Konzertkritik

Wie war’s bei … Altin Gün im Jazzhaus?

Jannis Jäger

Orientromantik trifft psychedelische Synthesizer. Altin Gün verbinden traditionelle türkische Musik mit guter Rockmusik. Am Mittwochabend traten sie im Jazzhaus auf. Jannis Jäger war für fudder dabei.

Die Band

Altin Gün, oder zu Deutsch "Goldener Tag", sind eine türkische Psychedelic-Folk-Rock Band. Nicht nur ein Revival für traditionelle türkische Musik, sondern auch für den 70er-Jahre-Rock auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft. Sänger Erdinc Ecevit Yildiz bringt mit seinem langgezogenen türkischen Gesang die Herzen zum Schmelzen, bevor Ben Riders Gitarre sich ihrer annimmt und ihnen ordentlich einheizt. Gemeinsam mit den vier anderen weben sie mit an einem fliegenden Teppich, der einen durch ein Universum aus tausend Farben trägt. Es ist schön, Musiker zu sehen, die ihr Fach so beherrschen: Vom Gitarristen bis zum Percussionisten. Man lässt sich hineinfallen und auf einmal bemerkt man, dass man tanzt.

Das Publikum

Im Jazzhaus ist einiges los, jung und alt, paarweise und alleine. Manche sehen eher konservativ aus, andere sind eindeutig einem alternativeren Kreis zuzuordnen. Was sie eint, ist die Hingabe an das, was da auf der Bühne passiert. Beine und Arme bewegen sich, von der Bühne bis ganz nach hinten beobachtet man ein zuckendes, tobendes Meer von Körpern. Lachende Gesichter. Durch buntes Licht fliegende Hände. Exzessiv und gediegen, der eine tanzt für sich allein und der andere eher nicht. Zusammen ergeben sie ein grandioses Schauspiel.

Die Stage

Die Bühne ist das bewährte langgezogene Jazzhaus-Ding. Nicht sehr hoch und nah am Publikum. Prinzipiell schon mal gut. Aber an diesem Abend fliegt das gesamte sichtbare Spektrum sichtbaren Lichts, wie durch ein Prisma gebrochen, über die Gewölbe. Auch wenn man denken kann, dass diese Musik auch Open-Air sehr gut funktionieren würde, bietet das Jazzhaus, als Location, keinen Anlass für negative Kritik. Für kurze Enttäuschung sorgt zwar die kaputte Zapfanlage, aber – Karma.

Die Show

Sympathisch interagiert Sängerin Merve Dasdemir mit dem Publikum. Kurz wird noch das neue Album promotet, das bald erscheinen soll, dann geht es los. Songs wie "Goca Dünja" oder "Tatlı Dile Güler Yüze" fliegen durch den Raum und man ist abwechselnd beeindruckt von der Fingerfertigkeit des Gitarristen und von dem sehnsuchtsvollen Gesang. Dann huschen Erdinc Ecevit Yildiz’ Finger über die Saz und man fühlt nur noch pure Begeisterung.

Und so verwundert es nicht, wenn nur eine Zugabe am Ende kaum auszureichen scheint. Aber man gesteht der Band zu, sobald man wieder vollständig in der Realität gelandet ist, dass sie wohl kaum die ganze Nacht spielen kann. Auch wenn es schade ist.

Fazit

Kindliche Begeisterung und selbstvergessene Tanzerei sind zwei Gründe, weswegen den ganzen Abend über keine Sekunde Langeweile aufkommt. Und dass man kein Türkisch spricht, ist kein Hinderungsgrund, um mit Altin Gün einen richtig guten Abend zu haben. Sie verzaubern einen mit ihrer Musik, auf der man in die Ferne gleitet. Bunte Klanglandschaften werden zu Sehnsuchts- und Fluchtorten. Als Fazit zu diesem Konzert will man der Band eigentlich nur noch zurufen: Danke, dass ihr diesen verregneten Freiburger Abend ein bisschen verzaubert habt.

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