Wahlnacht

Wie war’s bei ... der Freiburger Election Night im Cinemaxx?

Felix Lieschke & Sophia Hesser

Bis in die frühen Morgenstunden fieberten die Gäste des Cinemaxx in Freiburg dem Ergebnis der US-Wahl entgegen. Bis zum Ende durften sie allerdings nicht durchhalten.

Der Ami-Faktor: Amerika und die Präsidentenwahl schienen weit weg zu sein am Dienstagabend in Freiburg. Nichts ließ erahnen, dass in Südbaden eine amerikanische Nacht stattfinden sollte. Im Cinemaxx aber waren Stars und Stripes überall – blau-rote Girlanden schwebten über den Köpfen der Besucher, es gab Buttons für Hillary und für Trump. Amerika hat te Einzug gehalten in Freiburg – zumindest bei der Election Night. In den Kinosälen wurde Popcorn geknabbert und Cola in großen Pappbechern geschlürft. Später gab es noch Cheeseburger, Nuggets und Muffins – wie es sich eben für einen amerikanischen Wahlabend gehört (Fotos vom Abend).


Wer war da: Ein Gast steht rauchend vor dem Haupteingang des Cinemaxx: "Ich würde Trump wählen, wenn ich dürfte." Warum? Er würde ein eh schon desolates System schnell zum Einsturz bringen, führt der Herr weiter aus. Es ist noch verhältnismäßig früh. Unter den Gästen sind die Mehrheit jünger. Viele Schüler und Studierende sind gekommen. Auch Gäste aus Amerika haben sich unter die Besucher gemischt. Hier und da konnte man englische Brocken hören.

Die Musik: Das Freiburger Schüler Jazzorchester stimmte den Abend ein. In bequemen Sesseln konnte man Klassikern, wie "Route 66" und anderen Hits lauschen.

Die Vorträge: Im Hauptsaal gaben Wolfgang Jäger von der Uni Freiburg, Arthur Landwehr vom SWR Freiburg und Gerhard Manz vom Carl-Schurz-Haus erste Schätzungen zur Wahl ab. "Egal, wer gewinnt – wir werden uns nach Obama zurücksehen", war sich Jäger sicher. Die Schätzungen der Experten waren zwar vorsichtig, aber vorsichtig in Richtung Hillary Clinton. Thomas Fricker, Chefredakteur der BZ, sagte vor den Zuschauern jedoch auch: "Ein Wahlsieg Trumps ist nicht auszuschließen." Und er verglich Trumps Haltung gegenüber der Presse mit der Frauke Petrys der AfD. Falls Clinton gewinne, ist für Politikredakteur Dietmar Ostermann klar, dass sie "eine Getriebene der Ereignisse sein" werde. "Wir wissen nicht, was sie dann tut." Die Zeit des Wahlkampfes fasste BZ-Korrespondent Jens Schmitz zusammen, der live zuschaltet war: "Es ist ein Gerüchtesumpf entstanden, der schwer zu verifizieren ist."

Die Party: Eine Party war es nicht. Niemand tanzte, obwohl es einen DJ gab. Niemand betrank sich, dabei gab es auch Alkohol. Die Kinobesucher waren nur aus einem Grund dort: um die Wahl zu verfolgen, und das unter Gleichgesinnten. Zwischendurch ging es mal kurz nach draußen. Zigarettenpause. Ein kleiner Umweg zur Toilette war auch drin. Nur selten musste jemand an der Popcorn- und Biertheke so kurz warten. Es ist nach vier, als Trump den Bundesstaat Ohio gewonnen hat. Es folgte ein Raunen in den Sälen. Als Clinton wenig später Kalifornien gewonnen hat, war von Müdigkeit keine Spur mehr. Die Besucher klatschten, manche pfiffen sogar. Die Mehrheit der Menschen im Raum wünscht sich die erste "richtige First Lady", wie sie ein paar Stunden vorher noch in der Podiumsdiskussion genannt wurde. Auch als das Programm schon lange vorbei war, leerten sich die Kinosäle eins, zwei und drei nur wenig.

Was in Erinnerung bleibt: Selbst als zu später Stunde Burger verteilt werden, lauschen die Besucher gebannt den Referenten. Nach dem offiziellen Programm läuft in allen Sälen der amerikanische Sender CNN mit den ersten Ergebnissen. Gespannt halten sich alle wach, als sähen sie einen Thriller auf der großen Leinwand. Um etwa 1.30 Uhr kippen die ersten Köpfe zur Seite, Augenlider schließen sich. In Saal 2 packen um 2.30 Uhr die ersten ihre Kuscheldecke aus. Langsam wird es heimelig im Cinemaxx. Die Getränke – immer öfter Kaffee – holen sich die Besucher auf Socken. Der Abend, oder vielmehr Morgen im Kinosessel wird lang, das wird langsam klar. Also: Schuhe aus, Füße hoch. Und immer wenn es gerade so scheint, als würde der gesamte Saal schlafen, wird ein Erfolg Clintons verschlafen beklatscht. Nur wenige packen ihre Sachen, geben auf und gehen heim. Die meisten halten ohne zu murren durch. Umso überraschender kam das Ende der Veranstaltung um kurz vor sechs Uhr, als die Moderatoren verkündeten, die Übertragung abzuschalten. Man war optimistisch bis dahin ein Ergebnis zu haben.

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