Wie war's bei der langen Nacht der Universität?

Pascal Lienhardt

Zum ersten Mal fand die "Lange Nacht der Universität" statt. Im Audimax der Universität hielten Dozenten von zehn Fakultäten Vorlesungen, die die breite Fächervielfalt Freiburgs abdeckten. Und zwar die ganze Nacht hindurch - von 18.30 Uhr bis 7 Uhr.



Der erste Eindruck

Im Audimax der Universität halten Dozenten von zehn Fakultäten Vorlesungen, die die breite Fächervielfalt Freiburgs abdecken. Und zwar die ganze Nacht hindurch – von 18.30 Uhr bis 7 Uhr. Kurz nach 23 Uhr ist das KG II gut gefüllt. Zu einer Zeit, zu der das Gebäude für die Öffentlichkeit normalerweise seine Pforten geschlossen hat, tummeln sich noch viele Menschen. Einige plaudern ein wenig, andere sichern sich noch schnell einen Crêpes oder ein Bier, bevor sie zur nächsten Vorlesung schlendern. Darin stellt der Theologe Magnus Striet die Frage: "Rockt ein Gott die Welt?"

Die Zuhörer

Wenn man nur von den Zuhörern ausgeht, könnte man meinen, dass es nicht etwa 23 Uhr in der Nacht, sondern 11 Uhr am Tage ist. Obwohl sich das Angebot an alle Interessierten richtet, sind es doch hauptsächlich Studenten, die ihren Weg in die ihnen vertrauten Räume des KG II gefunden haben. Auf den Tischen stehen wahlweise Cola-, Wasser oder Bierflaschen sowie Knabbereien oder Süßes. Immer wieder stoßen kleine Gruppen dazu, hin und wieder verlässt jemand die Runde, um kurz danach mit einem Kaffee oder einem Stück Kuchen zurückzukehren. Die Stimmung passt besser in ein Kino als in einen Hörsaal.

Die Themen

Wie hält man seine Zuhörer über Stunden hinweg selbst nachts bei der Stange? Mit einer breiten Themenvielfalt. Gesichts-Chirurgie, Schimpfliteratur oder Bioökonomie, in den zwölf Vorlesungen werden die unterschiedlichsten Themen abgedeckt. Kurz vor Mitternacht spricht Theologe Striet von den Ideen Immanuel Kants, Anselms von Canterbury und Friedrich Wilhelm Joseph Schellings – ein nun doch trockener Stoff zu später Stunde.

Doch der Dozent bemüht sich redlich, geht auf die ungewohnte Situation ein: "Ich sehe einige Leute mit einem kühlen Bier hier sitzen!" – und versucht über das Hopfengetränk den Zuhörern den Gottesbeweis von Anselm von Canterbury näher zu bringen. Dabei geht es um das höchste und vollkommenste Wesen – und ein noch höheres und vollkommeneres Wesen. Joah... Darauf noch ein Bier. Ein in die Nacht passendes Thema hat sich Archäologe Alexander Heinemann ausgesucht: Kurz nach der Geisterstunde befasst er sich mit der Frage, wie Etrusker in Horrorfilmen dargestellt werden – und gibt gleich ein paar Filmtipps für den nächsten Gruselabend.

Die Verpflegung

Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Im ersten Stock des KGII werden die Besucher mit Getränken und Essen versorgt. Hier sind verschiedene Gruppen und Initiativen am Start, die so auch gleich Werbung für sich machen. Dazu gehören "Klimaschutz+ Studenteninitiative Freiburg", die Hochschulgruppe von "Amnesty International", die "Nightline Freiburg" oder das "Akademische Orchester". Und Kaffee? Den gibt es ab Mitternacht umsonst – Halleluja! Ein bisschen muss die Aufnahmefähigkeit ja auch aktiv unterstützt werden.

Fazit

Die "Lange Nacht der Universität" bietet sowohl Studierenden, Interessierten als auch den Dozenten der verschiedenen Fakultäten ganz unterschiedliche Möglichkeiten: Die einen erhalten die Möglichkeit, einmal über den Tellerrand zu schauen und herausfinden, wie die anderen Fachbereiche so ticken. Die Dozenten können ihrerseits Werbung für ihr Fach machen. Dass das in der Nacht und eben nicht zur gewohnten Uni-Zeit stattfindet, macht dabei gerade den besonderen Reiz aus.

Note: 1,5  

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[Foto: dpa picture alliance]