Kurzkritik

Wie war’s bei … der Lesung von Axel Hacke im E-Werk?

Manuel Fritsch ("Insert Moin")

Er schreibt seit fast 30 Jahren Kolumnen für das SZ-Magazin und hat einen großen Stapel an Büchern veröffentlicht. Am Mittwoch war Axel Hacke im Freiburger E-Werk und las aus seinem neuen Buch "Wozu wir da sind. Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben".

Der erste Eindruck

Die Bühne: fast leer. Sehr spartanisch stehen da nur ein schwarzer Holzstuhl, eine kleine Abstellfläche mit einem Stapel Bücher und ein Glas Wasser. Ohne großes Tamtam läuft Axel Hacke, schlicht in einem weißen Hemd und einem gemütlichen grauen Anzug gekleidet, auf die Bühne, nickt einmal kurz ins Publikum und sagt trocken: "Können wir jetzt endlich anfangen?".

Das Publikum

Wenig überraschend lockt ein Kolumnist und Buchautor nicht das junge Studenten- und Szene-Publikum ins E-Werk. Ist der Name Axel Hacke der werberelevanten Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren überhaupt noch ein Begriff? Ein Großteil der Gäste lässt sich Hackes Generation (Jahrgang 56) zuordnen. Vereinzelt sieht man einige Menschen, die deutlich jünger als die ersten Kolumnen des Autors sein dürften.

Die Pflicht: Das neue Buch

Der Abend ist zweigeteilt. Vor der Pause liest Hacke drei längere Kapitel aus seinem aktuellen Buch "Wozu wir da sind. Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben". Sein Protagonist schreibt Nachrufe für eine Lokalzeitung. Hacke lässt ihn in sehr ausschweifenden Monologen über das Leben, natürlich den Tod, aber auch alltägliche Lebensfragen sinnieren. In der Gedankenwelt des Herrn Wemuts mäandern wir von einem Thema zum nächsten, kommen von A zu C über D zurück zu C. Dabei vergisst die Figur auch gerne mal B – oder wie der Eingangsgedanke überhaupt lautete.

Das Publikum im E-Werk hängt an Hackes Lippen und lauscht andächtig. Es gibt vereinzelte Schmunzler und kleine Lacher. Die großen Emotionen oder Reaktionen bleiben aus, aber das gibt der Text auch nicht her. Für Zwischenapplaus lässt Hacke selbst keinen Platz – nach einem Kapitel erzählt er direkt weiter, beschreibt ein wenig die Idee zu seiner neuen Figur und leitet die nächsten Abschnitte kurz und trocken ein.

Die Kür: Best of Hacke

Im zweiten Teil nach der Pause, in der Hacke natürlich fleißig Bücher signiert, fährt er zu Höchstform auf und schöpft aus seinem riesigen Fundus. Er liest einige seiner bekanntesten und besten Kolumnen, streut aktuelle Texte zum Brexit und über Trump ein und bettet diese kurzen Lesungen in anekdotische Geschichten ein. Zum Beispiel erzählt er, wie ihm von einem Schülerreferat über sein Buch berichtet wurde. Er wurde als "freischaffender Kommunist" vorgestellt, was aufgrund der hohen Mieten in München ja schon rein finanziell gar nicht zu leisten sei.

Der größte Lacher

Als Zugabe gibt es einen kulinarischen Ausflug in die schlimmsten Speisekarten-Unfälle aus aller Welt. Bereits das erste Beispiel falsch übersetzter "Onion Rings" ("Zwiebel ruft an") sorgt im Publikum für Lachtränen. Zwei Damen im Publikum sind minutenlang laut zu hören und nehmen den Saal mit ihrer Freude mit. Selbst Axel Hacke, der den ganzen Abend kaum eine Mine verzieht, lässt sich davon anstecken und ruft breit grinsend ein "Bitte beruhigen Sie sich doch!" in den Saal.

Kurzfazit

Hackes Liebe am Ungewöhnlichen, am Skurrilen und der detailverliebte Blick auf das Unscheinbare ist in jeder Minute und jeder Silbe des Abends zu spüren. Die Lesung hat neugierig und Lust auf sein neues Buch gemacht, doch das Highlight des Abends war klar der zweite Teil mit seinen Kolumnen und Anekdoten. Hacke nimmt man seine ungebrochene Faszination an der Sprache auch nach all den Jahren immer noch ab. Er liest seine pointierten Texte routiniert, aber wunderbar herzlich und natürlich vor. Seine trockene und zurückhaltende, aber sehr liebevolle und charmante Art sorgen dafür, dass jeder Abend mit Axel Hacke den Besuch lohnt.

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