Konzert

Wie war’s bei … den Beach Boys auf dem ZMF?

Anika Maldacker

Jede Menge "Uhs" und "Ahs", hohe Töne und Surfvideos im Hintergrund: Die Beach Boys surften gestern auf einer euphorischen Welle im ZMF-Zirkuszelt. Das war eine Reise in die Jugend oder in eine bessere Zeit mit einem endlosen Sommer.

Der erste Eindruck

Nein, tot sind sie nicht. Daran erinnerte ZMF-Gründer Alexander Heisler das voll besetzte ZMF-Zirkuszelt am Montagabend gern. Auch wenn die beiden Beach-Boys-Urgesteine Mike Love und Bruce Johnston wenig später mit ihren 78 und 77 Jahren nicht mehr jovial auf die Bühne sprangen, sondern ehr gemächlich schlenderten. Aber wen interessierte das schon bei dieser großen Nostalgie- und Strandsound-Hitparade? Der endlose Sommer ist für einen Abend nach Freiburg gekommen. Pünktlich zur neuen Hitzewelle, in ein überdimensionales Zelt mit Klimaanlage.

Die Bühne

Boys, Boys, Boys so weit das Auge reicht. Nein, Surfboys sind sie sicher nicht mehr (echte Surfboys waren sie bis auf einen aber auch nie), aber sie trällern ihre "Uhhhs" und "Ahhs" noch so hingebungsvoll wie in den 60ern, nur etwas langsamer. Ja, das sind nicht mehr die Original-Beach-Boys mit den Wilson-Brüdern, von denen zwei tot sind und der einst kreative Kopf, Brian Wilson, sich aus der Band zurückgezogen hat. Stattdessen werden die neuen, sicherlich halb so alten Beach-Boys von Gründungsmitglied und Wilson-Cousin Mike Love dirigiert. Bruce Johnston, der zwar erst Mitte der 60er-Jahre zur Band stieß, ist auch eins der Urgesteine. Und Mike Loves Sohn Christian darf sogar den George-Harrison-Tribute spielen.

Das Publikum

So grau wie Love und Johnston war geschätzt 80 Prozent des Publikums. Für die meisten war dieses Konzert ein Wiederabtauchen in die eigene Jugend. Das Publikum darf sitzen, erhebt sich bei Klassiker wie Surfin’ U.S.A. oder Barbara Ann aber doch und wackelt mit den Hüften. Früher haben die Beach Boys haufenweise Mädchen zum Tanzen im Takt gebracht, nun klatschen die Fans eben. Dazu ermuntert, immer und immer wieder, Bruce Johnston, der direkt neben Love am Keyboard steht und abwechselnd in die Tasten klimpert, "Uhhs" ins Mikro trällert und, eben, zum Klatschen animiert.

Die Setlist

Eine Setliste wie ein Hitradiosender: California Girls, God only knows, Wouldn’t it be nice, Fun Fun Fun. In ihrer 59-jährigen Bandgeschichte haben die Beach Boys einige Hits veröffentlicht, wobei die große Mehrheit der Songs aus den Anfangsjahren der Band, den 60er-Jahren, stammt. Irgendwann war der Traum von Surfen und Strand ausgeträumt und die Plattenverkäufe gingen zurück. Kein Wunder, dass die Beach Boys daher fast nur mit ihren Erfolgsschlagern aus den 60ern auftreten. Mit einer Hit-Kompilation namens "Endless Summer" von 1974 konnten sie in den USA wieder an die Erfolge der 60er-Jahre anknüpften. Der endlose Sommer ging im Beach-Boys-Universum weiter – und die Band versucht ihn heute bei seinen Auftritten wiederaufleben zu lassen. Nur eben mit Alterserscheinungen.

Die Musik

Das manifestiert sich nicht nur an den weißen Schöpfen, sondern auch dann, wenn die Lyrics größtenteils von den Neubesetzungen an den Gitarren gesungen werden. Love und Johnston singe oft nur die "Uhs" und "Ahs". Die hohen Töne klingen holprig, der typische Beach-Boys-Chor ist dünn. Aber die Musik ist noch immer wie Zucker am Strand. Oder wie eine Reise in bessere, gedankenlosere Zeiten, in denen man mit Cadillacs an kalifornischen Pazifikküsten herumfährt und kein schlechtes Gewissen hat, weil man die Umwelt verpestet.

Kassensturz

Rund 60 Euro für eine Band, von denen nur noch ein Gründungsmitglied und ein langjähriges Mitglied dabei sind? Hört sich unrentabel an? Keinesfalls. Für manche war der Abend eine Reise in ihre Jugend: die erste Party, das erste Date, ein unvergesslicher Strandurlaub – die Musik der Beach Boys ist alt und läuft noch heute. Das muss man erst mal schaffen.

Schwitzfaktor

Trotz Klimaanlage gibt es einen kleinen Schwitzmoment in Reihe 1, im kleinen Tanzpulk, als Mike Love einem Fan Herzchen und Winke-Winke-Hände zuwirft.

Fazit

Sommer, Strand, Surfen – und die passende Musik dazu? Her damit! Ja, die Beach Boys machen Musik wie klebriger Zuckersirup und ja, oft wird es zwischen allen "Uhhs" und "Ahhs" ganz schön monoton, aber wer kann bei diesem Surfrock schon ruhig sitzen bleiben? Da ist es auch egal wie alt die Performer sind.