fudder-Interview

Wie steht es um Freiburgs Nachtleben, OB Martin Horn?

Gina Kutkat, Anika Maldacker & Bernhard Amelung

Clubschließungen, Raumnot, Lärmbelästigung auf dem Augustinerplatz. fudder hat mit Oberbürgermeister Martin Horn über Freiburgs Subkultur gesprochen – und was er daran verbessern würde.

In fudders Fragebogen zur OB-Wahl 2018 hatten Sie geschrieben, dass Sie mehr Räume der Begegnung und Freiheit schaffen und das Nachtleben stärken wollen. Gibt es diese Räume schon und wo sind sie?

Als jüngster OB einer deutschen Großstadt in der jüngsten Großstadt Deutschlands finde ich persönlich, dass gerade junge Menschen viel Raum brauchen in Freiburg. Ich habe vergangene Woche mit unserem Popbeauftragten darüber gesprochen, wie wir es schaffen, mehr Veranstaltungsräume und auch Proberäume zu bekommen. Am Güterbahnhof gehen die Planungen dafür schon voran. Aber es gibt auch andere Bereiche, in denen unsere junge, kreative Szene berücksichtigt werden muss, wie bei der Planung zum Stadtjubiläum. Ich finde es ganz wichtig, dass wir nicht nur Hochkultur, sondern auch Subkultur und Kreativkultur einplanen. Für das Stadtjubiläum wollen wir hier noch mehr Akzente setzen.

OB Martin Horn bei fudders Fragenhagel:



Wie wollen Sie das Raumproblem angehen?

In unserer Dezernentenkonferenz wollen wir uns in einigen Wochen einen Überblick verschaffen. Klar, alle wollen mehr Räume. Aber wir wollen zunächst schauen, wie viele Räume wir haben und wie sie genutzt werden. Manchmal hängt es bei Schulen oder öffentlichen Gebäuden an der Zuständigkeit und an den Arbeitszeiten eines Hausmeisters. Da wäre es sinnvoller, keine neuen Räume zu bauen, sondern Hausmeister zu stärken und einzustellen. Der erste Schritt ist die Erfassung, im zweiten Schritt soll es konkreter werden.

"Ich war neulich um halb drei nachts im Neko. Die Türsteher haben ihren Augen nicht getraut, als sie mich sahen." OB Martin Horn

Wie haben Sie das Freiburger Nachtleben in Ihrer Amtszeit erlebt?

Ich habe früher lediglich Wochenenden mit Freunden in Freiburg verbracht. Das Nachtleben hier habe ich immer sehr wertgeschätzt, aber ich nehme zur Kenntnis, dass viele Freiburgerinnen und Freiburger bedauern, dass es weniger wird. Das bedauere ich ebenfalls. In unserer jungen, dynamischen Stadt brauchen wir Räume zum Feiern. Deshalb müssen wir überlegen, wie wir die Subkultur-Szene stärken können. Ich war neulich um halb drei nachts im Neko. Die Türsteher haben ihren Augen nicht getraut, als sie mich sahen. Es wurde zwar noch gefeiert, aber schon dezimiert. Ich war auch nach Mitternacht mal mit dem Team im EL.PI kickern. Da war ich einer der Älteren. (lacht) Aber klar, als OB und vor allem als glücklicher Familienvater geht man weniger feiern.

Wie sehen Sie den Status Quo im Nachtleben?

Das Thema Nachtleben ist ein Interessenkonflikt. Einerseits wollen die Anwohner Ruhe und klagen, andererseits befinden wir uns in der Verwaltung im Umbruch. Wir haben einen neuen Amtsleiter für das Amt für Öffentliche Ordnung. Mir ist es wichtig, dass wir als Stadtverwaltung offen für Verbesserungsvorschläge sind. Schon im Wahlkampf haben sich Leute beschwert und gesagt, das Nachtleben gehe zurück. Ganz selten höre ich aber konkrete Vorschläge, was genau wir wie besser machen sollen. Dabei gibt es positive Beispiele. Das Artik bekommt auch nach der Renovierung öffentliche Gelder, beim Slow Club wird sich die Unterstützung im neuen Haushalt voraussichtlich deutlich erhöhen. Es gibt tolle Projekte, daher müssen wir aufpassen, dass wir nicht alles schlecht reden.

"Es wäre spannend, wenn wir öfter auch jüngere Interessen einplanen würden." OB Martin Horn

Wo treffen Sie die junge, urbane Szene in Freiburg?

Bei Podiumsdiskussionen, beispielsweise mit der IG Subkultur. Mit Urbanes Freiburg gibt es nun eine Liste, die das Thema stärker in den Fokus rücken will. Gleichzeitig haben wir mit Junges Freiburg oder mit der jüngsten Stadträtin Julia Söhne schon jüngere Repräsentanten und Repräsentantinnen im Gemeinderat. Zudem bin ich noch viel unterwegs in der Stadt und nahbar in meiner Art. Die Leute schreiben mir viel über Facebook und Instagram.

Fehlt der junge Blick auf die Stadt in den institutionellen Gremien?

Es wäre spannend, wenn wir öfter auch jüngere Interessen einplanen würden. Nicht nur institutionell, sondern auch im freien Bereich. Wenn wir 700 Wohnungen im studentischen Bereich im Stadtteil Dietenbach sprechen, warum lassen wir nicht von Anfang an kreativ überlegen, ob wir dort nicht auch ein Feierareal integrieren könnten. Man könnte Bars oder einen Club planen und überlegen, wie das baulich aussehen müsste, damit es weniger Lärmprobleme gibt.

"Wir brauchen gute Subkultur-Angebote." OB Martin Horn

Sie haben einen Brief an den Vermieter des White Rabbit geschrieben. Was hat dieser Brief bewirkt?

Vor wenigen Tagen habe ich sogar eine Antwort bekommen. Mein Anliegen wurde zwar positiv aufgenommen, aber es sieht negativ aus. Als Stadt haben wir eben leider auch nur punktuell Einfluss. Klar, als Oberbürgermeister habe ich einen größeren Einfluss als andere. Aber auch wir haben es schwer, wenn Eigentümer oder Besitzer sagen, sie hätten kein Interesse.

Glauben Sie denn, das White Rabbit ist noch zu retten?

Ich würde es mir sehr wünschen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir brauchen gute Subkultur-Angebote. Deshalb würde ich mir wünschen, dass wir gegebenenfalls eine Ersatzlösung finden.

Mehr zum Thema: