Konzertkritik

Wie war’s bei … Bleib Modern im Café Atlantik?

Jannis Jäger

Es klinge wie der Soundtrack zum traurigsten Film, den man sich vorstellen kann, sagt Sänger Philipp Läufer selbst über die Musik seiner Band. Am Mittwochabend traten Bleib Modern im Café Atlantik auf. Jannis Jäger war für fudder dabei.

Die Band

Bleib Modern ist eine Berliner Band, die 2017 mit "Antagonism" ihr bereits drittes Album herausgebracht hat. Ihr Stil: Wie Joy Division auf einem Gothic Trip. Dunkle, treibende Rhythmen, durchsetzt mit teilweise fast verspielt hellen Gitarrenklängen. Es ist Musik, die man nicht einfach konsumieren kann, man muss sich ihr hingeben. Dann trägt sie einen für einen Augenblick davon, in eine mystische Welt. Sie gibt einem etwas Abstand und erlöst einen kurz von allem was schwer daran ist, man selbst zu sein.

Das Publikum

Es ist nicht ganz voll, vielleicht 50 Leute sind gekommen. Demografisch ist hier einiges vertreten, von sehr jung bis nicht mehr so jung. Aber alle scheinen sich stillschweigend auf den schwarzen Dresscode geeinigt zu haben. Die Vielfalt hält an der Theke wieder Einzug. Getrunken werden Wein, Bier, Longdrinks und vieles mehr. Es ist ein sehr alternatives Publikum, von dem manch einer für Freiburg einen Mangel an solchen Veranstaltungen beklagt und sich deshalb umso mehr auf diesen Abend gefreut hat.

Es wird intensiv geschaukelt, der ein oder andere tanzt auch oder gibt sich still der süßen Traurigkeit hin. Hier und da kommt man sich näher, man küsst sich. Schemenhaft im Dunst von farbig beleuchtetem Nebel.

Die Stage

Die Bühne ist klein aber fein. Aus dem, was man hat, wird auf routinierte Weise das Maximum herausgeholt. Die Nebelmaschinen arbeiten schwer und der Raum ist dunkel. So erzielen die bunten Scheinwerfer, in Verbindung mit dieser Musik und dem Kleidungsstil der Zuschauer, die optimale Wirkung. Für einen solchen Gig ist das Café Atlantik eine sehr gute Location.

Die Show

Ohne viel Federlesen legt die Band los. Die Songs tosen über die Köpfe des Publikums und zuerst mag es so wirken, als gingen sie nahtlos ineinander über. Doch nach einigen Minuten ist man drin und erkennt die Details.

Der Auftritt ist schlicht, die Band steht geisterhaft in buntem Licht, wie in Trance. Groß moderiert wird nicht, allerdings käme hier auch keiner darauf, ihr das nachzutragen. Denn hier wird geliefert. Songs wie "If Love Is Just a Word" und "Nothing" stechen heraus. Ganz besonders Letzteres entfaltet in dieser Szenerie sein volles Potential und sorgt für Begeisterung. Allerdings gerade aus diesem Grund hätte zum Schluss eine kleine Zugabe noch sein dürfen.

Fazit

Unterm Strich machen die Musiker von Bleib Modern den Abend zu einem besonderen Erlebnis. Es ist Musik, für die man sich Zeit nimmt. Irgendwann taucht man wieder auf und es war, als wäre einem der Geist von Ian Curtis in einem Dunst von lila Nebel erschienen. Man könnte einwenden, dass es ein wenig nach Arbeitssieg aussah, aber niemand mag Spielverderber. Eine gute Leistung, vielleicht etwas für Liebhaber und Post-Punk-Nostalgiker, aber es eignet sich definitiv für eine Weiterempfehlung.

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