Wie verbreitet ist Liquid Ecstasy in Freiburg?

David Weigend

Holger Probst, Herausgeber von Nitebeat und Mitbetreiber des 18 Months, hat vor zwei Wochen eine Flyer-Kampagne gestartet, die vor den Gefahren der Partydroge Liquid Ecstasy warnt. Wir haben gefragt, wie akut in Freiburg die Probleme sind, die diese Droge mit sich bringt.



Die Gefahr

Stellen wir uns folgende Szene vor: 2 Uhr morgens in einem Freiburger Club, die Elektro-Party brummt. Du stehst an der Theke, bestellst für dich und deine Begleitung einen Gin Tonic. Dann taucht neben dir ein Kerl auf. Du hast ihn irgendwo schonmal gesehen. Er zeigt auf die Gläser vor dir, zückt ein Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit und sagt: "Komm, ich mach jedem von euch nen Tropfen rein. Das ist GBL, Liquid. Das Zeug ist der Hammer. Danach geht ihr ab wie Sau. Für drei Euro pro Nase bist du dabei."



Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Die vernünftige: Du sagst zu dem Kerl, er soll sich verkrümeln. Die unvernünftige: Du schiebst ihm das Geld zu.

Jetzt gibt es wieder zwei Möglichkeiten. Die glückliche und eher unwahrscheinliche: der Typ ist Chemiker und hat obendrein so ein ruhiges Händchen, dass er um diese Uhrzeit noch kontrolliert dosieren kann; die unglückliche und wahrscheinlichere: du kriegst einen halben Tropfen zu viel in deinen Gin Tonic. Drei Stunden später liegst du bewusstlos auf der Tanzfläche.



Die Aktion

Holger Probst, Herausgeber von Nitebeat und Mitbetreiber des 18 Months, hat im Gespräch mit anderen Clubbetreibern gemerkt, dass sich Szenen wie die oben beschriebene in den vergangenen drei bis vier Monaten in der Region gehäuft haben. Deshalb will er gemeinsam mit acht weiteren Kollegen (unter anderem die Betreiber von Universal DOG, Inside, Nachtschicht und Mon Minou) vor der Gefahr von Liquid-Ecstasy warnen.

Sie machen das mit Flyern, die mit der Frage "Afterhour im Krankenhaus?" bedruckt sind und auf der Rückseite über Liquid Ecstasy aufklären. Denn die wenigsten, sagt Probst, wüssten über das hohe Risiko dieser Droge bescheid: "Da findet einer im Internet irgendein Rezept, kauft sich die entsprechenden Chemikalien im Netz und kippt irgendwelches Zeug aus dem Baumarkt dazu. Graffiti-Entferner und solchen Dreck. Die Zutaten sind sehr billig. Da hat man schnell einen Fünfliterkanister zusammen. Und zack, ist das Zeug im Umlauf", sagt Probst.



Die Droge

Liquid GHB (Gamma-Hydroxybutyrat) wurde 1961 in Frankreich entdeckt. Man überlegte, den Stoff als Antidepressivum einzusetzen, verwarf diesen Plan aber wegen der unerwünschten Nebenwirkungen. GHB wurde verboten. Konsumiert werden heute vor allem die artverwandten Substanzen GBL oder BDO. "Sie haben annähernd die gleiche Wirkung, erzielen aber vor allem in Verbindung mit Alkohol völlig unkontrollierbare und gefährliche Wechselwirkungen", sagt Bernd Binninger, Jugendsachbearbeiter im Polizeirevier Nord. "Da läuft dieses Mittel völlig aus dem Ruder."

Die Bezeichnung "Liquid Ecstasy" ist übrigens irreführend. GHB hat keine chemische Verwandschaft zu Ecstasy (MDMA). "In geringen Dosen wirkt es euphorisierend", sagt Binninger. "Während des Rausches werden Sinneseindrücke verstärkt wahrgenommen. In entsprechenden Internetforen ist auch von erhöhter sexueller Leistungskraft die Rede."



GHB in Freiburg

Soweit Holger Probst und Bernd Binninger die Lage beurteilen können, sind Frauen und Männer gleichermaßen GHB-Konsumenten. "Es ist sehr schwierig, den Stoff nachzuweisen", sagt Binninger. Denn es handele sich um Stoffe, die sich innerhalb von wenigen Stunden verflüchtigen und teilweise nicht mal unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. "Deshalb ist bei uns auch die Zahl von GHB-Fällen, die durch ein ärztliches Gutachten bescheinigt wurden, relativ gering", sagt Binninger.

Die Polizei beobachte die Situation. "Aber dass wir jetzt ein flächendeckendes Problem von Liquidfällen hätten, wäre übertrieben. Ich möchte das nicht dramatisieren." Dennoch sei Aufklärung gefragt. Das zeige nicht zuletzt der Fall in Merdingen, bei dem zwei Teenagern während eines Fasnetsumzugs GHB in die Weinschorle gemischt wurde.

Allerdings seien diese heimlichen Beimischungen, etwa um junge Frauen gefügig und willenlos zu machen, eher die Ausnahme. "Häufiger kommt es vor, dass Leute das ganz bewusst nehmen", sagt Binninger.

Mehr dazu:

fudder.de: Crystal und GHB in Freiburg