Castingshow

Wie war’s bei … dem Konzert der "The Voice of Germany"-Finalisten in Freiburg?

Peter Disch

Fast wie im Fernsehen: Gewinner Tay Schmedtmann und vier weitere Teilnehmer der Castingshow "The Voice of Germany" sind in der Freiburger Sick-Arena aufgetreten und haben live gesungen.

Der erste Eindruck:

Die Livevariante der Fernsehsendung "The Voice of Germany" ist ein klassisches Mama-Papa-Kind-Ereignis. Das hat viele Vorteile. Weil die Minderjährigen nicht alleine rein dürfen, kommen die Erwachsenen mit. Das verkauft Karten und füllt die in der Hälfte abgehängte, bestuhlte Halle. (Fotos) Und die Leibesvisitationen am Eingang fallen auch weg.

Die Bühne:

Scheinwerfer auf Weinkisten aus Holz – dem Aufdruck nach zu urteilen nicht aus badischen Landen -, ein Bühnenhintergrund aus senkrecht angebrachten Europaletten, eingefasst von Neonröhren, ein graues Polstersofa – die Kulissen sind überschaubar. Auf einer kleinen Leinwand sind Schnipsel aus der Fernsehsendung zu sehen, die Moderatoren Lena Gehrke und Thore Schölermann begrüßen dank eines vorproduzierten Einspielers das Publikum gleich zweimal.

Die Stimmen:

Von den Finalisten der Castingshow sind drei dabei: Sieger Tay Schmedtmann, Boris Alexander Stein und Marc Amacher. Der zweitplatzierte Simon Resch ist krank daheim. Dazu kommen die Teilnehmer Lucie Fischer und Stas Schurins, die dank eines Publikumsvotums bei den Konzerten dabei sind.

Die Band:

Heißt Fresh Music Live und ist eine mit allen Wassern gewachsene Covertruppe aus Düsseldorf, die große Unternehmen gerne für ihr Firmen-Events buchen. Die fünf Musiker plus Backgroundsängerin sind in allen Stilen zu Hause, haben aber eindeutig einen Hang zum breitbeinigen Soulrocksound – gerade bei den schnelleren Songs darf es gerne mal ein bisschen mehr Mainstream für die Massen sein.

Das Programm:

Einmal quer durch den Garten von Rock und Pop, also Klassiker und Hitparadenfutter, die oft auch in der Sendung zu hören waren. Dazu zählen Rag’n’ Bone Mans "Human", "Cake By The Ocean" von DNCE, Kings of Leons "Use Somebody", Come Together" von den Beatles und allerlei aus deutschen Landen wie Mark Forsters "Chöre", bei dem direkt vor der Pause die bis dato leicht andächtige Stimmung einer gesitteten Art von badischer Begeisterung Platz macht. Ein bisschen hat das Ganze etwas von Livekaraoke – was auch bedeutet, dass die Qualität der Originale nicht immer erreicht wird.

Das Konzept:

Die fünf Talents, wie die Voice-Teilnehmer im Jurorenjargon heißen, singen allein, im Duo, als Trio oder alle zusammen. So bekommen auch die Platzierten ihre Chance, sich zu präsentieren.

Was zu beweisen war:

Das größte Stimmvolumen, die meisten Nuancen in Ausdruck und Gesang: Dass Tay Schmedtmann die jüngste Staffel von The Voice gewonnen hat, geht nach den Eindrücken des netto zweistündigen Konzerts in Ordnung. Die anderen haben auch ihre Stärken, fallen aber im Vergleich ab. Boris Alexander Stein klingt wie Schmedtmann, nur schlechter. Ihm fehlt im Vergleich der Ausdruck. Marc Amachers heißere Stimme und sein Rampensau-Talent passt bestens zu schnellem Rock, aber kann er auch was anderes? Immerhin hat er eine wiedererkennbare Stimme und nimmt sich seine Freiheiten heraus. Aus "TNT" machen er und die Band eine Honky-Tonk-Boogie, der mehr nach Status Quo als nach AC/DC klingt. "Personal Jesus" klingt mit viel Orgel wie der "Roadhouse Blues" der Doors – beide Arrangements sind Geschmackssache, erfüllen aber ihren Zweck, Amacher im besten Licht darzustellen. Stas Schurins hat seinen größten Moment bei der unvermeidlichen Unplugged-Sessions mit seiner Version von Gnarls Barkleys "Crazy", das sich von der reduzierten Ballade zur Akustikgitarre in einen flotten Ibero-Folk steigert. Beim Duett mit Lucie Fischer geht ihm dagegen die Puste aus, seine Stimme säuft im Breitwand-Arrangement ab. Fischer selbst schlägt sich bei Emeli Sandes "Next To Me" wacker, Alicia Keys "If I Ain’t Got You" ist für sie, Stein und Schmedtmann aber mehr als eine Nummer zu groß.

Fazit:

Die fünf Voice-Teilnehmer schlagen sich ordentlich. Aber nach der Castingshow ist vor der Castingshow. Bald schon machen die nächsten Bewerber von sich reden und lassen die Erinnerung an den Jahrgang davor verblassen. Mal sehen, ob Schmedtmann zwischen all den bereits etablierten Deutschpopsänger inklusive seines Mentors Andreas Bourani eine Nische findet. Die anderen werden es ohne den Siegerbonus noch schwerer haben, auf Dauer sicht- und hörbar zu bleiben.

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