Entenhausen und Co

Wie war’s bei … dem Kongress der Donaldisten in Freiburg?

Anika Maldacker

Donald Duck, Entenhausen und jede Menge Schnabeltheorien: Am Samstag tagte ein etwas anderer Kongress an der Freiburger Uni – die Donald. Sie forschen rund um die Ducks – und sie meinen es wirklich ernst. Ein Besuch.

Neben Homer am Eingang zu KG I sticht am Samstag ein gelbes Transparent ins Auge: 42. Kongress der D.O.N.A.L.D.. An den Steinsäulen in der Eingangshalle sind Plakate geklebt, von denen Donald Duck, Dagobert Duck oder Daisy glotzen. Im Hörsaal 1010 steht ein Mann am Rednerpult. Er spricht über das Periodensystem der Elemente, das dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiert. Er vergleicht die Eigenschaften der Elemente unserer Welt mit jenen der Elemente in der Welt der Ducks. Der Mann um die 60 trägt Brille – und eine knallrote Fliege mit dunkelblauem Seemannskragen, der Donald Ducks Kostüm stark ähnelt.


An diesem Samstag findet in Freiburg eine Premiere statt – und kaum einer in Freiburg weiß davon: Im Breisgau treffen sich zum ersten Mal die Donaldisten, die deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus. Es ist ihr 42. Kongress überhaupt – und der erste in Freiburg. Sechs Stunden am Stück sitzen sie in Hörsaal 1010 und lauschen Vorträgen. Es geht darum, wo Entenhausen wirklich liegt oder um die Frage, ob Donald Duck ein wahrer Held ist. Oder eben darum, welche Eigenschaften Platin in Entenhausen besitzt. Ist das Ernst? Nein – aber auch ja. Ist das nur ein Haufen kindgebliebener Donald-Duck-Fanatiker mit einem Sprung in der Schüssel? Ja – aber auch nein.

Zu Besuch bei den Donaldisten

In Hörsaal 1010 ist die Stimmung konzentriert. Die meisten Schöpfe sind grau und kurzhaarig. Aber auch ein paar Kinder und Frauen dürfen die Donaldisten zu sich zählen. Sie lauschen gebannt, wie Ralph Hössel, der Mann im Donald-Duck-Kostüm, erklärt, dass Eisen im Anaversum (so nennt er die Welt der Ducks) nicht zwingend hart und kalt sein muss. "Es kann im Anaversum zuweilen wie Kekse angeknabbert werden", referiert er sachlich, vor seinem Laptop gestikulierend. Auf der Leinwand ist zu sehen, wie Donald Duck ein Stück Eisen isst. Die Zuhörer lachen. Aber nur kurz. Es geht hier schließlich um Wissenschaft. Am Ende des Vortrags sagen alle "Klatsch, klatsch, klatsch". So geht Applaus bei den Donaldisten. Weil alle durcheinander rufen und die Worte schnell aussprechen, hört sich das an wie "Quak, quak, quak".

Kein Wunder, dass dieser Kongress an der Freiburger Uni stattfindet. Die Vorträge, so absurd ihre Themen klingen, wollen wissenschaftlich vorgetragen, einen neuen Ansatz präsentieren und anhand mehrerer Quellen belegt sein. Wenn die "Forschung" seriös sein soll, müssen die Quellen aus den Comics von Carl Barks und der Übersetzung von Erika Fuchs stammen.

Wer mit dünner Quellenlage auftritt, dem kann es passieren, dass "Humbug"-Rufe durch den Saal schallen, wie beim zweiten Referenten, Reinhard Mohr. Er fabuliert darüber, dass Entenhausen 2000 Jahre vor Christus da existierte, wo heute Los Angeles liegt. Und dass einzelne Bewohner per Zeitreise in die Gegenwart gekommen seien, und – nach ihrer sogenannten Entschnabelung – nun unter uns leben. Bitte was?

Wer sind die Donaldisten?

Was führt Menschen dazu, sich in ihrer Freizeit darüber stundenlang darüber Gedanken zu machen, wo Entenhausen liegt? Oder welche Eigenschaften Eisen im Donald-Duck-Universum hat? "Für mich ist das eine Ablenkung in meinem Leben, weil sehr viel ernst und erdrückend geworden ist", sagt Max Voigtmann, der aus München angereist ist und seit rund fünf Jahren bekennender Donaldist ist. Seine Frau gehört auch zur Organisation. Zusammen mit ihrem Bekannten Nicolai Meyer aus Köln gönnen sie sich eine Pause vom langweiligen dritten Vortrag.

Auch er ist seit Kindheitstagen ein glühender Fan der Duck-Comics. "Dieser Kongress ist einerseits todernst, aber andererseits nimmt man sich nicht so ernst", sagt Nicolai Meyer. Ein anderer Donaldist, Martin Otto, geht seit 2003 jedes Jahr auf den Kongress. Glaubst Du wirklich an das, was hier erzählt wird, Martin? "Glauben ist relativ", sagt er nur und eilt zurück in den Hörsaal. Bald spricht PaTrick Bahners, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und einer der bekannteren Donaldisten. "Den sollte man wirklich hören", sagt er noch nachdrücklich.

"Glauben ist relativ." Donaldist Martin Otto

Willst du auch einmal in die Donald-Forschung einsteigen und auf einem Kongress einen Vortrag halten, Max? Max Voigtmann würde gerne. "Aber mir fehlt die Zeit und das richtige Thema", sagt er, "man will ja schließlich nicht ausgebuht werden."

Web: donald.org

Mehr zum Thema: