Wie sicher sind Open-air-Festivals, wenn es blitzt und donnert?

Nadja Röll

Bei einem Metal-Festival in Sachsen sind am vergangenen Wochenende 51 Menschen durch einen Blitzschlag verletzt worden. Wie sind Südbadens Festivals auf Unwetter vorbereitet? Und: Bekämen Festivalbesucher ihr Geld zurück, wenn das Event abgebrochen wird?

ZMF und Sea of Lovey

"Wir arbeiten seit Jahren mit einem Konzept, das alle Eventualitäten vorsieht", erklärt Benedikt Jäger aus dem Produktionsteam des ZMF. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Feuerwehr, die uns bei Unwetterwarnungen direkt informiert. Entscheidungen über die Öffnung des Geländes werden jeden Tag mit der Wetterprognose abgeglichen."

Vor Regen seien die meisten Besucher im großen Zirkuszelt geschützt, die anderen könnten sich in drei kleineren Zelten unterstellen. Und wie sicher sind die Besucher da vor Blitzeinschlägen? "Blitzableiter an den Zelten gibt es nicht. Es ist aber auch noch nie ein Blitz in ein Zelt eingeschlagen", fügt Pressesprecherin Brigitte Schömmel hinzu. "Auf dem Gelände stehen Fahnenstangen, die höher sind als die Zelte. Zur Sicherheit sind die Metallkonstruktionen der Zelte geerdet und innen liegen Holzböden aus."

Sollte ein Konzert abgebrochen und das Areal am Mundenhof geräumt werden müssen, greift ein seit Jahren ausgearbeiteter Notfallplan: "Es gibt so viele Fluchtwege, dass sie auch ausreichen würden, wenn der Platz komplett voll wäre. Außerdem haben wir einen Shuttlebus und eigene Fahrzeuge, um das Gelände möglichst schnell zu evakuieren", so Benedikt Jäger. Gibt es das Geld für die Tickets für abgebrochene Veranstaltungen zurück?"Konzertkarten werden anteilig zurückerstattet, wenn unter 75 Minuten gespielt wurde."

"Für das ,Sea of Love’ gelten die gleichen Bestimmungen und Sicherheitsvorkehrungen wie für das ZMF", erklärt Tobias Botzenhardt, der als technischer Leiter für beide Festivals zuständig ist. "Beim ,Sea of Love" kommt noch der See als Gefahrenquelle hinzu. Aber da kann man natürlich keinen Blitzableiter anbringen. Da muss man die Leute schnell aus dem Wasser holen, wie an ganz normalen Badeseen auch."

Zeitraffer-Video: Blitze über Freiburg:



Stimmen-Festival Lörrach



"Wenn wir nach den Ereignissen des vergangenen Wochenendes unsere Sicherheitsplanung nochmal überarbeiten müssten, dann wäre da vorher etwas ganz schief gelaufen", so Mark Searle, technischer Leiter des Stimmen-Festivals. "Wir haben verschiedene Wetterdienste abonniert, stehen mit Feuerwehr und Flughafen in engem Kontakt und entscheiden danach, ob wir das Festivalgelände überhaupt öffnen."

Die größten Open-Air-Konzerte mit bis zu 5000 Zuhörern finden auf dem Marktplatz statt. Blitzableiter an der Bühne gebe es nicht. "Das Stimmen-Festival ist mitten in der Stadt. Da stehen vierstöckige Gebäude drum herum. Und ein Blitz schlägt ja normalerweise immer in den höchsten Punkt ein." Die Bühne sei so gebaut, dass sie auch orkanartigen Böen standhalten würde: "Ab Windstärke Sieben können wir die Rückwand aufmachen, so dass die Bühne nicht umgerissen werden kann. Die Konzerte sind zu diesem Zeitpunkt dann abgebrochen oder zumindest unterbrochen."

Wie schnell kann da im Notfall evakuiert werden? "Wir können das Festival in 5 bis 10 Minuten komplett räumen", so Mark Searle. Allen Besuchern gibt er für Ernstsituationen den Tipp: Ruhe bewahren! "Und unbedingt die Anweisungen befolgen. Nur weil ich in einer Situation etwas für richtig befinde, muss es noch lange nicht das Richtige für die Menschen um mich herum sein."

Video So verhält man sich bei einem Gewitter richtig:



I EM Music in Emmendingen und Sommersound in Schopfheim

Sowohl das Festival "I EM Music" in Emmendingen, als auch der "Sommersound" in Schopfheim findet ebenfalls auf Plätzen mitten in der Stadt statt. "Da sind wir vor Wind und Blitzen geschützt ", erklärt der Geschäftsführer der Konzertagentur Karo-Events Christoph Römmler. Auch hier steht man in direktem Kontakt zum Wetterdienst. "Regenüberdachungen für die Besucher gibt es nicht. Jeder soll einfach die entsprechende Kleidung mitbringen", rät Christoph Römmler.

Sollte es unvorhergesehen zu einer Extremsituation kommen, würde ein Sicherheitskonzept greifen: "Wir haben einen professionellen Sicherheitsdienst bestehend aus 30 Kräften vor Ort, einem Krankenwagen und sechs bis acht Sanitätern vom Roten Kreuz. Plus sechs bis acht Polizisten, um die 3 000 bis 4 000 Besucher schnellstmöglich zu evakuieren."

Geld gibt es nur zurück, wenn ein Künstler gar nicht auftreten kann. "Wenn ein Konzert bereits begonnen hat und abgebrochen werden muss, dann haben wir rein rechtlich unseren Auftrag bereits erfüllt." Christoph Römmler rechnet aber nicht mit gefährlichen Unwettern, allenfalls mit guter Stimmung trotz Regen. "Letztes Jahr hat es bei Milow geschüttet und der Sänger saß klitschnass vorne auf der Bühne. Das war eins der schönsten Konzerte überhaupt."

[Foto: Markus Zimmermann; Die Aufnahme zeigt das verregnete Konzert von Milow in Emmendingen 2011]