Wie sich Freiburgs Kandidaten zur Landtagswahl im Video präsentieren

David Weigend

Fünf Kandidaten aus Freiburg und nächster Umgebung versuchen derzeit mit Videos Wähler zu sammeln, ihre Kontrahenten zögern noch. Auffällig: Vor allem CDU- und FDP-Kandidaten haben Clips veröffentlicht. Wir haben uns die Werke angesehen und bewertet:



Klaus Schüle (CDU), Freiburg I



Frei nach: Forrest Gump

So will der Kandidat rüberkommen: Als sportlicher Ausdauertyp, der sich in einer Trainingspause vom Schwarzwälder Landwirt erklären lässt, wo der Schuh drückt.

Kernaussagen: Nächstenliebe als Grundwert, Unterstützung von Ehrenamt, Vereinen und ländlichem Raum (Anbindung öffentlicher Nahverkehr, Internet-Ausbau, Schulen), Lösung des Wohnungsproblems in Freiburg, Stadt- und Falkensteigtunnel vorantreiben.

Produktion: Opulent. Drohneneinsatz, mehrere Schauplätze zwischen Kanonenplatz und politischem Hinterland. Gedreht wurde, der malerischen Farben wegen, schon im Herbst.

Was wir nicht ganz verstanden haben: Joggt Schüle tatsächlich in einer Tour vom SC-Stadion nach St. Blasien? Falls das so ist, wie es der Spot suggeriert, sollte sich Schüle vielleicht doch besser für den New York Marathon bewerben.

Jens-Arne Buttkereit (FDP), Freiburg I




Frei nach:
Unser Lehrer Doktor Specht

So will der Kandidat rüberkommen: Familienmensch und Naturtyp, der mit dem Hund durch den Schnee stapft und den Kameramann zu sich ins Wohnzimmer lässt. Aber offenbar empfahlen die Imageberater Herrn Buttkereit ebenso, seine Rolle des klassischen Kulturbürgers zu betonen, der viel mit Zeitungen und Büchern hantiert.

Kernaussagen: Bildung Bildung Bildung, besseres Internet im Hochschwarzwald.

Produktion: Heimatfilm-Ästhetik mit Breitnauer Sonntagsidyll und aristokratischem Birklehof-Touch. Aalglatter Soundteppich.

Was wir nicht ganz verstanden haben: Auf welcher rätselhaften Matrix tippt Buttkereit da im Lehrerzimmer herum? Auf jeden Fall eine Steilvorlage für Verschwörungstheoretiker.

Eicke Weber (FDP), Freiburg II



Frei nach: Solaris

So will der Kandidat rüberkommen: Kosmopolit amerikanischer Prägung, ein Visionär, der sich aber auch gern mal mit seiner Frau bei Kerzenschein den gepflegten Roten einschenken lässt.

Kernaussagen: Klimaproblem lösen, Transformation in eine nachhaltige Wirtschaft, Energiewende

Produktion: Recht aufwändig, Weber musste sowohl auf der Kajo flanieren, als auch durch die Reben des Tunibergs stapfen. Der Regisseur schreckt nicht vor Close-Ups von Webers Gesicht zurück, um die Dringlichkeit bestimmter Botschaften zu unterstreichen.

Was wir nicht ganz verstanden haben: Warum trichtert der Macher des Clips offenbar allen FDP-Kandidaten ein, dass es authentisch rüberkomme, wenn man bestimmte Wörter wiederholt, vulgo stottert?

Patrick Rapp (CDU), Breisgau



Frei nach: Go West – Freiheit um jeden Preis

So will der Kandidat rüberkommen: Als Kämpfer für den Weiterbau der B 31 West

Kernaussagen: B 31 West weiterbauen

Produktion: Minimalistisch, gerade im Vergleich zu den CDU-Kumpanen Schüle und Schreiner. Den Einminüter auf der berühmten Sackgassenbrücke bei Gottenheim hat mutmaßlich Rapps Sekundant Micha Bächle mit der Handycam "gedreht".

Was wir nicht ganz verstanden haben: Alles kapiert. Rapp lässt keine Spekulationen offen und beschränkt sich auf die Message "Ich bin der Straßenbauer".

Vincenz Wissler (FDP), Breisgau



Frei nach: Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss.

So will der Kandidat rüberkommen: Tablet-Jungspund im Ralph Lauren-Hoodie, der im Einführungclip noch Hochdeutsch spricht, im Sequel dann aber ins Alemannische wechselt. Will heißen: Wissler kann sowohl Bankkaufmann, als auch "einer von uns".

Kernaussagen: Themen für junge Menschen forcieren, besonders Bildungspolitik. Dazu die etwas schwammige Ansage: "Die Flüchtlingsproblematik bewegt uns alle. Und wir sollten uns ganz genau überlegen, wie wir weiter vorgehen und was wir tun."

Produktion: Überschaubarer Aufwand. Aus der Szene, wie der 22-Jährige auf dem Mountainbike am Schönberg herumgurkt, hätte wahrscheinlich sogar der Werbefilmer der ÖDP mehr gemacht.

Was wir nicht ganz verstanden haben: Warum läuft der Teleprompter so langsam? Immerhin spricht Wissler in einem Tempo, das auch den Bewohnern des örtlichen Altersheims gerecht wird. Bloß gehören die nicht unbedingt zu seiner Zielgruppe.

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