fudder-Interview

Wie sich ein Freiburger beim Fridays-for-Future-Kongress in Lausanne vernetzt

Katharina Federl

Im Schweizerischen Lausanne findet diese Woche das erste internationale Fridays-for-Future-Gipfeltreffen statt. Der 16-jährige Freiburger Felix Quartier ist als einer von 30 deutschen Vertretern vor Ort.

Felix, wie läuft der "Smile for Future"-Kongress in Lausanne ab? Wie sieht euer Tag so aus?

Felix Quartier: Am Anfang haben wir uns in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt, die an Strukturen und Forderungen von Fridays for Future feilen. In großen Plenen tragen wir dann das Erarbeitete zusammen. Zwischendurch werden Reden gehalten und Workshops gegeben, heute morgen zum Beispiel von Jean-Pascal van Ypersele, dem ehemaligen Vizepräsidenten von IPCC.

Du bist als einziger Freiburger auf dem Kongress. Wer hat das entschieden?

Insgesamt sind 450 Repräsentanten aus 37 unterschiedlichen Ländern hier. Die Vertreter aus Deutschland hat ein Team der Fridays-for-Future-Organisation ausgewählt – mir haben sie über WhatsApp Bescheid gegeben, dass ich kommen darf.

Kanntest Du die anderen Vertreter vorher schon?

Die meisten waren fremd für mich, auch weil viele aus nicht-europäischen Ländern wie Kanada oder Israel kommen, in denen ich noch nie war. Mit den Deutschen und sehr vielen Schweizern hatte ich vorher schon Kontakt. Wir haben uns auf Treffen und Demonstrationen in Berlin, Brüssel oder Hamburg kennengelernt.

Bleibst Du eher unter den Leuten, die du kennst?

Nein, gar nicht. Hier ist alles komplett durchmischt. Man trifft ständig neue Leute, weil alle super nett und offen sind. Der gegenseitige Austausch ist auch der große Mehrwert an dieser Veranstaltung.

Was hast Du aus den Gesprächen mitgenommen?

Ich habe total viel über andere Länder und deren Bewegungen erfahren. Zum Beispiel habe ich ukrainische Schüler kennengelernt, die in ihrer Heimat mit dem Krieg zu kämpfen haben. Oder polnische Schüler, die mir erzählt haben, dass dort die ganze Gesellschaft gegen sie und die Fridays for Future steht.

Im Vergleich dazu findet die Bewegung in Deutschland ja ziemlich viele Anhänger...

Ja, zum Glück. Wir kriegen echt große Unterstützung.

Greta Thunberg ist ja auch vor Ort. Welche Rolle übernimmt sie?

Greta ist eine Teilnehmerin wie jede andere hier. Sie hat zwar am ersten Tag eine Pressekonferenz gegeben, ist aber sonst ganz normales Mitglied in den Arbeitsgruppen und hilft uns, zu Ergebnissen zu kommen.

Was sind eure Ergebnisse bisher?

Es wurde viel über die Werte der Organisation diskutiert. Also: Welche Grundsätze haben wir? Für was stehen wir? Was sind die europäischen Forderungen? Da sind wir noch zu keinem Endergebnis gekommen.

Und gibt es irgendwelche neuen Beschlüsse?

Nein, das nicht. Aber das ist auch nicht das Hauptziel der Veranstaltung. Es geht mehr um die Vernetzung der globalen Gemeinschaft. Und darum, unsere Ziele klar zu formulieren. Wir haben wenig Zeit, deshalb brauchen wir möglichst schnell radikale Veränderungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft.

Kannst Du das zentrale Ziel benennen?

Die globale Erderwärmung so gut es geht aufzuhalten.

Dafür steht ihr auch am Freitag in Lausanne auf der Straße. Mit welchem Gefühl gehst Du am Samstag nach Hause?

Mit einem sehr positiven. Es war ein super wichtiges Treffen und eine sehr gute Vorbereitung auf den weltweiten Klimastreik am 20. September.
Am 20. September findet der dritte globale Klimastreik statt. Weltweit wird für die Einhaltung des Pariser Abkommens und gegen den anhaltenden Klimawandel demonstriert. Dieses Mal werden explizit alle Generationen (nicht nur Schüler und Schülerinnen) dazu eingeladen, zusammen auf die Straße zu gehen. In Freiburg beginnt die Demonstration um 10 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge (vor dem Stadttheater).

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