Wie starb Hartmut Biesen?

David Weigend

Bis zu 50 Beamten der Freiburger Kriminalpolizei sind zur Zeit mit der Frage beschäftigt, wie der 68-jährige Hartmut Biesen im Januar am Schlossberg zu Tode kam. Wir haben Kriminalhauptkomissar Martin Homburger besucht und uns nach dem Ermittlungsstand erkundigt.



Eckdaten des Falls

Am 5. Januar 2009 wurde Hartmut Biesen als vermisst gemeldet, am 13. September fand ein Spaziergänger Teile des Schädels am Schlossberg. Am 17. September startete die Polizei die Suchaktion.

Am 21. September fand die Polizei weitere Knochenteile. Am 2. Oktober erfolgte die Zuordnung des Skeletts durch die Gerichtsmedizin (fudder berichtete).



Fundort der Leiche

Inzwischen haben die Ermittler fast das komplette Skelett zusammengetragen. Der Radius, in dem sie die Knochen fanden, beträgt zwischen 100 und 150 Metern. Die Leiche lag rund neun Monate im Freien. In einem bewaldeten, unzugänglichen Gebiet. Die Verwesung ging also von Menschen weitgehend ungestört vonstatten.

Allerdings leben am Schlossberg bekanntlich viele Tiere. Die haben mit Sicherheit das eine oder andere Leichenteil verschleppt. So erklärt sich, dass die Skelettteile so weit verstreut waren. Für die Ermittler kam erschwerend hinzu, dass die Knochen aufgrund ihrer Liegezeit von der gleichen bräunlichen Farbe sind wie das herumliegende Laub.

Man muss davon ausgehen, dass die Stelle, an der man die meisten Überreste des Menschen gefunden hat, der Ort war, an dem die Leiche ursprünglich lag. Diese Stelle liegt an der Westseite des Schlossbergs, zwischen Wasserreservoir und Aussichtsturm, etwa 15 Meter unterhalb eines Spazierwegs, an einer steilen Böschung. Einige Meter von dort entfernt war es auch, wo ein Spaziergänger im September den Großteil des Schädels fand und die Polizei alarmierte.



Mögliche Todesursachen

Es ist denkbar, dass Herr Biesen an dieser Böschung abgestürzt ist. Man kann nicht rekonstruieren, auf welchen Untergrund der Mann fiel (Stein, Baum etc). Die Gerichtsmediziner haben Schädelverletzungen festgestellt, die aber auch ein Dritter durch Gewalt verursacht haben könnte. Straftat, Unfall, Tod durch Erfrieren oder Suizid – bislang gibt es in dieser Frage keine Klarheit.



Das Umfeld des Toten

Hartmut Biesen lebte allein am Schlossbergring und hatte einen größeren Freundeskreis, auch in der Freiburger Gastronomie. Ein Bekannter hatte ihn vermisst gemeldet, zwei Tage, nachdem er zuletzt gesehen wurde. In Biesens Wohnung fand sich nichts Auffälliges.

Die Mitglieder der Ermittlungsgruppe Schlossberg (von zehn, je nach Erfordernis aber bis zu 50 Beamtinnen und Beamten stark) recherchieren derzeit in Biesens Bekanntenkreis vor allem dahingehend, ob es im Zeitraum vor Biesens Verschwinden einen Streit gab, eine schwierige persönliche Begegnung, die dann eskaliert sein könnte.

Bislang haben die Ermittler gut 30 Personen vernommen. Etwa 20 weitere Personen stehen auf der Liste, die aufschlussreiche Beobachtungen zu Biesens Lebenswandel gemacht haben könnten.

Herr Biesen war ein bodenständiger, unauffälliger, rüstiger und lebensbejahender Mensch, der sich gern draußen aufhielt. Auf dem Spazierpfad, an dem man ihn fand, hat man einen schönen Blick auf Freiburg. Er war ihm mit Sicherheit nicht fremd, zumal er ja am Fuße des Schlossbergs wohnte. Biesen hatte keine Familie, war zuletzt Lehrer in Karlsruhe und seit einigen Jahren pensioniert.

Hinweise

  • Tel. 0761 / 882-4884 (Kriminalpolizei, rund um die Uhr erreichbar)
  • Anonymes Telefon:  0761 / 41262 (AB)

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