max Mutzke hat in jeder Hinsicht überzeugt.

Der erste Eindruck:
Mit Max Mutzke startet die Gala gleich von Null auf Hundert. Kein langsames Eingrooven, kein allzu langes Gequatsche, sondern gleich eine tolle Rocknummer in einem griffigen Arrangement des Dirigenten Enrique Ugarte. Der Sound ist exzellent. Die nicht leichte Verbindung von Jazztrio, Sänger und einem Sinfonieorchester funktioniert im nicht ganz voll besetzten Zirkuszelt.


Setliste:
Max Mutze/Philharmonisches Orchester Freiburg und Jazztrio Frederik Heisler, Emanuel Teschke und Florian Favre (Leitung: Enrique Ugarte): "I.O.U.", "Magisch", "Me And Mrs. Jones", "Creep", "Hier Bin Ich Sohn", "Can"t Wait Until Tonight", "Charlotte". Robert Neumann (Klavier): Chopin/Etüde op. 25 Nr. 9 "Schmetterling"/Nr. 12 "Ozean", Vivaldi: Siciliano, Lisa Mills/Phil. Orchester: Somebody Loves Me, ZMF-Preisträger Peter Stöcklin/Phil. Orchester: "Chabeco", "Haters And Lovers", Junior Jazzchor Freiburg mit Jazztrio (Leitung: Tamino Franz): "Alles Nur In Meinem Kopf", "Empire State Of Mind" (mit Max Mutzke), Heim- und Fluchtorchester (Leitung: Ro Kuijpers) mit zwei unbenannten Stücken.

Die Musik:
Max Mutzke drückt der Gala von Beginn an seinen Stempel auf. Der aus Waldshut-Tiengen stammende Sänger hat nicht nur eine variable, in der Höhe schneidende Stimme, sondern überzeugt auch als Interpret mit Musikalität und vielen Klangfarben. Die Arrangements von Enrique Ugarte machen das Philharmonische Orchester mit treibenden Achteln in den Streichern und scharfen Blecheinwürfen zur Rockband. Die ruhigen Nummer wie "Hier Bin Ich Sohn" wird vom gedämpften Trompetensolo Marc Oberles veredelt oder wie in "Creep" vom Streichquintett des Orchesters emotional verstärkt. Aber auch der wirklich junge, super intonierende Junior Jazzchor Freiburg und das mit Gastmusikern wie dem Steeldrummer Emile Borde verstärkte Heim- und Fluchtorchester sorgen für Begeisterung. Rap mit Orchester funktioniert im Arrangement von Johannes Maikranz nicht ganz so gut. Und die Klassik wirkt mit dem jungen Pianisten Robert Neumann ein bisschen verloren in diesem Umfeld.

Augenschmaus:
Trommler und ZMF-Stammgast Gerald Achee aus Trinidad setzt mit seinem violetten Anzug, der leopardengemusterten Weste und seiner beachtlichen Kopfbedeckung wie gewohnt einen optischen Akzent. Perry Robinsons Häkelmütze ist optisch verwandt, sein Batik-Hemdchen kann allerdings in Sachen Style nicht mithalten. Ansonsten sind die Beteiligten optisch eher unauffällig. Nur der Schnurrbart von Peter Stöcklins Gitarrist ist ein Hingucker.

Bester Spruch:
"Ich komme aus einem kleinen Dorf im Schwarzwald, wo Vater und Mutter noch Geschwister sind... Wir sind zugezogen." Max Mutzke

Wichtigstes Accessoire im Publikum:
Fächer

Der berührendste Moment:
Als Max Mutzke über seine an Alkoholsucht verstorbene Mutter spricht und ihr das Lied "Hier Bin Ich Sohn" widmet.

Schmankerl zum Schluss:
"Ich hätte nie gedacht, dass meine Karriere als zweiter Geiger nach 37 Jahren in einem Zirkuszelt endet. Nun ist dieser nie geträumte Traum in Erfüllung gegangen", sagt der Geiger Rainer Wilke, der bei der Gala seinen letzten Dienst im Philharmonischen Orchester Freiburg hatte.

Bewertung:
1,5. Die längeren Sets der Beteiligten, die kurzen Umbaupausen und die insgesamt hohe musikalische Qualität taten der Gala gut. Nur die humorfreie Moderation von Clemens Salm hat noch viel Luft nach oben.

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