Wie sich die Uni auf den Doppeljahrgang 2012 vorbereitet

Friederike Günter

Volle Hörsäale und Schwierigkeiten, als Studierender eine bezahlbare Unterkunft zu bekommen - diese Probleme gibt es in Freiburg schon jetzt. Kein Wunder, dass der Doppeljahrgang 2012, wenn die ersten G8-Gymnasiasten zeitgleich mit einem G9-Jahrgang Abitur ablegen, manchen Sorgen bereitet. Aber Uni und Studentenwerk blicken der Lage gelassen entgegen - sie fühlen sich gut vorbereitet.

"Die Uni Freiburg ist gut auf den sogenannten 'Ansturm' vorbereitet," sagt Eva Opitz, Pressesprecherin der Uni, auf Nachfrage nach dem „Doppelten Jahrgang“. „Sie hat ihr Studienplatzangebot enorm gesteigert hat“. Haben die kommenden Studierenden also nichts zu fürchten?


Antje Wark (Bild links) fängt bereits in diesem Herbst mit dem Studium an. Sie hat gerade am Sankt-Ursula-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat. „Ich habe einen viel besseren Notendurchschnitt, als ich vermutet habe,“ sagt sie merklich überrascht. Beworben hat sie sich auf einen Studienplatz für Medizin. Nicht in Freiburg, sondern in Heidelberg und Leipzig. “Freiburg ist erstens sehr beliebt, daher ist es sehr schwer reinzukommen. Außerdem wollte ich mal von daheim wegkommen.“

Antje gehört zum letzten 13er Jahrgang in Baden-Württemberg, der noch alleine das Abitur machte. 2012 kommt der doppelte Jahrgang: dann werden die Jahrgangsstufen 12 und 13 zusammen ihre Hochschulreife ablegen.

Doch auch schon in diesem Jahr ändert sich etwas: denn am 1. Juli fällt der Zivildienst weg. Der geschaffene Ersatz, der sogenannte Freiwilligendienst, zieht bis jetzt wenige Interessenten an. Das Magazin Focus schreibt von 2000 mickrigen Bewerbern. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), bekannt für seine Ratings deutscher Hochschulen und Fächer, rechnet insgesamt mit bis zu 500.000 neuen Studienbewerbern. In Freiburg sieht man den gestiegenen Bewerberzahlen dennoch gelassen entgegen.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass von allen Bewerbungen immer nur knapp die Hälfte von Abgängern des aktuellen Abiturjahrgangs kommt. Die Mehrheit der Bewerber hat das Abitur in den Vorjahren gemacht,“ erklärt Professor Heiner Schanz, Prorektor für Lehre der Uni. Auch Antje beobachtet das in ihrem Umfeld. „Viele aus meinem Jahrgang wissen noch gar nicht, was genau sie machen sollen und haben sich deswegen noch nicht auf einen Studienplatz beworben,“ sagt sie. Von der Schule erhielten sie dabei kaum Hilfe. „Uns wurde beigebracht, wie man sich richtig auf eine Ausbildungsstelle bewirbt, aber wie ich einen Studienplatz finde oder welcher richtig für mich ist, das wurde mit uns nicht besprochen.“

Obwohl sich die 18-Jährige relativ sicher ist, allein durch den NC schon einen Platz zu bekommen, wollte sie sich nicht darauf verlassen. „Ich habe noch einen speziellen Medizinerstest von der Uni Heidelberg gemacht. Das ist eine Art Intelligenztest, der meine Chancen hoffentlich noch erhöht.“ Sollte ihr Notendurchschnitt und der Test immer noch nicht reichen, muss sie darauf hoffen, dass andere Bewerber mit Zusage noch abspringen. Danach gibt es noch ein Losverfahren für die verbliebenen Studienplätze. „Das ist dann aber erst im Oktober. Dann wäre es sehr schwierig für mich, so kurzfristig ein Zimmer zu finden.“

Dieses Problem gibt es auch in Freiburg mit zulassungsbeschränkten Fächern, wie Thomas  Seyfried vom U-Asta erklärt. „In den klassischen Fächern, wie zum Beispiel bei Jura, sind die Zusagen in Freiburg oft so spät, dass Bewerber auf andere Unis ausweichen oder eben den Platz so kurzfristig nicht antreten können.“ Den doppelten Jahrgang 2012 sieht er hingegen ähnlich gelassen, wie die Verantwortlichen an der Uni. „Es bleibt abzuwarten, wie viele Bewerber es geben wird, aber die Uni hat sich innerhalb ihrer Möglichkeiten so gut sie kann darauf vorbereitet. Ob aber die vom Land bereit gestellten 2012-Mittel ausreichen, daran scheiden sich die Geister.“

Konkret hat die Uni mit den vom Land zur Verfügung gestellten Mittel seit dem Wintersemester 2007/08 640 neue Studienplätze geschaffen. Zusätzlich wurden für Studienanfänger im kommenden Wintersemester 125 zeitlich begrenzte Studienplätze geschaffen. Diese zusätzlichen Maßnahmen laufen bis 2017.

Auch das Studentenwerk bereitet sich vor. „Wir bauen zwei neue Wohnheime, schaffen so circa 400 neue Plätze,“ sagt Renate Heyberger, Pressesprecherin vom Studentenwerk Freiburg. „Außerdem rüsten wir uns für eine erhöhte Nachfrage auf die Notunterkünfte Anfang des Wintersemesters. Dazu kommt noch eine zusätzliche halbe Psychologenstelle, mehr Kita-Plätze und die Bafög-Abteilung wurde auch aufgestockt.“ Sie rechnet mit ungefähr 1000 zusätzlichen Bewerbern im nächsten Semester. „Wenn es dabei bleibt, dann wird es nicht dramatisch werden.“

Steigende Studierendenzahlen
liegen aber nicht nur an einem doppelten Jahrgang. Seit Jahren steigt die Anzahl der Abituriennten in Baden-Württemberg und ganz Deutschland kontinuierlich an. Das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie hat letzten Oktober vorgerechnet, dass bis 2020 bis zu einer Millionen zusätzliche Studienplätze in Deutschland benötigt würden. 300.000 seien vom „Hochschulpakt 2020“ von Bund und Länder abgedeckt. Würden also nur noch 700.000 Plätze fehlen.

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[Bild 1: dpa; Bild 2: Privat]