Wie US-Bürger in Freiburg die Wahl erleben: "Wenn Romney gewinnt, dann feiern wir unsere neu entschiedene Zukunft in Deutschland"

Julia Mungenast

Am Dienstag ist es soweit: Nach einem schier endlos scheinenden Wahlkampf haben 231 Millionen Wahlberechtigte die Wahl zwischen Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney. Wie vier in Freiburg lebende US-Amerikaner den Wahlkampf aus der Ferne erlebt haben, wie sie die Wahlnacht verbringen werden und wer ihre Stimme bekommen hat:





Kevin Jung, 22, Student für Chemie und Physik, aus Fullerton, Kalifornien

"Mein Aufenthalt in Deutschland, während der US-Wahl hat mein Empfinden nicht stark geändert. Tatsächlich bin ich zufrieden, dass ich die politische Verrücktheit meines Lands vermeiden konnte. Ich schätze die deutschen Zeitungen, in denen die Darstellung der Kandidaten präziser und fehlerfrei ist und auf der Vernunft basiert und nicht auf den reinen Gefühlen; so wie in Amerika.

Am Wahlabend werde ich möglicherweise lernen oder schlafen. Ich denke mit dem Zeitunterschied wird es in Deutschland früher Morgen sein, wenn die Wahl entschieden sein wird. Ich habe keine Lust, alles in Realzeit zu verfolgen.

Ich habe das Ergebnis nicht beeinflußt: Ich war zu beschäftigt, um meine Briefwahl rechtzeitig zu verlangen. Aber wenn ich wählen könnte, würde ich Obama wählen."



Emily Robinson, 20, Ausstauschstudentin, aus East Lansing, Michigan

"Es war ein bisschen schwer, den Wahlkampf zu verfolgen, weil alle Debatten sehr spät nachts sind. Ich habe viele Nachrichten daüber gelesen und oft mit Freunden und Familie bei mir daheim diskutiert. Viele posten auch auf Facebook über Politik.

Ich folge Obama auf Tumblr und Twitter und auch einigen anderen politischen Twitterern. Ich denke, es wäre schwerer die US-Wahl aus dem Ausland ohne Internet zu erleben. Die deutsche Studierenden sind auch sehr, sehr politisch, das finde ich toll.

Für die Wahlnacht habe ich keine konkrete Pläne, aber meine Freunde hier, sowohl die deutschen als auch die amerikanischen, sind sehr politisch engagiert, daher werden wir bestimmt etwas machen. Wir werden entweder eine Party machen oder das Carl-Schurz-Haus Event "Election Night 2012"  im Cinemaxx besuchen.

Ich habe natürlich schon per Brief gewählt.....meine erste Präsidentenwahl. Obama 2012, baby!"



David Heyde, 38, Übersetzer und freier Lektor, St. Louis, Missouri

"Ich habe den Wahlkampf 2012 wahrscheinlich ähnlich wie die meisten Deutschen erlebt: als großes Medienspektakel, bei dem es oft weniger um echte politische Unterschiede, als um Medienwirksamkeit und Schlagfertigkeit zu gehen scheint. Personenkult halt.

Der Unterschied ist aber vielleicht Folgendes: Wenn ich dort bin, kann ich mich über einzelne Themen wie Gesundheitswesen, Bildung, Armutsbekämpfung oder politische Missstände wie Wahlbetrug oder Wahlkampffinanzierung tierisch aufregen. Von hier aus sehe ich das alles mit ein bisschen mehr Gelassenheit. Gleichzeitig sind mir außenpolitische Themen wichtiger, wie auch allgemein das Ansehen unseres Präsidenten im Ausland. In dieser Hinsicht waren die letzten vier Jahre mit Obama um einiges angenehmer als die vorangehenden acht mit Bush Jr.. Am Wahlabend mache ich nichts besonderes. Wahrscheinlich lese ich einfach im Internet darüber, wenn ich am nächsten Tag aufstehe.

Meinen Wahlzettel habe ich schon vor ein paar Tagen abgeschickt. Da ich als Expat nur einmal alle vier Jahre wählen darf, nehme ich das schon ernst. Zudem komme ich aus Missouri, einem sogenannten 'swing state', in dem grundsätzlich beide Parteien eine Chance haben. Dort gibt es dieses Mal zum Beispiel auch eine wichtige Senatswahl. Was die Präsidentschaftswahl angeht: Ich bin ehrlich gesagt in manchen Punkten von Obama ziemlich enttäuscht, aber er ist immerhin besser als die Alternative."



Michael Podgers, 20, Ausstauschstudent, Chicago, Illinois

"Ich haben versucht, so viel wie möglich der Wahl zu folgen. Das ist eigentlich nicht so schwer, wie ich erwartet habe, als ich in Freiburg angekommen bin, aber noch gibt's Probleme. Ich mag es sehr, die Fernsehduelle zu schauen. In Deutschland konnte ich das nicht machen, weil sie früh am Morgen, meistens um 2 oder 3 Uhr, stattfinden. Ich habe nur einmal versucht die ganze Nacht wach zu bleiben, um die Duelle zu schauen, und habs leider nicht geschafft - Ich bin eingeschlafen.

Am Wahlabend schaue ich unbedingt die Resultate. Ich mache das wahrscheinlich mit anderen Amerikanern. Es wird wie eine Wahlparty: Wenn Obama gewinnt, dann feiern wir seinen Gewinn. Und wenn Romney gewinnt, dann feiern wir unsere neu entschiedene Zukunft in Deutschland. Ich rede oft mit meiner Familie und meinen Freunden darüber, und wir machen immer Witze, dass wenn Romney Erfolg hat, ich weiterhin in Deutschland lebe. Aber am Wahlabend bleibe ich unbedingt wach, um die Resultate zu schauen. Das weiß ich ohne Zweifel.

Ich habe schon gewählt, und ich bin auch sehr stolz darauf! Diese Wahl wird das erste Mal sein, dass ich für Präsident Obama stimmen kann, und ich bin sehr stolz, dass ich dieses Erlebnis haben kann.

Ich glaube auch, dass es sehr wichtig ist, dass ich in Deutschland wähle, weil diese Wahl sehr symbolisch ist. Diese Geste zeigt meinen Kollegen in den USA, egal, in was für einer persönlichen Situationen sie sind, dass man auf jeden Fall wählen muss, weil wir so viel Glück haben, diese Gelegenheit zu haben. Ich denke oft, dass Amerikaner vergessen, dass wir in Ländern wie den USA oder Deutschland Glück haben, unsere Regierung durch eine Wahl entscheiden zu können. Deswegen wählen wenige Leute und das ist totaler Quatsch!"

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    [Fotos: Bild 1 dpa; Bild 2-5: privat]