Wie verursacht man ein Erdbeben?

David Weigend

Heute Nacht hat im Raum Basel erneut die Erde gebebt, diesmal mit einer Stärke von 3,3 auf der Richterskala. Die Erdstöße waren die Folge von Stimulationsmaßnahmen in einem geothermischen Reservoir in Basel. Die Stimuli führte man bereits im Dezember durch. Zoltan Timar-Geng vom Geologischen Institut der Uni Freiburg erklärt die Hintergründe.



Wie ist das künstliche Erdbeben heute Nacht entstanden?

Zoltan Timar-Geng: Das künstliche Beben ist eine Folge der Stimulationsmaßnahmen in einem geothermischen Reservoir in Basel. Sie wurden bereits im Dezember durchgeführt. Bei einer Stimulation werden große Wassermengen unter hohem Druck über ein Bohrloch in den Untergrund verpresst.

Warum?

Die Auftraggeber (das Schweizer Deep Heat Mining Consortium, d. Red.) wollen ein geothermisches Kraftwerk zur Stromerzeugung bauen und deshalb die Wasserwegsamkeit auf natürlichen Rissen erhöhen. Dabei werden die Gebirgsspannungen in vielen Teilschritten abgebaut und es kommt zu vielen kleinen Mikrobeben. Mehrere 10 000 Signale können pro Tag registriert werden. Ein Beben der Magnitude 3,2-3,4 stellt eher die Ausnahme dar. Ein Beben dieser Magnitude ist zwar an der Erdoberfläche deutlich spürbar, Schäden sind in der Regel jedoch nicht zu erwarten. Nach dem ersten größeren Erdstoß am 8. Dezember wurden die Stimulationsmaßnahmen sofort unterbrochen. Die weiteren zwei Beben der Magnitude >3 sind also nur Nachwirkungen.

Kann man bei der Auslösung eines Erdbebens die Stärke genau kontrollieren?

Man kann die maximal zu erwartende Erdbebenmagnitude theoretisch abschätzen. Dieser Wert dürfte im Bereich der in Basel registrierten Magnitude liegen.

Können kleine, stimulierte Beben einem großen Beben die Kraft nehmen?

Das angewandte Verfahren kann keine starken Erdbeben verursachen, auch kein Beben geringer Intensität, wie das von gestern Nacht. Die abgestrahlte seismische Energie war viel größer als die eingebrachte hydraulische Energie. Die Stimulation war also nur Auslöser der Entladung eines bereits angespannten Systems. Bekanntermaßen ist der Oberrheingraben ein tektonisch aktives Gebiet. Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass die Stimulation zur Vermeidung eines grösseren Schadenbebens beigetragen hat.

Ist in Deutschland das Auslösen künstlicher Erdbeben genauso erlaubt wie in der Schweiz?

Ich bin zwar kein Rechtsexperte, aber sicher, dass weder in der Schweiz noch in Deutschland das künstliche Auslösen eines Schadenbebens erlaubt ist. Kleinere, vom Bergbau induzierte Erschütterungen sind zum Beispiel den Menschen im Ruhrgebiet durchaus bekannt. Sie werden von der Bevölkerung auch toleriert.

Mehr dazu:

  • Dr. Zoltan Timar-Geng (33) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geologischen Institut der Uni Freiburg.