Konzertkritik

Wie war’s bei … ClickClickDecker im Räng Teng Teng?

David Baldysiak

War es das schnellste ClickClickDecker Konzert aller Zeiten? Schon vor zehn endet der Gig der Hamburger Band am Donnerstagabend im Räng Teng Teng. Warum es trotzdem schön war?

Die Band

ClickClickDecker begann vor gut 15 Jahren als Soloprojekt von Kevin Hamann. Inzwischen hat der Sänger und Gitarrist Verstärkung von Bassist und Gitarrist Oliver Stangl und Sebastian Cleemann am Schlagzeug bekommen. Mit "Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten" erschien 2018 das mittlerweile sechste Studioalbum der Indie-Folk-Band.

Das Publikum

Zwischen jung und gerade noch jung. Neben dem obligatorisch studentischen Publikum, das überall in Freiburg anzutreffen ist, wo deutsche Indiemusik gespielt wird, sind auch viele Fans da, die mit dem 1980 geborenen Hamann die Schulbank gedrückt haben könnten. So drehen sich die Gespräche dann auch hier um das anstehende Wintersemester und da um Windeln und Sommerferien.

Apropos Sommer: Der ist nun endgültig vorbei in Freiburg. Es reihen sich Jeansjacken an Hoodies und Sweatjacken, die man auch beim Tanzen nicht ablegt. Es reißt nicht jeden vom Hocker, wortwörtlich, vereinzelt, genießen die Leute die Darbietung im Sitzen. Spätestens beim ersten schnellen Song kommt aber Bewegung in die Menge. Vor der Bühne wird getanzt, hinten immerhin gewippt. Da das Räng Teng Teng nicht ausverkauft ist, haben alle genug Platz, um sich auszubreiten.

Die Location

Im kühlen Freiburg bietet der Keller des Räng Teng Tengs eine wunderbare Zuflucht. Die Band bittet während des Auftritts nicht zu rauchen, woran man sich größtenteils hält.

Die Bühne ist klein und fast ebenerdig. Das erhöht, passend zum einfühlsamen Charakter der Musik, die Intimität zwischen Publikum und Musikern. Neben der Bühne blinkt ein Pinball-Automat und fügt sich ein in die dunkel-schummrige Atmosphäre der spärlichen Beleuchtung.

Der Sound ist erfreulich gut. Die kunstvollen Texte sind ein Charakteristikum der Band und so ist es schön, dass der Gesang klar und gut zu verstehen ist.

Die Show

ClickClickDecker machen die ideale Musik für den Herbst. Melancholisch und tiefgründig werden Herzschmerz, banale Beobachtungen und die großen Fragen behandelt. "Wir bleiben im Subkontext Liebe, Hass, Alltag, Leben" bringt es Hamann auf den Punkt.

Die sanften Strophen werden von der Band passend untermalt, wie man es von den Studioalben kennt, die Instrumentalpassagen zelebriert die Band dann aber richtiggehend, laut und energiegeladen.
Die Setlist, die größtenteils die Songs des aktuellen Albums umfasst, wird durchgesprintet. Nicht seine Schuld, merkt Hamann an. Darüber, dass nach dem Konzert eine Party stattfindet, wegen der man zeitig aufhören muss, zeigt sich die Band gar nicht erfreut. Hamann stellt fest, dass dies das schnellste ClickClickDecker Konzert aller Zeiten gewesen sei.

Nach lautstarker Forderung gibt es allerdings trotzdem zwei Zugaben inklusive Aufwärmübung zum Mitmachen. Zum Ende spielen ClickClickDecker Klassiker ihres Repertoires und zu "Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt?" und "Der ganze halbe Liter" kann das Publikum dann auch ordentlich mitsingen.

Fazit

Um kurz vor Zehn ist Schluss und wie die Band bedauert man, dass es nicht länger ging. Aber es ist natürlich besser, man wünscht sich zwei Songs mehr als zwei Songs weniger. Also verlässt man das Räng Teng Teng trotzdem mit einem warmen Gefühl, da man weiß, dass nun der Herbst gekommen ist und mit ihm die Melancholie. Die heutige Show beweist: das kann auch ziemlich schön sein.

Mehr zum Thema: