Wie unsere Reporterin mit Wanda abstürzte

Laura Maria Drzymalla

Wanda, dieses Maskulinität-kleckernde Pop-Phänomen aus Wien, zerfeierte gestern das Freiburger Jazzhaus. Es gab Schnaps, Zigaretten, sexistische Beckenbewegungen Richtung Fan-Girls - und den Absturz im Litfass mit unserer Reporterin:



Die Jungs

Marco, Christian, Manuel, Reinhold und Lukas aus Wien. Ihr Lausbuben. Zusammen habt ihr es geschafft, uns zu geben, was nicht gut für uns ist, wir aber trotzdem lieben. Mit Zigaretten, Schnaps und viel Amore verschlagt ihr uns immer wieder in die Melancholie, in den Rausch und in die alles überragende Euphorie.

Auf der Bühne macht ihr, worauf ihr Bock habt. Nüchtern seid ihr definitiv nicht auf den Auftritten. Ihr gebt's euch am Tag, ihr gebt's euch bei Nacht. Ihr tragt weiße Anzüge mit Soßenflecken drauf, raucht, gebt Schnaps aus, legt euch während dem Konzert auf den Boden und könnt wahrscheinlich immer noch nicht begreifen, wie geil euer Leben ist.

Die Show

Die Österreicher sind noch nicht mal zu sehen und das Publikum fängt schon während des Aufbaus an unisono zu singen. "Ans, zwa, drei, vier..." Akkurat verteilt eure Crew vor dem Auftritt die Wasserflaschen auf der Bühne und die weißen Handtücher vor den Mikrofonen. Und noch bevor man sich fragt „Whaat? Wanda trinkt Wasser?!“ tragen die Roadies die Bierkiste, die Weißweinflasche und den Schnaps auf die Bühne. Naaa also, ihr könnt uns doch nichts vormachen.

Freiburg ist euer erstes Konzert seit sechs Wochen, der erste Auftritt der Bussi-Tour und man merkt wie viel Bock ihr drauf habt. Als erste Handlung gibt’s zwei Biere aus der Kiste für die erste Reihe und da ich ganz vorne stehe, darf ich "Luzia" als ersten Song gleich mal mit 'nem Becks frisch aus der Hand vom Sänger miterleben. Großartig!

Wie ein Puppenspieler hast du uns im Bann, lieber Herr Marco Wanda. Du tanzt wie ein Schamane mit offenem Hemd komplett nass geschwitzt vor dem dauerhaft grinsenden Schlagzeuger - dem es eine pure Freude zu sein scheint, einfach nur zuzusehen.

Du hast eine rauere Stimme als auf den Alben, das ganze unterstreichst du mit rhythmischen Lendenstößen in Richtung der Ladies im Publikum. Deinem Bassisten gibst du Bussis, deinen Gitarristen nimmst du in den Arm und dem offensichtlich halb weggetretenen aber virtuosen Keyboarder prostest du immer wieder mit dem Wasserglas zu. Später fällt dieses Glas um und zerspringt komplett, sämtliche Flüssigkeit ab in die front row  - war übrigens Sekt und kein Wasser.

Von "Bologna" zu "Bussi Baby", von "Stehengelassene Weinflaschen" zu "Meine beiden Schwestern" - jeden Song singt ihr, als würde es euch noch richtig Bock machen und als wärt ihr noch nicht höllisch berühmt. Ihr gebt zwei Zugaben. Danke dafür!

Gerauchte Zigaretten auf der Bühne

Sieben

Getrunkene Schnapsflaschen

Zwei

Die Crowd

Und wieder... "Ans, zwa, drei, vier". Damit als ständigen Singsang im Hintergrund und mit der absoluten Textsicherheit eurer Fans braucht ihr eigentlich gar nicht selber singen. Wir übernehmen das schon. Ihr müsst nur weiter so spitzbübisch lachen, Wasser in die Menge spritzen, Schnaps verschenken und immer wieder euphorisch rufen, wie geil doch Freiburg ist. Nicht nur einmal könnt ihr aufhören zu singen, da das Publikum sogar während dem pogen, tanzen, hüpfen und schunkeln zu jedem Zeitpunkt den Text mit ruft. Alle waren sie da. Die jungen Fans, die älteren, die Gemütsschweren und die Gemütsschwerelosen. Jeder einzelne verehrt euch aus anderen Gründen. Ist aber auch ok. Verehrung, wem Verehrung gebührt.

Worüber ihr euch morgen freuen werdet

Eine ausverkaufte Halle, hunderte verliebte Mädchen und sehr viel verkaufte Jutebeutel und Platten, die ihr persönlich am Stand signiert habt.

Was euch morgen unangenehm sein wird

Dass du, Christian, mir deine tatsächlich richtige Handynummer schelmisch mit weißen Lackstift auf den Handrücken gemalt hast und mich später im Litfaß beim zweiten Bier panisch angefleht hast, sie nicht weiterzugeben oder im Internet zu veröffentlichen. Schick mir doch mal 'ne Konzertkarte für Wien zu, dann denk ich da mal drüber nach.



Ach ja... und dass ihr wild gestikulierend ausgeplaudert habt, dass der Sänger deshalb nicht mehr in der Kneipe aufgetaucht ist, weil er sich.... ähm.... wie sagt man das auf wienerisch.... seine Knödel griawig machen will.

Fazit

Auseinander gehen ist schwer, ja in der Tat. Schlaft euren Rausch aus morgen früh. Und falls ihr euch nicht mehr ans Konzert erinnern könnt: Es war sehr, sehr geil.

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Foto-Galerie: Florian Forsbach

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