Wie Studierende aus den USA die Präsidentschaftswahl in Freiburg erleben

Maria Hug

Donald Trump ist zum 45. US-Präsident gewählt worden! Vier in Freiburg lebende US-Amerikaner verraten, wer ihre Stimme bekommen hat, wie sie den Wahlkampf erlebt haben – und warum Trump die falsche Wahl ist.

Monatelang haben sich Donald Trump und Hillary Clinton einen erbitterten Wahlkampf geliefert. Dieser nähert sich jetzt seinem Ende: Am Dienstag dürfen rund 219 Millionen US-Bürger entscheiden, wer ihr neuer Präsident wird - oder ihre neue Präsidentin. Vier in Freiburg lebende US-Amerikaner erzählen von ihren Erfahrungen:


Susannah Brooks, 30 Jahre, aus Austin, Texas

"Viele Leute wollen sich nicht mit dem Wahlkampf beschäftigen, weil sie beide Kandidaten für böse halten. Ich finde es sehr unaufrichtig, so zu denken. Bei Donald Trump kann man nicht einmal mehr zählen, wie viele üble Sachen er gesagt hat. Hillary Clinton dagegen ist in meinen Augen kein bisschen böse. Ehrlich gesagt erinnert es mich an die Kritik, die Obama sich damals anhören musste. Die war auch deswegen so persönlich und giftig, weil er ein schwarzer Mann ist. Hillary Clinton hat ihre Fehler, aber auch sie wird so sehr angegriffen, weil sie eine Frau ist.

In meinem Heimatort in Texas haben schon alle gewählt. Abgesehen von dem üblichen, konservativen Opa unterstützen wir alle Hillary, und zwar enthusiastisch! Normalerweise macht Wählen mir wenig Spaß - ich wähle die Demokraten in einem Bundesstaat, der immer republikanisch ist - aber der Gedanke, dass vielleicht bald eine Frau an der Spitze der USA stehen könnte, spornt mich echt an.

Ein Sieg Donald Trumps würde mich ziemlich schockieren. Ich könnte jetzt sagen, dass ich dann einfach in Deutschland bleibe. Aber ganz ehrlich? Ich glaube gerade dann ist es wichtig, sich politisch zu engagieren. Sonst wird Trump noch sehr großen Schaden anrichten."

Jorrell Rush-Kittle, 29 Jahre, aus Hartford, Connecticut

"Hier in Deutschland zu sein hat meine Perspektive auf die amerikanische Politik sehr verändert. Ich habe ein ganz anderes System kennengelernt und ich liebe deutsche Politiker! Die größten Skandale, die sie haben, sind Plagiatsvorwürfe. Ich wünschte, das wäre in den USA auch so.

Wenn ich Trumpwähler anschaue, habe ich manchmal das Gefühl, dass sie in einem komplett anderen Universum leben. Das ist es auch, was ich so problematisch finde - ganz egal ob Trump am Dienstag die Wahl gewinnt oder nicht. Dass 30-40 Prozent der Bevölkerung eine Mauer bauen wollen, dass sie so einen schrecklichen Kandidaten unterstützen … das verstehe ich einfach nicht.

Ich finde Politik sehr wichtig. Eines Tages würde ich sogar gerne Senator werden. Dieser Wahlkampf hat mich allerdings ein wenig entmutigt. Ich kann sehen, was Hillary Clinton alles tun musste, um an die Spitze zu kommen und ich weiß nicht, ob ich diese Dinge auch tun könnte. Trotzdem: Sie hat meine Stimme.

Die Wahlnacht selbst werde ich hellwach verbringen. Und wenn sie das Ergebnis verkünden ...tja, dann werde ich entweder sehr erleichtert sein oder anfangen zu weinen."

Kate Peters, aus Gainesville, Florida

"Dieser Wahlkampf war ein echter Zirkus. Ganz Amerika musste eine Weile lang unter dem Schatten von Donald Trumps blondem Toupet leben. Das einzig Positive war, eine weibliche Präsidentschaftskandidatin zu haben.

Ich habe mit Begeisterung für Hillary Clinton gestimmt, obwohl ich in den Vorwahlen Bernie Sanders unterstützt habe. Klar kann ich verstehen, dass Leute Probleme mit ihr und dem Wahlsystem insgesamt haben. Ich halte es aber für verantwortungslos, deswegen gar nicht zu wählen. Hillary Clinton wird die progressive Politik betreiben, die ich mir wünsche. Sie mag zwar nicht so charmant sein wie Obama, aber ich glaube sie ist genau die richtige Person, um nach diesem turbulenten Wahlkampf die Wogen im Land ein wenig zu glätten.

Ich hoffe, Trump bleibt Amerika nur als ein angriffslustiger, schlecht frisierter Narzisst in Erinnerung. So eine Art dunkler Augenblick in unserer Geschichte, der all den unterschwelligen Rassismus und Sexismus ans Licht gebracht hat und Amerika dazu zwingt, sich mit ihm zu beschäftigen. Wie wir uns an Clinton erinnern werden … das wird sich noch zeigen. Ich jedenfalls habe hohe Erwartungen!"

Brendan Ryan, 23 Jahre, aus Menomonie, Wisconsin

"Von allen Kandidaten mag ich Clinton am liebsten. Besonders wichtig ist mir, was sie bereits alles gemacht hat. Sie war schon First Lady, sie war schon im Weißen Haus. Außerdem war sie Senatorin von New York und hat an der Yale Law School studiert. Das zeigt für mich, dass sie intelligent ist und sich mit Recht und Politik auskennt. Trump hat als Politiker gar keine Erfahrung - wobei das natürlich auch etwas gutes sein kann.

Auch wenn ich ihn nicht unterstützen würde, kann ich die Trump Anhänger auf jeden Fall verstehen. In meinem Heimatstaat Wisconsin hat sich die industrielle Situation komplett geändert. Auch die demographische Lage ist nicht mehr so wie früher. Die Leute haben Angst. Sie - und Trump - wollen, dass Amerika so ist wie vor 60 Jahren. Es stört sie, dass es sich seitdem so sehr verändert hat.

An der Wahlnacht selbst werde ich wahrscheinlich wach bleiben und die Ergebnisse verfolgen. Das habe ich die letzten Male auch immer gemacht. Wobei, hier in Deutschland muss ich dann bis 6, 7 Uhr aufbleiben. Das wird echt schwer."