Umwelt

Wie war’s bei der … Fill-The-Bottle-Challenge in der Freiburger Innenstadt?

Katharina Federl

Zigarettenstummel in Plastikflaschen sammeln und in Sozialen Netzwerken darüber posten. Felix und Till Neumann von Zweierpasch haben am Montag die #fillthebottle-Challenge nach Freiburg gebracht.

Wusstest du, dass ein Zigarettenstummel etwa 50 bis 500 Liter Wasser mit giftigen Chemikalien verunreinigt? Und dass er 15 Jahre braucht, um zu verrotten?

Trotzdem werden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwei Drittel aller Zigaretten irgendwo auf die Straße oder in die Natur geworfen. "Das geht gar nicht", finden Till und Felix Neumann von der deutsch-französischen Band Zweierpasch.


25 Euro Strafe für das Verschmutzen der Umwelt durch Zigaretten in Freiburg

Die beiden Brüder haben deshalb am Montag dazu aufgerufen, am Boden liegende Zigarettenstummel in Plastikflaschen zu sammeln und ein Zeichen gegen das achtlose – und illegale – Verschmutzen der Umwelt zu setzen. Mit 25 Euro Strafe muss man in Freiburg rechnen, wenn man Zigaretten in die Umwelt wirft.

"Ich habe das Gefühl, dass in Freiburg vergleichsweise wenige Menschen rauchen. Es gibt viele Ökos und ein gesunder Lifestyle ist hier sehr wichtig." Till Neumann

Freiburg ist damit die zweite deutsche Stadt, die den aus Frankreich stammenden Instagram-Trend mit dem Hashtag #fillthebottle übernimmt. Vergangenen Mittwoch veranstaltete Felix Neumann dieselbe Aktion in Kehl, seinem Wohnort. Dort haben etwa 15 Freiwillige insgesamt 5500 Kippenstummel aufgesammelt. Anhand von Stichproben konnte folgende Formel aufgestellt werden: Eine volle Literflasche umfasst rund 500 bis 600 Stummel.

Und das Ziel für die Freiburg-Aktion? "Wir wollen noch einen drauf legen und Kehl knacken", sind sich die beiden Umweltaktivisten einig. Das wird gar nicht so leicht: Freiburg ist zwar größer als Kehl, gilt aber im Gegensatz zu dem 35000-Einwohner-Ort nicht als Tabak-Stadt. "Ich habe das Gefühl, dass in Freiburg vergleichsweise wenige Menschen rauchen. Es gibt viele Ökos und ein gesunder Lifestyle ist hier sehr wichtig", erkennt Till Neumann, der selbst als Nichtraucher in Freiburg wohnt.

Viel positives Feedback von Menschen auf der Straße

Um 17.30 Uhr, offizieller Beginn der Aktion, versammelt sich etwa ein Dutzend Menschen, inklusive Freunde, Freundinnen und Familie der beiden am Platz der Alten Synagoge. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, fast jeder kennt sich um ein paar Ecken. Till und Felix teilen Plastikhandschuhe aus, die Plastikflaschen hat jeder selbst dabei. "In einer Stunde treffen wir uns wieder hier und schauen, wie viel zusammengekommen ist", erklärt Felix, bevor er seine Mitaktivisten mit einem lauten "Have fun!" in die verschiedenen Himmelsrichtungen entlässt.

Viele gehen sofort Richtung Hauptbahnhof, andere bleiben in Uninähe. Egal wo, die Aktion polarisiert. Fragen wie "Was macht ihr denn da?" oder "Wofür soll das gut sein?" hört man genauso häufig wie "Das finde ich ja super!". Einige schließen sich der Aktion noch nachträglich an, kaufen sich sogar eigene Handschuhe in der Apotheke.

Um 18.40 Uhr finden sich alle Sammler so langsam wieder ein, einige sogar mit zwei vollen Flaschen in der Hand. "Im Colombipark waren’s krass viele Kippen, da hat mich das Jagdfieber gepackt", meint Till. Ein Fremder habe ihn dort auf das Problem der fehlenden Aschenbecher angesprochen. "Ich glaube aber nicht, dass ein paar neue Mülleimer die Kippenanzahl am Boden verringern würde. Wir kritisieren mit der Aktion nicht die Stadt, sondern die Einstellung der einzelnen Menschen", meint der 35-Jährige. "Ob man raucht, muss jeder für sich entscheiden, aber das richtige Entsorgen ist wichtig."

9500 Zigarettenstummel innerhalb einer Stunde

"Das ist echt heftig. Ich habe nicht erwartet, dass es so viel wird." Cäcilia, Helferin bei der Fill-The-Bottle-Challenge

Und das tut anscheinend auch die Mehrheit der Freiburger nicht, denn die Zählung der Flaschen ergibt: Insgesamt 9500 Zigarettenstummel wurden innerhalb einer Stunde von 15 Helfern inklusive der beiden Organisatoren gesammelt – und anschließend in den Restmüll geworfen. Auch bei einer Aktion der Freiburger Initiative "Unterwasserwelten" wurden im Juni innerhalb einer Stunde 1800 Kippenstummel an der Dreisam gesammelt.

"Das ist echt heftig. Ich habe nicht erwartet, dass es so viel wird", gibt Cäcilia, eine der Freiburger Freiwilligen zu. Sie und ihr Freund Ansgar sind durch den Facebook-Post von Zweierpasch auf die Aktion in Kehl aufmerksam geworden. Obwohl beide die Aktion sehr unterstützen, merkt Ansgar an: "Ich würde mir wünschen, dass man solche Aktionen gar nicht braucht."



Der 15-jährige Julean macht gerade mit seiner Familie in der Nähe von Freiburg Urlaub und hat auf Instagram über die Aktion in Freiburg gelesen, woraufhin er sich sofort in den Zug gesetzt hat. "Es wäre cool, wenn es auch in meiner Stadt jemanden geben würde, der sowas initiiert", findet der Schüler.

Bisher sind noch keine weiteren Städte in Planung, eher wird es zu regelmäßigen Aktionen in Freiburg und Kehl kommen. "Es haben so viele Leute gefragt, wann die Aktion das nächste Mal stattfindet, dass wir auf jeden Fall bald wieder was starten", ist sich Felix sicher.