Wie war's bei... der Premiere von "Fifty Shades of Grey" in Freiburg?

Charlotte Janz

Die Mädels mäßig erregt, die Jungs peinlich berührt: Die Verfilmung der Sadomaso-Romanze von E.L. James läuft jetzt in den Kinos. In Freiburg ist der Film mittags gestartet – schon mit passender Werbung:



Fettnapf des Tages

Vor dem Cinemaxx Freiburg stehen zwei junge Frauen mit schwarzen Lederbändern um den Hals; eines hat Metall-Stacheln, das andere eine Schnalle. Geil, denke ich: S&M-Fans. Als ich die zwei frage, ob sie sich für die Premiere von "Fifty Shades of Grey" gestylt haben, ernte ich verständnislose Blicke. Sind wohl normale Gothic-Girls.

Beste Szene an der Kasse

Ein junges Pärchen ist an der Reihe. Die beiden halten Händchen. Sie drückt fest zu und schaut ihn aufmunternd an. Er nuschelt: "Zwei ermäßigte Karten für ’Sheigreimpf’, bitte". "Für ’Jupiter Ascending’"? fragt die Verkäuferin freundlich. "Nein, für ’SHADES. OF. GREY’", sagt jetzt das Mädchen, extra deutlich und extra laut. Ihr Freund wird rot.

SM-Deko im Foyer

Fehlanzeige. Nirgendwo Lack, nirgendwo Leder, nirgendwo Sexspielzeug. Auch kein überlebensgroßer Mr. Grey aus Pappe. Dafür steht noch ein absolut jugendfreier (da züchtig mit Höschen angetaner) Kung-Fu-Panda aus Plastik rum. Nur die Filmplakate deuten auf eines der großen Kinoereignisse des Jahres hin. Und ein Blick ins Cinemaxx-Programm: Gleich zehnmal pro Tag läuft "Fifty Shades of Grey" am Premieren-Donnerstag und in der nächsten Zeit. So viele Säle besetzen sonst nur Filme wie "Der Hobbit", "James Bond" oder "Die Tribute von Panem".

Das Publikum

Frauen alleine, Frauen zu zweit, Frauen in Gruppen. Beste Freundinnen, Schulschwänzerinnen, Mädelsausflüglerinnen. Hier und da ein guter Kumpel oder der mitgeschleifte Freund, dem auch ganz wichtig ist, dass alle merken, wie sehr er mitgeschleift wurde.

Fan-Faktor

Mittelhoch. Nur zwei Mädels treten nervös von einem Bein aufs andere, als müssten sie dringend mal Pipi machen. "Ich kann es kaum erwarten", erzählt eine. Sie habe alle drei Bücher gelesen – mehrmals. "Meine Kinokarte habe ich schon vor zwei Wochen gekauft." Die Gruppe daneben ist vor allem neugierig. Fan-T-Shirts trägt jedenfalls niemand. Kabelbinder hat auch keine mitgebracht.

Werbung des Tages

Da haben wir eine Pattsituation zwischen Vagisan-Feuchtcreme "für gepflegten Sex" und pjur Premium-Gleitmittel "für alle, die Lust haben". Beide Werbespots sind so brav wie der Film, der ihnen folgt. Gut so. Wäre ja peinlich, wenn die Vorband dem Hauptact die Show stiehlt.

Höhepunkte

Viele. Zumindest für Anastasia Steele (Dakota Johnson). Die Literaturstudentin ist schon nach dem ersten Anblick von Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan) so rallig, dass sie sich gleich mal im Regen abkühlen muss. In unzähligen Szenen krümmt sie sich vor Lust, wimmert, weiß gar nicht, wohin mit ihrer Erregung, während der Dominus ihr recht harmlose Klapse verpasst oder sie fesselt. Auf die Zuschauerinnen springt der Funke von der Leinwand nicht so richtig über. Das Popcorn-Geschmatze bleibt in einem monotonen Takt.

Verdächtige Klopausen

Eine. Nach einem besonders langen Close-up auf Mr. Greys perfektem Oberkörper hüpft eine junge Frau aus dem Kino. Ein anderes Publikum hätte so ein Timing mit anzüglichem Johlen belohnt. Hier wird noch nicht mal verschämt gekichert. Das mag daran liegen, dass Jamie Dornans Knackarsch gerade die Leinwand füllt. Die Ladys haben Besseres zu tun.

Skandal-Faktor

Null. Meine These: 99 Prozent der ach so wilden Sex-Praktiken, die der Film zeigt, haben Mutti und Vati in gutbürgerlichen deutschen Haushalten auch schon ausprobiert. Da wird ein bisschen gefesselt (wahlweise mit einer Seidenkrawatte, Geschenkpapierbändchen-ähnlichen Seilen oder gepolsterten Handschellen), ein bisschen auf den nackten Popo geklatscht, und hier und da kommt auch eine Peitsche zum Einsatz (allerdings mehr zum Streicheln als zum Klapsen). Film wie auch Dominus sind mehr zart als hart. Die saftigeren Szenen aus den Romanen wurden ziemlich entsaftet. "Fifty Shades of Grey" als Erotikstreifen zu bezeichnen, ist schon sehr wohlwollend. Oder geschicktes Marketing, das versucht die Altersfreigabe ab 16 Jahren mit der Erwartung eines freizügigeren Filmchens unter einen Hut zu bringen.

Romantik-Faktor

Hoch. Da wird geschmachtet, sich auf die Lippen gebissen, geweint, sich missverstanden und wieder vertragen. Das volle Programm. "Fifty Shades of Grey" ist letztlich eine gewöhnliche Hollywood-Romanze im (Plüsch)-Sadomaso-Mäntelchen.

Die Zigarette danach

Der Film ist aus. Das Ende ist unbefriedigend, ein zweiter und dritter Teil werden gewiss folgen. Die Ladys verlassen den Saal. Rote Köpfe sehe ich keine. Dafür zwei junge Frauen, die ganz schnell aus dem Kino schreiten, um zu rauchen. Gierig ziehen sie an ihren Zigaretten. Gieriger als sonst?

Fazit

Klassische Liebesgeschichte mit einer homöopathischen Dosis an sexuell ungewöhnlicheren Vorlieben – gewöhnlich dargestellt.

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[Foto: dpa]