Interview

Wie sich der Physikprofessor Horst Fischer auf die beliebte Weihnachtsvorlesung vorbereitet

Franziska Brandsch

Spannende Physik: Die legendäre Weihnachtsvorlesung an der Uni Freiburg steht wieder an. Im fudder-Interview spricht Physikprofessor Horst Fischer über Kaffeetassen, die Loopings machen – und warum es bei ihm keine Zipfelmützen gibt.

Haben Sie schon konkrete Experimente-Ideen?

Horst Fischer: Ja, wir fangen mit den Vorbereitungen für die Weihnachtsvorlesung bereits im späten Frühjahr an. Spätestens im Mai müssen schon die ersten Ideen für neue Experimente stehen, da Herr Wentsch, der die Versuche aufbaut, und ich das ja neben dem normalen Vorlesungsbetrieb machen. Wir bauen die Versuche im Vorfeld auf und üben sie auch schon, damit sie dann auch wirklich funktionieren.

Gibt es Klassiker, die jedes Jahr vorgeführt werden?

Wir tauschen jedes Jahr ungefähr die Hälfte der Versuche aus. Somit ist ein Teil immer komplett neu und die anderen Experimente bestehen aus Klassikern der vergangenen Jahre. Da gibt es ein paar Schöne, da weiß man natürlich auch, die sind sehr beliebt beim Publikum, wie zum Beispiel die Rauchwirbel, die wir durch den Raum schießen. Was auch immer sehr schön ist, ist wenn man Schaumgebäck im Vakuum aufgehen lässt und es wieder zusammenfällt. Das sind so die typischen "Ah"-Experimente.

"Es wird natürlich kein Krippenspiel mit Zipfelmützen oder ähnliches geben, es sind alles Physik-Experimente."

Sind die spannenden Experimente mit Feuer und lautem Knall auch die beliebtesten?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben mittlerweile einen Fundus von rund 400 Experimenten, die wir in den letzten acht bis zehn Jahren zusammen entwickelt und in die Weihnachtsvorlesung eingebracht haben. Davon gibt es in etwa zehn Experimente, bei denen wir sagen, das sind die Renner schlechthin, aber die spannendsten sind es noch lange nicht.

Wird es spezielle Weihnachtsversuche geben?

Was für Experimente wir dieses Jahr zeigen werden, möchte ich nicht verraten. Es wird natürlich kein Krippenspiel mit Zipfelmützen oder ähnliches geben, es sind alles Physik-Experimente. Der Anlass ist einfach, sich vor Weihnachten nochmal etwas Schönes zu gönnen und sich an den Versuchen zu erfreuen. Wir hatten sogar auch noch nie Glühwein (lacht).



Was ist der Grund für die große Begeisterung unter den Studierenden?

Die wenigsten, die sich anmelden, sind Studierende. Der Großteil sind Leute von außerhalb. Die Anmeldung läuft immer ab dem 2. November und auch dieses Jahr waren innerhalb von 16 Stunden alle drei Vorlesungen ausgebucht. Bei vielen Leuten besteht ein Interesse für leichte, anschauliche Wissenschaft. Und die Physik ist etwas Leichtes, finde ich, man sieht etwas und versteht es auch. Zumindest versuchen wir es dem Pubkikum zu erklären. Die Jüngsten, die bei der Vorlesung zuschauen, sind etwa zwei Jahre alt, und dann geht es bis weit über 90. Ab dem Grundschulalter kann man dann auch die meisten Experimente nachvollziehen. Natürlich gibt es auch komplizierte Experimente, die Physikstudenten ansprechen. Das Schöne ist: Es ist einfach für jeden was dabei.

Wie viele Experimente werden gezeigt?

Etwa 20 bis 24. Es kommt auch immer darauf an, wie lange es dauert, ein Experiment aufzubauen und durchzuführen. Da gibt es zwei Extreme: einmal beispielsweise das Schaumgebäck, bei dem das Aufgehen des "Teigs" durch das Pumpen bereits ein paar Minuten dauert und alle Experimente, die Wärme beinhalten, dauern länger. Und dann gibt es wiederum sehr schnelle Experimente, die instantan, also augenblicklich, auszulösen sind.

"Bei manchen Experimenten darf das Publikum auch mitmachen."

Was wäre ein Beispiel für ein schnelles Experiment?

Der Kaffeeservice-Versuch von letztem Jahr beispielsweise. Hierbei werden eine Kaffeekanne und eine Kaffeetasse jeweils an ein Ende einer Schnur befestigt und über eine Stange gehängt. Wenn man nun die Kaffeetasse loslässt, pendelt die Tasse und beginnt Loopings zu machen, da die Kaffeekanne auf der anderen Seite mit einem größeren Gewicht an der Schnur zieht. Ein paar Zentimeter vor dem Fußboden bleibt die Kaffeekanne hängen und die Schnur der Seite der Tasse ist aufgewickelt. Bei manchen Experimenten darf das Publikum auch mitmachen und das geht dann natürlich immer länger. Wir wollen immer in einer Stunde fertig werden, aber in der Regel dauert es eine Stunde und zwanzig Minuten.

Darf man darauf hoffen, dass es in den nächsten Jahren weitergeht?

Wir halten es wie bei der Fernsehshow: The same procedure as every year. Solange es uns Spaß macht, machen wir das.
Zur Person

Horst Fischer (58) ist Physik-Professor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er kommt ursprünglich aus Urloffen, Appenweier, und begann sein Studium 1981 in Freiburg. Dort machte er auch sein Diplom in Physik. Zum zehnten Mal hält er in diesem Jahr die Physik-Weihnachtsvorlesung.

Die Weihnachts-Vorlesung findet jedes Jahr an drei Nachmittagen statt. Dieses Mal am 14., 15., und 16. Dezember. Alle Veranstaltungen sind bereits ausgebucht. Etwa 360 Personen passen in den Hörsaal.

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