Interview

Wie unterscheiden sich Profi- von Amateurorchestern, Corinna Niemeyer?

Eyüp Ertan

Als Dirigentin arbeitet die 33-jährige Corinna Niemeyer mit vielen internationalen Orchestern zusammen. Nun konzertiert sie mit dem Herbstprojekt des Uniorchesters, dem Akademischen Orchester Freiburg, im Audimax.

Im Interview mit fudder erzählt Corinna Niemeyer, 33, worin sich Profi- und Amateurorchester voneinander unterscheiden und worauf sie sich am Samstag mehr freut.

Sie sind international gefragt, arbeiten mit namhaften Orchestern zusammen – wie kam es dazu, in Freiburg das Herbstprojekt des Akademischen Orchesters zu dirigieren?

Ich wurde einfach angefragt. Zum einen kennen mich einige aus der Freiburger Szene, weil ich als Assistentin von François-Xavier Roth beim SWR war. Witzigerweise habe ich damals Projekte vorbereitet, bei denen Profis und Amateure dabei waren (Patch) – und einige Leute sind wieder dabei. Zum anderen dirigiere ich das Uni-Orchester in Straßburg und wir haben uns in Leuven (Belgien) getroffen (ESOF, 2017). Man kennt sich untereinander einfach.



Welche Herausforderungen bringt ein solches Projekt mit sich? Binnen zwei Wochen muss ein volles Programm für einen Konzertabend auf die Beine gestellt werden.

Die Herausforderung ist es, sich als Orchester schnell zusammenzufinden, auch weil es diese Besetzung so sonst nicht gibt. Gleichzeitig kann diese Herausforderung auch gelingen, weil es eine besondere Energie gibt – man hat Lust, die Studierenden konzentrieren sich in diesen zwei Wochen sehr auf dieses musikalische Projekt, der Fokus ist sehr stark. Mir hat sehr Spaß gemacht, dass man schnell weiter kommt, weil das Orchester sehr schnell auf meine Ideen reagiert. Es herrscht ein guter Austausch.

Worin unterscheidet sich dieses Projekt von der Zusammenarbeit mit Profiorchestern?

Ein großer Unterschied in der Organisation der Projekte ist die Zeit. Auch wenn ich gesagt habe, dass es sehr konzentriert ist – für ein Profiorchester wäre es schon sehr viel Zeit. In Profiorchestern würde das in einer Woche laufen: drei Tage Probe, zwei Tage Konzert. Dabei kann man sich aber auch auf die Erfahrung der Profis stützen, weshalb es in dieser kurzen Zeit möglich ist. Bei einem Amateurorchester ist dies anders. Für einige ist es beispielsweise das erste Projekt, bei dem sie zusammenspielen – man muss also gemeinsame Erfahrungen kreieren und braucht dafür auch nochmal Zeit. Das ist aber auch gleichzeitig das Schöne, weil man alles gemeinsam anfängt und gemeinsam aufbaut.

"Mir macht Schumann mehr Spaß."

Was erwartet das Publikum am Samstag im Audimax?

Ich glaube, zwei ganz unterschiedliche Welten. Grieg erzählt eine Geschichte, ein wenig wie in einer Fabelwelt. Es gibt ein paar Stücke, die sehr bekannt sind, Morgenstimmung, oder die Halle des Bergkönigs. Hierbei kann man das Orchester in seiner ganzen Palette (Percussion, Soli der Holzblöser) antreffen. Schumann ist eine ganz andere Welt. Eine unglaublich frische Musik, mit sehr viel Spirit.
Zur Person

Corinna Niemeyer, 33, arbeitete viele Jahre als Assistentin von François-Xavier Roth beim SWR. Sie dirigiert unter anderem das Uni-Orchester in Straßburg, im Rahmen von Gastdirigate arbeitete sie mit zahlreichen namhaften Orchestern in ganz Europa.

Was macht Ihnen persönlich mehr Spaß?

Mir macht Schumann mehr Spaß. Aber sowas ist immer eine Phase. Auf Schumann bin ich gerade neugieriger, aber Grieg finde ich sowieso wunderschön. Schumann ist zwar abstrakter, mir gefällt aber der Raum, den diese Musik kreiert. In der Sinfonie geht es viel um Raum: Schon der Beginn ist ein Urknall, dann geht man auf Entdeckung des Raumes, der durch diese Knall entstanden ist. Wir spielen das ganze non-vibrato, das ist eine Art des Spielens, wo der Klang sehr pur, rein und direkt wird. Es geht viel um Pures, um Resonanz mit den anderen im Raum. Ich finde das unglaublich spannend, das alles zu entdecken. Es ist abstrakter, aber es ist total spannend und schön. Gleichzeitig ist es unglaublich frisch und hat einen Drive, der viel Spaß bereitet. Ein Fast-Forward-Stück.
  • Was: Herbstkonzert des Akademischen Orchester Freiburgs
  • Wann: Samstag, 19. Oktober, 19.30 Uhr
  • Wo: Audimax Freiburg
  • Karten: 8 Euro, 5 Euro ermäßigt im VVK und an der Abendkasse